Mediziner beantworten häufige Fragen

Risiken bei Corona-Impfungen: „Es gibt keinen schlechten Impfstoff“

Ampulle mit Astrazeneca-Wirkstoff
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Der Impfstoff von Astrazeneca ist zuletzt in Kritik geraten. Zwei Ärzte aus dem Landkreis Diepholz geben nun Entwarnung.

Barnstorf/Bassum – Um die Corona-Pandemie zu überwinden, gibt es derzeit nur einen Weg: Impfungen. Im Rekordtempo entwickelten Mediziner Impfstoffe, mittlerweile stehen in Deutschland drei verschiedene Präparate zur Verfügung. Doch statt Hoffnung verspüren viele Menschen Zweifel: Was ist mit Nebenwirkungen? Gibt es „bessere“ und „schlechtere“ Impfstoffe? Zwei Ärzte beantworten die wichtigsten Fragen.

Welche Nebenwirkungen sind nach Corona-Impfungen wahrscheinlich?

Weil das Coronavirus ein Erkältungsvirus ist, kann es nach der Impfung zu leichten Grippesymptomen, aber auch Fieber und Schüttelfrost kommen, erklärt Dr. Bernd Roshop aus Barnstorf. Auch ein Bluterguss an der Einstichstelle sei normal. „Die meisten haben aber nichts“, so der Mediziner. Wer sicher gehen wolle, könne vor der Impfung eine Paracetamol nehmen.

Sind die Nebenwirkungen vergleichbar mit denen anderer Impfungen?

„Bei der Corona-Impfung gibt es schon etwas mehr Beschwerden“, räumt Roshop ein. Aber man sollte auch die Kirche im Dorf lassen, letztendlich sei es nur eine einfache Impfung. Vorsicht wallten lassen sollte man lediglich bei Allergien. „Die Patienten sollten besonders beobachtet werden“, so Roshop. Jedoch: „Spätreaktionen allergischer Art sind extrem selten.“

Ist das Risiko für Nebenwirkungen bei allen Corona-Impfstoffen gleich hoch?

Beim Impfstoff von Biontech vertragen die Impflinge häufig die erste Spritze besser und die zweite schlechter, bei Astrazeneca soll es genau andersherum sein, so Roshop. Dr. Christoph Lanzendörfer aus Bassum ergänzt, dass derzeit beim Impfstoff von Moderna besonders wenig Nebenwirkungen bekannt seien. Das könne aber daran liegen, dass dieser hierzulande noch nicht viel eingesetzt werde und es noch wenig Erfahrungswerte gebe. Letztendlich sei jeder Impfstoff sicher, so die Ärzte. Roshop unterstreicht: „Es gibt keinen schlechten Impfstoff. Jeder Impfstoff, der auf dem Markt ist, ist sicher und geprüft.“ Sowohl Lanzendörfer als auch Roshop wurden mit Astrazeneca geimpft und hatten keine Beschwerden.

Dr. Christoph Lanzendörfer ist Hausarzt in Bassum und KV-Sprecher für den Nordkreis Diepholz. Er sagt: „Ich würde keinem von der Impfung abraten.“

Was ist mit den vermehrt gemeldeten Hirnvenenthrombosen bei Astrazeneca?

Das ist insgesamt extrem selten, so die beiden Mediziner. Warum die Thrombosen genau auftauchen und ob es überhaupt einen Zusammenhang zur Impfung gebe, lasse sich derzeit noch nicht mit Sicherheit sagen. Es gelte aber: Das Risiko schwerer Leiden ist, wenn man sich nicht impfen lässt, 100-mal höher, als wenn man sich impfen lässt. „Der Impfstoff ist sicher, die Impfung ist sehr gut“, betont Roshop. Am Ende müsse jeder für sich selbst abwägen, findet Lanzendörfer, „aber ich würde keinem von der Impfung abraten“. Er habe schon Corona-Tote gesehen: Die Impfung mit all ihren Risiken sei nichts dagegen.

Hat die Pille für Frauen wirklich schlimmere Nebenwirkungen als die Impfstoffe?

