Hof Reeßing verbindet Tradition und Regionalität zur Weihnachtszeit

„Wo kommt ihr denn her?“

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Tannenbaum direkt aus der hofeigenen Schonung: Mit vereinten Kräften wurde das Grün reisefertig gemacht.

Von Simone Brauns-Bömermann. Dort wo im Sommer die Blaubeeren gedeihen, werden im Winter die Tannen geschlagen. Die Familie Reeßing macht mobil zum Weihnachtsfest. Da können sogar die Besucher Hand anlegen. So geschehen am Wochenende beim schon traditionellen Weihnachtsmarkt auf dem Hof in Wohlstreck.

Zwei Tage lang herrschte auf dem Anwesen reges Treiben. Neben der Möglichkeit bereits frisch geschlagene Bäume mitzunehmen, nutzten viele Besucher am Sonntag die Chance, den Baum der eigenen Wahl mit Bügelsäge zu kappen oder sie nahmen die Unterstützung der netten Helfer mit Motorsägen in Anspruch. In drei Größen konnten die Tannen in Netze gezogen werden für den unproblematischen Abtransport. Wer allerdings um die Mittagszeit kam, genoss zuerst den Besuch des Weihnachtsmannes, der im Schlitten von Helmut Voss und seinem Haflinger „Prinz“ anreiste.

„Wo kommt ihr denn her?“ Auf diese Frage an die Kinder schlug dem Mann in rotem Stepp und mit weißem Rauschebart etliche Ortsnamen entgegen, die das große Einzugsgebiet dieser Veranstaltung widerspiegelte: Diepholz, Drebber, Barnstorf oder auch Twistringen. „Und wie alt seid ihr?“ Das zeigten ihm viele kleine Finger und damit die Anzahl der Lebensjahre.

Nun, es war ein liebevoll hergerichteter Weihnachtsmarkt, der ganz besonders die Kinder ansprach. Aber auch die großen Besucher kamen auf ihre Kosten. Das Programm mit Buden und Scheune, Kunsthandwerk, Musik und Lagerfeuer sprach Jung und Alt an. An den Ständen von Vereinen und privaten Anbietern warteten regional erzeugte Produkten, die als Verbundenheit zur Heimat zu werten waren. Wie zum Beispiel die Milch-Weihnachts-Bude der Familie Beneker aus Düste, wo es auch sonst frische Milch an der Milchtankstelle gibt.

Gegrilltes bot die Jugendfeuerwehr der Gemeinde Eydelstedt an, gleich nebenan gab es Knipp vom Galloway-Rind, von regional erzeugten Tieren aus Rechtern. Frisches Wild und Mettwurst vom Reh oder Wildschwein, damit weckten die Jäger aus Wohlstreck die Gaumenfreuden. Daniel Brandt und Philipp Röper servierten frisch vor Ort geräucherte Forelle oder Aal.

Der Hospizverein Barnstorf mit Christiane Roth informierte über Lehrgänge zum Trauerbegleiter und stand für Fragen zur Verfügung. Das Ehepaar Goldsche aus Bassum bot Lose für den Verein „Hilfe für Kinder in Paraguay“ an. Ins Gespräch kamen die Besucher auch mit Gabi Bouter und Monika Tinnemann vom „Loger Treff“. Die Tagespflegeeinrichtung wollte mit ihrem Stand endlich mit dem Vorurteil in der ländlichen Bevölkerung aufräumen, dass alte Herrschaften nur abgeschoben würden. Eine Fotomappe zeigte, wie liebevoll und demenz-adäquat die Einrichtung in Scharrel umgebaut und einer aktuellen Nutzung zugeführt wurde.

Und dann plötzlich war er da: der Weihnachtsmann. Sein Pferd machte Bekanntschaft mit den Blechbläsern, blieb aber ganz cool, wie es seine Erziehung als Rückepferd gebührt. Für die musikalische Unterhaltung mit Posaunen, Saxophon und Akkordeon sorgte ein kleines Ensemble um Stefan Klöpzig.

Im alten Viehstall konnten sich die Besucher aufwärmen, bevor der Gang in die Tannenplantage angetreten wurde. Am Wegesrand befand sich eine lebendige Krippe mit Schafen und Mulis des Nachbarn Wiechers. Die waren am Nachmittag mächtig satt von den vielen gefütterten Äpfeln. An der Rodelbahn auf der Strohburg, dem Lagerfeuer- und Stockbrot-Back-Platz hing ein Schild: „Spielen erwünscht“. Und wenn genug erzählt, geschlemmt, sich informiert, der Baum geschlagen und verstaut, die Kinder gespielt hatten, dann fragte ein netter Parkjunge: „Hat es Ihnen gefallen?“. Die Antwort war programmiert: „Sehr, natürlich“. Es hallte ein: „Dann bis nächstes Jahr.“

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