Regionalgespräch: Funktionäre aus den Landkreisen Diepholz und Vechta sowie aus Bremen rücken eng zusammen

Glasnost in den Krankenhaus-Strukturen

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Die Krankenhäuser fest im Blick: Landrat Cord Bockhop und Staatssekretär Jörg Röhmann (v.l.) während der Pressekonferenz nach dem Regionalgespräch in Barnstorf.

Barnstorf - Von Anke Seidel. Mit drei Handlungsaufträgen ist gestern das erste Krankenhaus-Regionalgespräch für die Landkreise Diepholz und Vechta sowie das Land Bremen zu Ende gegangen. Staatssekretär Jörg Röhmann aus Hannover hatte gemeinsam mit Landrat Cord Bockhop Klinik-Funktionäre, Bürgermeister und Landtagspolitiker ins Barnstorfer Hotel Roshop eingeladen. Ziel ist eine gemeinsam abgestimmte, zukunftsfähige Krankenhausstruktur über Kreis- und Landesgrenzen hinweg.

Die Liste der Geladenen war extrem lang: Die Bürgermeister der Krankenhausstandorte in den Landkreisen Diepholz und Vechta, alle Krankenhausbetreiber sowie deren Mitarbeitervertretungen, ein Vertreter des Krankenhausplanungsausschusses, sechs Landtagsabgeordnete, die Vorsitzenden der Kreistagsfraktionen im Landkreis Diepholz, Vertreter der GKV (Interessenvertretung der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen), der Niedersächsischen Krankenhaus-Gesellschaft, der Kassenärztlichen Vereinigung sowie der Ärztekammer Niedersachsen saßen am Tisch – außerdem die Leiterin des Amtes für Regionale Landesentwicklung, Karin Beckmann, sowie der Staatsrat des Bremer Senators für Gesundheit, Peter Härtl.

in der Region: Die Analyse der Versorgung in diesem Lebensraum über Landes- und Landkreisgrenzen hinweg prägte das Regionalgespräch. Denn Patienten halten sich nicht an territoriale Grenzen, sondern stimmen mit den Füßen ab: „Es gibt Beziehungsgeflechte, Verbindungen historischer Art“, stellte Staatssekretär Jörg Röhmann während der Pressekonferenz nach der mehrstündigen, nichtöffentlichen Arbeitssitzung fest – und stellte klar, dass er bewusst auf solche Regional- gespräche setzt.

Denn einen „Masterplan“ für Niedersachsens Krankenhäuser vom grünen Tisch in Hannover aus zu verordnen, ist für Röhmann alles andere als zielführend. Gleichwohl ergibt sich akuter Handlungsbedarf aus der Tatsache, dass etliche Krankenhäuser in Niedersachsen rote Zahlen schreiben. Alexianer und Landkreis Diepholz befürchten für ihre Kliniken ein Minus bis zu fünf Millionen Euro in diesem Jahr.

Das Thema Krankenhäuser und Gesundheitspolitik werde nicht nur sachlich, sondern immer wieder auch emotional diskutiert. Darauf wies Landrat Cord Bockhop gestern hin. Das Krankenhaus-Strukturgutachten, das der Landkreis in Auftrag gegeben hat (wir berichteten), blieb gestern wie angekündigt unter Verschluss. Trotzdem lagen aussagekräftige Zahlen auf dem Tisch: Von den jährlich 35000 Patienten aus dem Landkreis Diepholz werden sage und schreibe 15000 in Bremer Kliniken behandelt – nicht nur, weil sie auf besondere Behandlungsangebote in Bremen angewiesen sind. Sie nutzen dort auch medizinische Leistungen, die es ebenso im Landkreis Diepholz gibt. Hier liegt die Eigenversorgungsquote gerade mal bei einem Drittel.

1000 Patienten aus dem Landkreis Diepholz entscheiden sich für eine Behandlung in einer Klinik im Landkreis Nienburg – umgekehrt kommen 950 Nienburger nach Sulingen. „Das Krankenhaus Sulingen mit der Orthopädie und der Unfallchirurgie hat in der Szene einen richtig guten Ruf“, so der Staatssekretär.

Ganz anders die Wanderbewegungen zwischen den Landkreisen Vechta und Diepholz: Sage und schreibe 5690 Diepholzer Kreisbürger entscheiden sich für eine der drei Kliniken im Nachbarkreis, 3500 davon für das St. Marien-Hospital in Vechta. Aber: Umgekehrt kommen nur 613 Vechtaer nach Diepholz – nur etwas mehr als ein Zehntel.

Beide Landkreise sind gesetzlich verpflichtet, die Grund- und Regelversorgung für ihre Bürger sicher zustellen, betonten Röhmann und Bockhop. Beide Landkreise hätten Kliniken mit Traditionen und einer eigenen Geschichte. Solche Traditionen seien hilfreich und gut – sie müssten aber auch zukunftsfähig sein, gab Röhmann zu bedenken.

Die Partnerschaft Alexianer/Landkreis Diepholz bewertete der Krankenhaus-Experte aus Hannover so: „Diese Kombination ist gut und wird von uns unterstützt.“ Der katholische Orden führt die Kliniken im Landkreis Diepholz seit zehn Jahren als Mehrheitsgesellschafter. Auch im Nachbar-Landkreis Vechta ist die katholische Kirche Klinik-Kapitän: Stiftungen tragen die Häuser.

Die Mitarbeiter in den Kliniken hätten das vergangene Jahrzehnt mit seinen Umwälzungen als anstrengend erlebt, stellte Landrat Cord Bockhop fest: „Sie rufen nach Verlässlichkeit und Perspektiven.“ Genau diese Perspektiven möglichst schnell schaffen zu wollen, darin war er sich mit Röhmann einig: „Deshalb haben wir einen ambitionierten, aber strukturierten Zeitplan.“

Die drei

Handlungsaufträge

Die gestern im Regionalgespräch erteilten Handlungsaufträge:

1. Die Landräte Cord Bockhop (Diepholz) und Herbert Winkel (Vechta) prüfen gemeinsam, welche Synergien sich in den Kliniken in diesen beiden Landkreisen erzielen lassen.

2. Das Land Niedersachsen und das Land Bremen analysieren unter Beteiligung des Landkreises Diepholz die Versorgungsstruktur in ihrer Region – mit dem Ziel einer abgestimmten Strategieplanung, die beiden Versorgungsräumen nützt.

3. Land, Kassenärztliche Vereinigung und Landkreis überprüfen die Strukturen in den Kliniken – unter dem Aspekt: Welche Erwartungen haben niedergelassene Ärzte an die Kliniken? Was schätzen sie, und wo besteht Optimierungsbedarf?

Das Ergebnis dieser Aufträge soll bereits Ende Mai oder Anfang Juni in einem zweiten Regionalgespräch diskutiert werden.

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