Weihnachtsoratorium in St. Veit

Publikum genießt den „Geist der Weihnacht“

Die St. Veit-Kirche war Schauplatz der Aufführung des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach. - Foto: Brauns-Bömermann
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Die St. Veit-Kirche war Schauplatz der Aufführung des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach.

Barnstorf - Von Simone Brauns-Bömermann. In einer ausverkauften Kirche St. Veit zu Barnstorf ging die Aufführung des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach über die Bühne. Die Stichworte „ausverkaufte Kirche“ aber auch „schnelllebige Zeit“ haben dabei längst Einzug in die Weihnachtszeit gehalten.

Zunächst das Fazit eines brillanten Oratoriums mit den Chören St. Veit-Kantorei, den Kurrenden an St. Veit, diverser Projektsänger, der Klassischen Philharmonie Nordwest und vier Solisten. Die Leitung hatte gewohnt Meike Voss-Harzmeier; sie lieferte das, was sonst die Metropolen bieten.

Mit dem Titel „Mit Pauken und Trompeten“ hatte Kantorin Voss-Harzmeier sich zu der konzertanten Aufführung mit den ersten drei Teilen des aus sechs Sätzen bestehenden Weihnachtsoratoriums entschieden. War dies vielleicht der schnelllebigen heutigen Zeit geschuldet? Zu Johann Sebastian Bachs Zeit war eine Aufführung der einzelnen Teile in sechs Gottesdiensten des Weihnachtsfestkreises vorgesehen. Für viele Menschen gehört der Konzertbesuch zum alljährlichen festen Ritual, trotzt vieler Glaubenskrisen und sonst eher spärlich besetzter Kirchenbänke.

Was in Barnstorf Solisten, Chor und Orchester wunderbar gelang, war, den Zuhörern trotz des Ritualcharakters des Besuches, eine Art Glaubensimpuls zu versprühen. Die Blütenpracht der verzierten Sprache einer längst vergangenen Epoche, großartige Musiken, Erzählung und Arien malten das Weihnachtgemälde. Das ist ein Teil des Erklärungsversuches der Popularität des Weihnachtsoratoriums als saisonales Musikgenre. Die extra als prächtige Musik geschriebenen Kantaten, die für den einen Zuhörer ein wunderbar ausgeschmückter Erlebnisbericht sind, für den anderen ein Bekenntnis, für wieder weitere beides, soll, geht es nach Bach, nach der Adventszeit Feierstimmung zur Geburt Jesu bieten.

In Barnstorf gelang es der wunderbaren Kombination von Berufs- und Laienmusikern, die Seelen der Besucher zu streifen.

Jan-Phillip Kock wechselte seinen Bankjob zur Weihnacht und verdingte sich als Evangelist und Tenor, Ulrich Semrau (Leiter Klassische Philharmonie Nordwest) saß als Trompeter in den Orchesterreihen und selbst die kleinsten Sänger aus Barnstorf sangen das klassische und schwere Oratorium teils mit. Den Verdienst dieser brillanten Aufführung als Gesamt- und Teamergebnis dürfen sich Kantorin Meike Voss-Harzmeier und natürlich ihre Sänger auf die Fahne schreiben.

Ganz sicher waren auch Atheisten und Andersgläubige in dem Konzert, um die christliche Botschaft zu hören, denn so ist Bachs Bekenntnis ursprünglich zu deuten. Spirituell und humanistisch passt aber auch, lässt man sich auf die Geschichte um die Geburt des Retters der Welt ein. Glauben bildet dabei aber die Grundlage. Ohne Beweise in diesem speziellen Fall, originär Glauben.

Die Rührung war jedenfalls vielen Gesichtern zu entnehmen, kaum der letzte Ton verhallt, standen die Besucher in den Bänken, erste Bravorufe erklangen. Rührung auf beiden Seiten: Beim Chor, dass sie dieses fulminante Jauchzen und Frohlocken kraftvoll darbieten konnten, beim Orchester, dessen Trompeten und Pauken Hochsaison, die Oboen, Fagott und Flöten lange Parts und bei den Solisten, ein Auge-in-Auge-Auftrag, den Geist der Weihnacht zu transportieren.

Mareike Morr, eine super sympathische Altstimme, Martin Schneider ein honoriger Bass und Carolin Jurkat ein zarter Sopran. Jan-Philipp Kock mit Heimspiel in St. Veit als Tenor und Evangelist. Fürs Publikum erkennbar viele Kirchenlieder, die ihren Ursprung bei Bach haben.

Das Oratorium ist ein gewebter Teppich voller Glauben, auch für Andersgläubige. Allerdings beschäftigen sich auch zeitgenössische Künstler wie Bodo Wartke mit den Tücken des Glaubens: In seinem Lied von 2016 „Nicht in meinem Namen“ richtet er sich textlich schlau gegen radikale, menschenverachtende Auslegungen jeder Religion. Der Brisanz des Textes bewusst, erläutert der Sänger: „Wenn man über Religion singt, läuft man schnell Gefahr, religiöse Gefühle zu verletzen, das ist nicht meine Absicht. Aber gleichzeitig werden seit geraumer Zeit meine aufgeklärt-humanistischen Gefühle verletzt, dem trägt dieses Lied Rechnung.“ Sein Text endet mit „Shalom“, „Inschallah“ und „Amen“ und Wartke spendet den Erlös der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ und sagt „denn die versuchen das zu heilen, was religiöse Fanatiker zerstören. Und trauen sich dorthin, wo sich sonst kaum jemand mehr hin traut.“

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