Bei der Pille gibt es deutlich mehr Thrombosen als bei Corona-Impfungen aktuell bekannt sind, bestätigen die Mediziner. Allerdings seien es bei der Pille vor allem Thrombosen in den Extremitäten. Dabei gelte generell: Frauen, die rauchen und gleichzeitig die Pille nehmen haben ein allgemein erhöhtes Risiko für Thrombosen.

Bei welchen Nebenwirkungen sollte man noch mal zum Arzt gehen?

Bei anhaltenden Nebenwirkungen, so Lanzendörfer. Die meisten hätten nur am Folgetag Symptome, fügt Roshop hinzu. Wer auch nach zwei bis drei Tagen zum Beispiel noch Kopfschmerzen oder kognitive Beeinträchtigungen wie Sehstörungen hat, sollte zum Hausarzt gehen. Bei Lanzendörfer und Roshop haben sich bislang lediglich zwei bis drei Impflinge gemeldet, die wegen Armschmerzen nicht arbeiten konnten. Roshop ergänzt dazu vorsichtig: Manche Menschen reagieren sensibler auf Nebenwirkungen als andere.

Dr. Bernd Roshop ist Hausarzt in Barnstorf und KV-Sprecher für den Südkreis Diepholz. Er sagt: „Wir werden die nächsten 20 Jahre noch Corona haben. Das wird uns jetzt nicht mehr verlassen.“

Wann könnten Sie in ihrer Praxis mit Corona-Impfungen beginnen?

„Wir könnten sofort anfangen“, bestätigen beide Ärzte. Die Kreisverwaltung klopfe bereits die Bereitschaft der niedergelassenen Ärzte ab, so Roshop. In Barnstorf hätten sich daraufhin alle fünf Hausarztpraxen bereiterklärt. Letztendlich entscheide aber die Politik und die Verfügbarkeit der Impfstoffe über den Startschuss. Lanzendörfer ergänzt jedoch: Sollte es am Ende nur 20 Impfdosen pro Woche pro Praxis geben, sollte man die Impf-Praxen besser reduzieren.

Welchen Impfstoff könnten die niedergelassenen Hausärzte verimpfen?

Wahrscheinlich vor allem Astrazeneva, vermutet Roshop. Biontech und Moderna müssen langfristig stark gekühlt werden, können aber für wenige Tage auch ungekühlt gelagert werden. Auch der Impfstoff von Johnson and Johnson könnte in den Praxen verimpft werden, so Roshop. Darüber hinaus sei auch ein Impfstoff von Curevac angekündigt. Grundsätzlich könnten die Hausarztpraxen aber nur ergänzend zu den Impfzentren arbeiten.

Bereitet Ihnen am Ende dennoch etwas Bauchschmerzen?

Lanzendörfer erklärt, dass das Risiko von bislang unbekannten Nebenwirkungen durch die Schnellzulassung der Impfstoffe in der EU durchaus erhöht sei. Das Risiko müsse allerdings in Kauf genommen werden in Anbetracht der zahlreichen Todesfälle durch das Coronavirus.

Beide Mediziner blicken darüber hinaus kritisch auf den Impfstoffhersteller Astrazeneca. „Die haben einfach schlechtes Marketing“, blickt Roshop auf die Serie von schlechten Nachrichten rund um den Hersteller zurück. Lanzendörfer wird noch deutlicher. Er sei „extrem kritisch“ bezüglich Astrazeneca. Die Firma habe damals noch unter dem Namen ICI jeden Skandal mitgenommen, den es gab. Über die jüngsten Lieferprobleme des Herstellers ärgert er sich: „Das ist doch kein Geschäftsgebaren.“

Lanzendörfer unterstreicht jedoch ausdrücklich, dass sich seine Kritik nicht gegen den Impfstoff, sondern nur gegen den Hersteller richte. Die aktuellen Impfstoffe seien allesamt sicher, wichtig und wohl erstmal auch alternativlos, denn Roshop stellt klar: „Wir werden die nächsten 20 Jahre noch Corona haben. Das wird uns jetzt nicht mehr verlassen.“ Die Menschen müssten lernen, mit dem Virus zu leben – und sich vielleicht in Zukunft einmal jährlich gegen Corona impfen lassen, wie auch schon gegen die Grippe.

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