Parteien und Wählergemeinschaften bereiten sich auf Kommunalwahlen vor / Frauen sind aktuell in der Minderheit

„Kandidatensuche ist ein mühsamer Job“

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Vor fünf Jahren gab Cord-Hinrich Egelriede (links) das Amt des Bürgermeisters ab, im Herbst will er sich ganz aus der Politik zurückziehen. Sein Nachfolger Friedrich Bokelmann bemüht sich derzeit um Kandidaten für die Gemeinde Eydelstedt.

Barnstorf - Von Thomas Speckmann. Am 11. September 2016 sind Kommunalwahlen in Niedersachsen. In den Köpfen vieler Bürger liegt der Urnengang zwar noch in weiter Ferne, doch hinter den Kulissen laufen bereits die Vorbereitungen. Parteien und Wählergemeinschaften befinden sich auf Kandidatensuche, um ihre Listen fristgerecht bis zum 25. Juli abzugeben. Dabei zeichnen sich in der Samtgemeinde Barnstorf zum Teil massive Wechsel ab. Altgediente Mandatsträger scheiden aus, junge Bewerber sollen ihren Platz einnehmen.

Einer dieser „alten Hasen“, die sich aus der Kommunalpolitik zurückziehen werden, ist Peter Luther aus Barnstorf. „30 Jahre Ratsarbeit sind genug“, sagt der 74-jährige, der während seiner ehrenamtlichen Laufbahn unter anderem als Bürgermeister des Fleckens Barnstorf und stellvertretender Samtgemeindebürgermeister tätig war. Für seinen Parteifreund Cord-Hinrich Egelriede (69), der bereits seit 1981 aktiv ist und zehn Jahre Bürgermeister der Gemeinde Eydelstedt war, ist ebenfalls aus Altersgründen Schluss. Für die CDU sind das zwei von mehreren schweren Verlusten, die erst einmal kompensiert werden müssen.

Der CDU-Ortsverband Samtgemeinde Barnstorf hat schon vor einem Jahr eine Bestandsaufnahme gemacht, welche Mandatsträger weitermachen und wer als potenzieller Kandidat in Betracht kommen könnte. Wie andere Parteien suchen auch die Christdemokraten in Freundes- und Bekanntenkreisen nach Bewerbern. „Das ist ein mühsamer Job“, sagt Vorsitzender Heinrich Windeler. Besonders schwierig gestalte sich die Situation in Drebber. Dort hat die Partei mitten in der letzten Wahlperiode mit Theo Runge und Henning Hagedorn, die aufgrund von Differenzen in ihrer Fraktion zur Gruppe ABO wechselten, zwei Kräfte im Samtgemeinderat verloren.

Von solchen Querelen ist die SPD bislang verschont geblieben. Sie hat sich in den vergangenen fünf Jahren als Einheit präsentiert und in den Räten der Samtgemeinde Barnstorf und des Fleckens Barnstorf die größte Fraktion gestellt. Ortsvereinsvorsitzender Reinhard Peukert ist guter Dinge, dass seine Partei gut gerüstet in die Kommunalwahlen geht. Ein Vorteil sei, dass sein Ortsverein – im Gegensatz zu vielen anderen Vereinen – den Mitgliederbestand gehalten und sogar leicht ausgebaut habe. Gleichwohl sei eine Überalterung sichtbar, es gebe wenig junge Zuströme. Diese Entwicklung mache es schwierig, neue Kandidaten zu finden.

Auch in seiner Partei würden einige Ratsvertreter nicht wieder kandidieren, lässt Peukert durchblicken. Doch es gebe Bewerber im Alter von 35 bis 40 Jahren, die bereits signalisiert hätten, auf der Liste der Sozialdemokraten anzutreten. Für eine Festlegung sei es zum jetzigen Zeitpunkt noch zu früh, sagt der Vorsitzende und verweist auf die Jahreshauptversammlung Mitte März. Dort werde sich klären, welche Kandidaten auf die Liste kämen.

„Man muss jetzt aktiv werden“, sagt Reinhard Börger, der als langjähriger Vorsitzender des FDP-Ortsverbands Samtgemeinde Barnstorf mit Wahlkampf vertraut ist. Die Kandidatensuche sei ein unheimlicher Aufwand, stellt der Ratsherr fest: „Es ist schwieriger geworden, Menschen für die Politik zu interessieren.“ Hoffnung mache ihm der Aufwärtstrend seiner Partei. Vor einigen Jahren habe es Gegenwind von Bundesebene gegeben, was die Arbeit vor Ort zusätzlich erschwert habe. Doch die allgemeine Stimmung habe sich verändert, das liberale Element werde gebraucht, meint der Vorsitzende.

