Duldung für selbst entworfenen Schutz

Ein hoher Zaun gegen Wölfe: „Pferdeknast“ in Barnstorf fast fertig

Familie und Freunde packen mit an, damit das Bauprojekt Wolfsschutzzaun in Kürze fertig gestellt wird. Die Pferde beäugen das Konstrukt bereits mehr mit Neugierde als mit Skepsis.
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Familie und Freunde packen mit an, damit das Bauprojekt Wolfsschutzzaun in Kürze fertig gestellt wird. Die Pferde beäugen das Konstrukt bereits mehr mit Neugierde als mit Skepsis.

Barnstorf – „Wo kein Wolf rauskommt, kommt auch keiner rein.“ – Dieser Gedanke war für Sonja Knüppel aus Barnstorf zielführend bei der Planung einer Einzäunung, mit der sie in der Nacht ihre Pferde vor Meister Isegrim schützen will. Denn wie viele Pferdehalter in der Region ist auch sie angesichts von Wolfssichtungen in der Nähe, Wild- und Nutztierrisse, insbesondere in der Nacht, in Sorge um ihre Tiere.

Sie erstellte in Eigenregie einen Entwurf, bei dem sie sich an der Umzäunung von Wolfsgehegen orientierte. Das Erkunden, ob ihre Planungen in Sachen Genehmigung Aussicht auf Erfolg hätten, gestaltete sich ebenso schwierig wie die Suche nach der Behörde, die für Genehmigung oder Ablehnung eines solchen Vorhabens zuständig ist. Ganz zu schweigen, was sie alles an Unterlagen einzureichen hat.

Gut vier Monate sind seit unserem Besuch bei Sonja Knüppel vergangen. „Der Knast“ wie sie das Gehege für die Nacht liebevoll nennt, hat mittlerweile Gestalt angenommen. Allen Unkenrufen und Zweiflern zum Trotz erhielt sie Mitte Mai die ersehnte Genehmigung in Form einer auf fünf Jahre befristeten Duldung. „Ich hab mich tierisch gefreut, denn die Sichtung von Wölfen mit unschönen Begleiterscheinungen wird in unserer Gegend ja nicht weniger“, erzählt die Pferdebesitzerin.

Umzäunung „Marke Eigenbau“

Ein Blick zurück: Viele Fragen taten sich bei Sonja Knüppel auf, als sie die Skizze von ihrer wolfssicheren Umzäunung „Marke Eigenbau“ fertig hatte. Für ihren Denkansatz suchte sie erst Rat bei Wolfsexperte Dr. Marcel Holy und beim Nabu. Die Samtgemeinde Barnstorf verwies Knüppel an das Bauamt des Landkreises. „Ich erhielt die Aufforderung, einen Bauantrag einzureichen, der sie dann auch nachkam. Letztendlich bekam sie die Genehmigung in Form einer Duldung für fünf Jahre, mit einer möglichen Option auf Verlängerung. Diesen Weg hatte das Landesministerium für für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz insofern geebnet, als dass es den Landkreisen mit einem internen Erlass eine Entscheidungshilfe an die Hand gab. „Dies hatte die Entscheidung zu einer Duldung erleichtert“, weiß sie. Auch die Naturschutzbehörde sah keine Einwände.“

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Lieferengpässe beim Material verzögerten den Start des relativ kostengünstigen, aber sehr zeitaufwendigen Projekts. Seit Juli ist sie jedoch dank vieler tatkräftiger Helfer gut vorangekommen. „Die Umzäunung steht, das erste Tor ist ebenfalls schon eingebaut, rund 100 Laufmeter sind am Offenstall neben dem Wohnhaus umzäunt worden. „Die Tore sind das schwierigste, weil ich darauf keinen Strom liegen haben will.“ Tagsüber sollen die Pferde weiterhin auf den Weiden am Haus stehen. „Die Tiere beäugen das Konstrukt bereits mehr mit Neugierde als mit Skepsis“, ist sie froh. Überrascht ist Sonja Knüppel immer wieder über verwunderte Spaziergänger, die von Wölfen in der Gegend noch nie etwas gehört haben.

Schutz der „Familienmitglieder“

„Wir haben keine teuren Zuchtpferde und wollten mit der Umzäunung nur die ‚Familienmitglieder’, die uns am Herzen liegen schützen, bevor sie negative Erfahrungen mit dem Wolf machen“, macht sie deutlich, und betont ausdrücklich, dass die keine Wolfsgegnerin sei. Man müsse sich halt etwas überlegen, was eine friedliche Co-Existenz möglich mache, bevor etwas passiert. „Vielleicht bin ich mit ‚Alcatraz, ja etwas oversized, aber eine Autoversicherung schließe ich ja auch nicht ab, weil ich mit dem Auto einen Unfall bauen will“, zieht Sonja Knüppel scherzend einen Vergleich. Die Erleichterung darüber, dass ihr Pferde in den Sommermonaten auf dem Hof jetzt auch nachts im Freien bleiben dürfen, ist ihr deutlich anzumerken. „Ob ich alles berücksichtigt habe, wird die Zeit zeigen.“ Wer solch ein eigenes Schutzprojekt plant und ebenso unsicher ist, wie Sonja Knüppel es war, kann sich gern mit ihr in Verbindung setzen (per Mail an SonjaKnueppel@web.de).

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