Kontaktstelle bekommt mehr Geld: Neue Mitarbeiterin eingestellt

Rückenwind für Selbsthilfe

Freuen sich über die Stärkung: (v.l. )Ursula Dell, Maren Mimus, Jürgen Kramer (Vorstandsmitglied im Trägerverein „Igel“ der Kontaktstelle) und Anke Hoffmann. - Foto: Seidel

Barnstorf - Von Anke Seidel. Sprachlosigkeit, quälende Selbstvorwürfe und die ewige Frage nach dem Warum: Die Mitarbeiterinnen der Selbsthilfe-Kontaktstelle in Barnstorf wissen, welchem Leidensdruck Angehörige nach dem Suizid eines Familienmitglieds ausgesetzt sind. „Wir bekommen in einem halben Jahr bis zu sechs Anfragen“, berichtet Ursula Dell über den Wunsch von Betroffenen, sich in einer Selbsthilfegruppe mit anderen austauschen zu können. Aber so ein Forum professionell auf den Weg zu bringen, kostet Zeit und persönlichen Einsatz. Bisher war beides mehr als knapp in der Selbsthilfe-Kontaktstelle. Jetzt sind die Mitarbeiterinnen glücklich, dass sich die Situation entscheidend verbessert hat.

Denn seit wenigen Wochen verstärkt Maren Mimus (45) die Kontaktstelle – und kann die Leiterin Ursula Dell (54) sowie die Verwaltungskraft Anke Hoffmann (47) unterstützen und entlasten. Möglich gemacht hat das eine überregionale Entscheidung, die Ursula Dell und ihre Kolleginnen als „Weihnachtsgeschenk“ empfunden haben: Die Krankenkassen haben die Finanzierung der Selbsthilfe von 64 Cent auf 1,05 Euro pro Versichertem aufgestockt: Rückenwind für die Arbeit – und Geld, das zur Hälfte direkt in die ehrenamtliche Selbsthilfe-Arbeit sowie zur anderen Hälfte in die Finanzierung der Kontaktstellen fließt.

„Jetzt können wir die Selbsthilfegruppen noch mehr unterstützen und begleiten!“, freut sich Ursula Dell. Zu ihren 25 Wochenstunden als Leiterin kommen jetzt noch einmal die 20 Stunden von Maren Mimus als Mitarbeiterin. Anke Hoffmann ist mit 15,25 Stunden dabei.

„Ab Herbst wollen wir eine Außensprechstunde in Syke anbieten“, berichtet Ursula Dell über ein neues Projekt der Selbsthilfe-Kontaktstelle. Von Barnstorf aus betreut das Team immerhin 76 Gruppen im gesamten Landkreis. Selbsthilfegruppen, die bei Krankheiten wie Narkolepsie (Störung der Schlaf-Wach-Regulation), Morbus Parkinson, Depression oder anderen Leiden Entlastung bieten.

Nicht immer läuft alles glatt. Will der Gruppenleiter oder die -leiterin ihr Amt abgeben und ein Nachfolger ist nicht in Sicht, muss Ursula Dell eine Lösung erarbeiten. Das gilt genauso, wenn es in einer Gruppe zu persönlichen Meinungsverschiedenheiten kommt.

Ziel der Kontaktstellen-Leiterin ist es vor allem, die Netzwerk-Arbeit zu verstärken, sprich die Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen und Institutionen. Sie kann sich zum Beispiel ein gemeinsames Projekt des Jugendamtes und einer Selbsthilfegruppe für Eltern von autistischen Kindern vorstellen. Auch mit den Krankenhäusern im Landkreis Diepholz möchte Ursula Dell mit Unterstützung ihrer Kolleginnen enger zusammenarbeiten. Öffentlichkeitsarbeit ist ein ebenso wichtiger Punkt. So wird heute um 10 Uhr im Rathaus Weyhe die Wanderausstellung „Gesichter der Selbsthilfe“ eröffnet. Im Mittelpunkt stehen Menschen, die sich in der Selbsthilfe engagieren.

Selbstredend wollen die Mitarbeiterinnen auch die gewünschte Selbsthilfegruppe für Angehörige nach Suizid auf den Weg bringen. Dafür müsse zunächst ein Projekt entwickelt werden, das genau auf die Bedürfnisse der Betroffenen zugeschnitten ist: „Wir müssen genau hinschauen, was diese Menschen brauchen.“

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