Christian Steinemann ist Retrorun-Sportler

Rückwärts bei der WM in Essen

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Die Beinstellung zeigt, dass der 36-jährige Christian Steinemann seine Trainingsrunden auf dem Sundering-Sportgelände in Barnstorf rückwärts absolviert. Am Freitag geht der Physiotherapeut bei den sechsten Retrorun-Weltmeisterschaften in der Ruhrgebietsmetropole Essen an den Start.

Barnstorf - Von Gerhard Scheland. Der „Richtungswechsel“ kam für den 36-jährigen Christian Steinemann aus Barnstorf eher zufällig: „Vorwärts laufen kann jeder, auch längere Strecken. Sich aber rückwärts möglichst schnell und lange auf zwei Beinen zu bewegen, ist eine echte Herausforderung.“ Vor gut einem halben Jahr hat der selbstständige Physiotherapeut das Rückwärtslaufen ausprobiert und war erstaunt: „Es macht nicht nur riesigen Spaß, sondern kräftigt auch ganz spezielle Muskelgruppen.“

Seit dem Einstieg in die von anderen Sportlern eher belächelte Randsportart ist der zweifache Familienvater dabei geblieben, hat das Rückwärtslaufen intensiv trainiert und mit jeder Runde auf dem Trainingsplatz am Sundering seine Technik verbessert. Mit dem Ergebnis, dass er sich schon vor Wochen für die Retrorun-Weltmeisterschaften in der Ruhrgebietsmetropole Essen angemeldet hat. Der Barnstorfer geht am kommenden Freitag drei Mal an den Start: beim 100-Meter-, 800-Meter- und 3.000-Meter-Rückwärtslauf.

Siegchancen rechnet sich Christian Steinemann bei seinen ersten WM-Starts noch nicht aus. „Spaß an der Freude und der olympische Gedanke stehen deutlich vornean“, verrät er. „Dabeisein ist alles“, nennt er als Motto für seine Teilnahme. Der 36-Jährige sieht sich als Amateur auf dem Gebiet des Rückwärtslaufens und wird deswegen wohl kaum einen Platz auf dem Siegertreppchen erreichen.

„Ich treffe bei den ersten Titelkämpfen auf deutschem Boden auf die besten Profis der Welt“, weiß Steinemann nach einem Blick in die Starterlisten. Deswegen legt er die Messlatte für sein Abschneiden bewusst niedrig: „Auf der 100-Meter-Distanz möchte ich gern den Vorlauf überstehen“, wünscht sich der MTV-Sportler, „bei den beiden anderen Starts schauen wir mal, was dabei rauskommt.“

Die mehr als 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die von Donnerstag, 14. Juli, bis Sonntag, 17. Juli, in insgesamt 48 Klassen an den Start gehen, reisen aus allen Teilen der Welt an. Aus Taiwan, den USA, Brasilien, Venezuela, Mexico und Kanada beispielsweise, aber auch aus China und Südafrika sowie aus mehreren europäischen Ländern und natürlich aus Deutschland. „Durch Einteilung nach Geschlecht und Alter werden bei der inzwischen sechsten Auflage der Retrorun-Weltmeisterschaft 48 Titel vergeben“, fasst Steinemann das Rückwärtslauf-Spektakel zusammen. „Neben den olympischen Strecken 100, 200, 400, 800, 1.500, 3.000, 5.000 und 10 000 Meter wird auch ein Halbmarathon gelaufen“, ergänzt er. Der aktuelle Weltrekord im Rückwärtslauf über die 100-Meter-Distanz liegt bei beachtlichen 13,6 Sekunden“, macht Steinemann deutlich, „das sind nur vier Sekunden langsamer als die aktuelle Bestzeit beim normalen 100-Meter-Sprint.“

Der Barnstorfer Physiotherapeut ist schon seit seiner Kindheit sportbegeistert. Er hat in früheren Jahren aktiv Basketball gespielt, ist später dem ledernen Spielgerät beim Fußball nachgejagt und hat in der jüngeren Vergangenheit in der Leichtathletik seine sportliche Heimat gefunden. „Seit mehr als vier Jahren sind Laufwettbewerbe über verschiedene Distanzen mein Ding“, betont der MTV-Sportler und verweist bereits auf die Teilnahme an großen Marathon-Events. „Herausragende Erlebnisse waren die Starts in Hamburg und Berlin“, erinnert er sich. „Beide Veranstaltungen habe ich im Schlussbereich des erstplatzierten Drittels beendet“, war und ist er mit seinem Abschneiden bei den Großevents zufrieden: „Auch bei kleineren Marathons habe ich immer ähnlich gut abgeschnitten.“

Damit die notwendige Fitness erhalten bleibt, trainiert der 36-Jährige mehrmals in der Woche. Runde für Runde auf der Sportanlage im Sundering oder auf externen Strecken mit Marathon-Distanz. Bis kurz vor Trainingsende immer vorwärts, zum Abschluss dann auch rückwärts. „Damit schule ich meine Lauftechnik und tue gleichzeitig etwas für die Verbesserung der Koordination“, begründet Steinemann seine eigenwilligen Trainingsabläufe. „Weil beim Rückwärtslauf die Augenkontrolle fehlt, muss ich viel mit Gefühl ausgleichen.“

Die Retrorun-WM in Essen sieht der Barnstorfer als schönes Gegenstück zur inzwischen überkommerzialisierten Sportwelt und seinen eigenen Start als „Kick, einfach mal etwas anderes auszuprobieren.“ Es habe ihn schon immer gereizt, mal an einer Weltmeisterschaft teilzunehmen, gibt Steinemann zu. „In Essen habe ich jetzt die Möglichkeit dazu – mit großem Ehrgeiz, aber ohne vorherige Qualifikation.“

Der 36-Jährige trägt bei seinen drei Starts am Freitag übrigens ein leuchtend-grünes Laufshirt mit Beflockung: „Lauf Forrest, lauf“ ist auf dem Rücken zu lesen, und am Schriftzug im Brustbereich erkennen die Zuschauer, dass der „Christinator“ die Farben des MTV Barnstorf vertritt. „Das Outfit ist ein Geschenk meiner Patienten und soll mir Glück bringen.“

Auch Sportredakteur Matthias Freese probierte sich im Rückwärtslaufen: Im Duell mit Dennis Schmidt.

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