Verein stellt Fachkraft ein

Hollerhof-Team in Donstorf zieht positive Ernte-Bilanz auf

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Mit dem Gemüseanbau der vergangenen Monate sind die Vertreter der „Solidarischen Landwirtschaft“ in Donstorf sehr zufrieden (v.l.): Sebastian Moritz, Petra Kalusche, Hildegard Stubbe und Fenja Rossbach.

Donstorf - Die noch von Erde bedeckten Möhren haben allesamt Gardemaß, die Paprikaschoten im Folientunnel präsentieren sich in sattem Rot oder leuchtendem Orange, und dicht daneben schicken sich die Zucchini an, Rekordgrößen zu erreichen. Bei Radieschen, Zwiebeln und Porree sieht es ähnlich vielversprechend aus. Wenn Hildegard Stubbe ihren Blick über die direkt hinter ihrem Hause liegenden Gemüseanbauflächen schweifen lässt, dann fällt es ihr bei der prächtigen Vegetation leicht, ein positives Ernte-Resümee zu ziehen.

Die Landfrau ist Mitinitiatorin der Anfang vergangenen Jahres ins Leben gerufenen „Solidarischen Landwirtschaft“, kurz Solawi, und bewirtschaftet als Kooperationspartnerin den Hollerhof in Donstorf. Auf den Flächen baut der Initiativkreis sein eigenes Biogemüse an. Es wird nach der Ernte unter den Vereinsmitgliedern verteilt, die sich finanziell an dem Projekt beteiligen und somit den wirtschaftlichen Erfolg gewährleisten.

„Gut bis sehr gut“, bewertet die umtriebige Donstorferin die Ergebnisse der wöchentlichen Ernteeinsätze der fleißigen Mitglieder. Die zweite Saison nach der Vereinsgründung ist auf dem Anbaugelände der Familie Stubbe so gut gelaufen, dass mehrere Mitglieder wegen des reichlichen wöchentlichen Gemüseertrages ihre Anteile reduziert haben.

Ebenso positiv wie die Ernteerträge hat sich der Hollerhof selbst entwickelt. Die Zahl der Mitglieder, die vom Gemüseeinkauf in Supermärkten abgerückt sind und ihr Gemüse aus eigenem Anbau auf den Tisch bringen, hat sich in zwei Jahren nahezu verdoppelt. Mehr als 80 Mitglieder bedienen sich inzwischen auf dem Areal, nehmen ihr Gemüse mit nach Hause oder beliefern die Depots in der Nachbarschaft. In der Ökosiedlung in Heede beispielsweise, aber auch inBrockum und Rechtern.

Parallel dazu sind das ursprünglich 6 600 Quadratmeter große Gemüseareal und die dazugehörende Infrastruktur gewachsen. Im kommenden Jahr steht für annähernd 50 Gemüsesorten eine Fläche von 15 000 Quadratmetern zur Verfügung. Obendrauf noch rund 5 000 Quadratmeter für den Anbau verschiedener Kartoffelsorten. Um allen Anforderungen längerfristig gerecht zu werden, ist im Laufe dieses Jahres von einer Fachfirma auf dem Anbaugelände der zweite gebrauchte Folientunnel montiert worden, den Mitglieder zuvor in Diepholz erworben hatten.

Und weil Stubbe die Arbeit trotz tatkräftiger Unterstützung der Mitglieder über den Kopf zu wachsen drohte, steht seit knapp einem Monat mit Sebastian Moritz ein junger Gärtner aus Süddeutschland auf der Lohnliste des Vereins. Unterstützt wird der Gemüse-Experte, dem die Arbeit in Donstorf sichtlich Spaß macht, von seiner Freundin Fenja Rossbach. „Sebastian ist durch das Netzwerk Solidarische Landwirtschaft im Internet darauf gestoßen, dass wir schon länger eine Fachkraft suchen“, erläutert Stubbe das Zustandekommen der dringend notwendigen Personaleinstellung. „Jetzt ist unser Fokus verstärkt auf Finanzierungsmöglichkeiten gerichtet, damit wir Sebastian langfristig beschäftigen können.“

Zu den ökologischen Aspekten des Projektes zählt, dass nicht jedes Gemüse zu jeder Zeit vorrätig ist. Allerdings hat die breite Palette schon in den beiden Anfangsjahren gezeigt, dass während des ganzen Jahres fast jedes Gemüse verfügbar ist. Überschüssige Erträge werden in einem Container auf dem Hof gelagert und mittels eines Aggregats kühl und frisch gehalten. „Uns stehen jetzt noch Zwiebeln der letztjährigen Ernte zur Verfügung“, verdeutlich Stubbe die hervorragende Qualität aller Erzeugnisse.

Weil die Anbaufläche unter Folie mit inzwischen 650 Quadratmetern durch den Bau des zweiten Tunnels mehr als verdoppelt werden konnte, hat sich auch die Qualität bei Tomaten, Schlangengurken und Auberginen deutlich verbessert. Reife Tomaten konnten im oberen Pflanzenbereich nur mit dem Einsatz von Leitern geerntet werden, und auch Melonen, Mairübchen und der Diepholzer Dickstrunk als eher unübliche Gemüsesorten in der Region lieferten gute Erträge.

Weil auf dem Hollerhof kontinuierlich gesät und gepflanzt wird, gibt es jederzeit reife Früchte und damit ausreichende Erträge. Das gilt für Klassiker unter den Gemüsesorten und für Exoten gleichermaßen. Grüne, gelbe und bunte Bohnen gedeihen in Donstorf ebenso gut wie beispielsweise der asiatische Kohl „Pak Choi“. „Ein in unseren Breiten noch relativ unbekanntes Gemüse, das nach angeregten Gesprächen über die Verwendung und dem Austausch von Rezepten inzwischen in vielen Familien für Abwechslung auf dem Speisezettel sorgt“, erklärt die Landfrau.

Stubbe begründet die gute Saison mit der sonnenheißen Witterung und regelmäßigen Bewässerung der Felder, führt sie aber auch auf die biologisch-dynamische Düngung ohne Einsatz von Kunstdünger zurück. „Die spezielle Bodenverbesserung hat sich bewährt, ebenso der große Anteil an Gründung.“ Der Betrieb wirtschafte nach Demeter-Richtlinien und entspreche Bio-Anforderungen.

In diesem Zusammenhang weist die Hofbesitzerin darauf hin, dass während des ganzen Jahres mit selbst angesetztem Komposttee gespritzt werde. „Chemische Keulen kommen bei uns als Pflanzenschutzmittel nicht zum Einsatz“, betont sie und fügt hinzu, „dass man bei unserer gezielten Düngung die Pflanzen wachsen sehen kann.“ Ebenfalls mit einem Lächeln im Gesicht teilt sie mit, dass noch alle technischen Einrichtungen der Anfangszeit funktionieren würden. „Auch unser alter Wasserspeicher über der Badewanne.“

Weitere Informationen unter www.solawi-hollerhof.de

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