Junge Familie aus Dreeke erfährt viel Unterstützung aus der Bevölkerung

Zum Neuanfang fehlt noch ein Haus

Manuel Froß und seine Verlobte Ramona Schulz betreten die Brandruine in Dreeke. Von ihrem Hausstand ist nach dem Feuer am Gründonnerstag so gut wie nichts mehr übrig geblieben. Nun muss sich die Familie eine neue Existenz aufbauen. - Foto: Speckmann

Dreeke - Das Telefon steht kaum still, immer wieder laufen neue E-Mails im Postfach ein. Viele Menschen aus der Region melden sich bei Manuel Froß und seiner Familie, um ihr Mitgefühl auszudrücken. Sie wollen ihnen dabei helfen, eine neue Existenz aufzubauen. Denn seit dem verheerenden Gebäudebrand am Gründonnerstag stehen die Dreeker vor dem Nichts. Sie benötigen dringend Sach- und Geldspenden – und vor allem ein neues Zuhause.

„Ein neues Heim zu finden, ist ein Riesenproblem“, stellt Manuel Froß fest. Er sondiert den Wohnungsmarkt, hält Ausschau nach Mietobjekten, möglichst im Raum Diepholz. Am liebsten wären ihm und seiner Verlobten Ramona Schulz ein Resthof oder ein Haus in ländlicher Umgebung. Doch das ist nicht so leicht zu finden, schon gar nicht auf die Schnelle. „Wir möchten uns wieder etwas aufbauen“, berichtet der handwerklich begabte Familienvater, der auch auf dem gepachteten Anwesen in Dreeke gerne aktiv war.

Nach dem Schicksalsschlag zu Osternist das Paar vorübergehend bei Bekannten in Barver untergekommen. Tochter Mia Sophie, gerade neun Monate alt, ist zurzeit bei ihrer Oma. Sie soll dem Stress nicht unnötig ausgesetzt werden, sagt Ramona Schulz. Auch die Kleine spüre, wenn ihre Eltern traurig seien. Sie würden versuchen, sich gegenseitig Halt zu geben, aber es falle schwer, zur Ruhe zu kommen.

Da tut es gut, wenn sich hilfsbereite Menschen melden und Unterstützung in Form von Spenden anbieten. Etwa ein Bürger aus Barnstorf, der Mobilar aus einer Wohnungsauflösung hat, oder eine Einzelhändlerin aus Diepholz, die nagelneue Schuhe für das Töchterchen liefern möchte. An Kleidung für das Kind mangelt es nicht. Hier gebe es sehr viele Angebote, zeigt sich Manuel Froß überwältigt.

Was ihn besonders freut, ist die spontane Hilfsbereitschaft seiner Kollegen bei der ZF Friedrichshafen AG in Dielingen. Sie hatten hautnah mitbekommen, als der 44-Jährige am Gründonnerstag während der Frühschicht von der Polizei angerufen und über den Brand des Wohnhauses informiert wurde. Die Mitarbeiter hätten prompt Spenden gesammelt, berichtet der Dreeker.

Großbrand in Dreeke

Ein großes Dankeschön geht an die Nachbarsfamilie Ohlendiek, die ihnen schon am Brandtag zur Seite gestanden hat. Sie nimmt zurzeit auch die Post entgegen. Dadurch erübrigt sich vorerst ein Nachsendeauftrag, der unnötige Kosten verursachen würde. „Wir müssen sparen, wo es nur geht“, erklärt Manuel Froß. Was ihn besonders schmerzt, ist das verbrannte Bargeld und die fehlende Hausratsversicherung. Auf die Police zu verzichten, sei ein Fehler gewesen, gesteht der Dreeker. Nun hätte die Versicherung sich bezahlt gemacht beim Neustart.

Vom alten Hausstand ist so gut wie nichts mehr übrig, wie das Paar beim Betreten der Brandruine feststellt. Das Schlafzimmer mit den Kleiderschränken und die erst vor Weihnachten renovierte Stube liegen in Schutt und Asche, ebenso die Küche mit der neuen Spülmaschine und der Ofen, der erst einmal in Betrieb war. Alles ist bis zur Unkenntlichkeit zerstört. Nur ein kleiner Raum, der an den Saal der früheren Gaststätte grenzt, ist von den Flammen verschont geblieben. Hier findet sich noch etwas Spielzeug und Kleidung, darunter ein Strampler der Tochter.

„Man will hier gar nicht mehr sein“, sagt Manuel Froß, während er sich den Weg durch die Trümmer bahnt. Auch seiner Verlobten fällt der Anblick der verkohlten Überreste schwer. Sie kann das Geschehene noch gar nicht richtig fassen: „Das ist so unwirklich“, erklärt die 35-Jährige, „alles traurig und deprimierend“. Neben dem Verlust des Heims weint Ramona Schulz um ihren Berner Sennenhund „Zera“, der im Feuer ums Leben gekommen ist. Das Tier muss irgendwo unter den Trümmern liegen.

Fast fünf Jahre hat das Paar in Dreeke gewohnt. „Wir haben uns hier sehr wohlgefühlt“, sagen die beiden. Doch nun müsse ein Neuanfang her. In den Alltag zurückzufinden, ist schwer. Ab Montag ruft wieder die Arbeit, weiß Manuel Froß, der in den letzten Tagen kurzfristig Urlaub bekommen hatte, damit er sich um den Schaden kümmern konnte. Da gab es unter anderem Ortstermine mit den Brandermittlern der Polizei, die inzwischen von einem technischen Defekt ausgehen. Es werde wohl lange dauern, bis er die Sache richtig verarbeitet habe, vermutet der Familienvater. „Vielleicht kann man damit abschließen, wenn man ein neues Zuhause hat.“

Wer der Familie beim Neustart unter die Arme greifen möchte, sei es durch Sach- oder Geldspenden, oder ein passendes Mietobjekt zur Verfügung stellen kann, sollte sich direkt mit Manuel Froß in Verbindung setzen. Seine E-Mail-Adresse lautet: manuel-fross@t-online.de. sp

Mehr zum Thema:

Germanwings-Absturz: Gutachten verärgert Hinterbliebene

Germanwings-Absturz: Gutachten verärgert Hinterbliebene

Riesige Open-Air-Ausstellung: València ist Feuer und Flamme

Riesige Open-Air-Ausstellung: València ist Feuer und Flamme

Fünf Rückkehrer beim Werder-Training am Freitag

Fünf Rückkehrer beim Werder-Training am Freitag

Neue Tragödie im Mittelmeer

Neue Tragödie im Mittelmeer

Meistgelesene Artikel

21-Jährige aus Diepholz gründet erfolgreich Firma 

21-Jährige aus Diepholz gründet erfolgreich Firma 

Nach 26 Jahren: Mann soll Heim verlassen

Nach 26 Jahren: Mann soll Heim verlassen

Hochkarätige Akteure prügeln sich im Dreyer Sportcenter Dassbeck

Hochkarätige Akteure prügeln sich im Dreyer Sportcenter Dassbeck

Palliativstützpunkt: Vorstand schließt Kassenprüfer aus

Palliativstützpunkt: Vorstand schließt Kassenprüfer aus

Kommentare