Bei ihrer Kandidatensuche richten sich die Liberalen an alle Altersstufen. Einen „Jugendwahn“ gebe es nicht, sagt Börger. Anders bei den Grünen. Da konzentrieren sich die Vertreter des Ortsverbands ganz besonders auf den Nachwuchs. „Unser Ziel ist es, vor allem junge Leute für die Kommunalpolitik zu gewinnen“, sagt Ratsfrau Elke Oelmann aus Barnstorf. Ihre Partei wolle an dem bewährten Stamm festhalten und zudem versuchen, sich etwas breiter aufzustellen, um zusätzliche Sitze in Fleckens- und Samtgemeinderat zu bekommen.

Was der grünen Fleckens-Bürgermeisterin besonders am Herzen liegt, ist ein verstärktes Engagement von Frauen. Das weibliche Geschlecht ist deutlich in der Minderheit, wie ein aktueller Blick in den Samtgemeinderat zeigt. Nur 5 von 29 Mandatsträgern sind Frauen. In Eydelstedt ist Politik sogar reine Männersache. Eine mögliche Ursache sieht Oelmann darin, dass Frauen sich der Ratsarbeit nicht gewachsen fühlen könnten, weil sie vielleicht zu hohe Ansprüche an sich selbst hätten. Doch sie beruhigt: „Man muss nicht alles hundertprozentig wissen und sofort richtig machen. Man steht nicht allein da. Es ist Teamarbeit und man wächst mit der Erfahrung.“

Ob Rot, Grün, Schwarz oder Gelb: Wer auf einer Liste der Parteien kandidiert, muss nicht zwangsläufig seine Mitgliedschaft erklären. „Das ist keine Voraussetzung. Wer in unser Bild von Politik passt, den sprechen wir an“, bestätigt CDU-Vorsitzender Windeler. So sieht’s auch sein Pendant von der SPD. Die Vergangenheit habe aber gezeigt, dass Kandidaten, die sich in die Partei einbringen und Interesse zeigen, auch häufig Mitglied würden, berichtet Peukert.

Losgelöst von Parteienzwang arbeiten Wählergemeinschaften wie „Bürger im Fokus“ (BiF), die vor fünf Jahren erstmals den Einzug in den Samtgemeinde- und den Fleckensrat geschafft hat. Mit der nächsten Wahl habe sich seine Fraktion noch nicht eingehend befasst, sagt Alexander Grimm. Ähnlich sieht es in der Gruppe um Dr. Horst Gaumann aus. Auch dort stünden Gespräche noch aus, berichtet der Ratsherr, dessen Wählergemeinschaft 2011 ebenfalls auf Anhieb den Einzug in den Samtgemeinderat und den Eydelstedter Rat geschafft hat.

In der Gemeinde Eydelstedt könnte es erstmals eine einzige Liste geben. Das sei zumindest der Wunsch von aktuell 13 Kandidaten, die sich mit weiteren Interessierten im Januar in Donstorf getroffen hätten und eine Wählergemeinschaft bilden wollten, berichtet Bürgermeister Friedrich Bokelmann. Er hatte bereits vor dem Jahreswechsel seine Fühler ausgestreckt, indem er Informationsblätter in den einzelnen Ortsteilen verteilte und Bürger persönlich ansprach. Sein Ziel ist es, noch weitere Bewerber zu finden, um das Maximum an Listenplätzen auszuschöpfen.

Wer es im ersten Anlauf nicht in das Kommunalparlament schafft, kann in den Folgejahren immer noch nachrücken, falls ein Mandatsträger ausscheidet. Wie wichtig solche Nachrücker sein können, zeigt die zurückliegende Wahlperiode. In manchen Gemeinderäten sind gleich mehrere Wechsel erforderlich gewesen. In Drentwede oder Eydelstedt bleiben Plätze sogar leer, weil schlichtweg Personen auf der Liste fehlen oder frühere Kandidaten kein Interesse mehr haben.

Barnstorfs Samtgemeindebürgermeister Jürgen Lübbers ermutigt die Bürger dazu, sich politisch zu engagieren. Für die Samtgemeinde und die Mitgliedsgemeinden sei es wichtig, dass sich möglichst viele Bewerber für unterschiedliche Parteien oder Wählergruppen zur Kommunalwahl aufstellen ließen. Das drücke unter anderem die Verbundenheit mit der Kommune aus und ermögliche den Wählern eine wirkliche Auswahl, betont Lübbers. „Nur mit einem breiten ehrenamtlichen Engagement – auch in der Ratsarbeit – kann sich die Kommune positiv weiterentwickeln. Zudem erhöht eine hohe Anzahl an Kandidatinnen und Kandidaten das Interesse an der Kommunalwahl.“

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