NDR-Moderator berichtet live und locker aus Barnstorf / Fahrt am Vormittag

Bei Tietzer „fliegen“ Ballone

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Interview vor laufender Kamera: Moderator Sven Tietzer mit Pilot Klaus Sarinski aus Barnstorf.

Barnstorf - Von Thomas Speckmann. Wenn Tietzer kommt, dann sitzt Ursula Kolanoski vor dem Fernseher. Vor allem in den Wintermonaten genießt sie ihre Lieblingssendung „Mein Nachmittag“. Gestern hat die Rentnerin aus Barnstorf das einmalige Vergnügen, die Produktion des Norddeutschen Rundfunks (NDR) live mitzuerleben. Ein zwölfköpfiges Fernsehteam ist zu Gast im Hunte-Flecken, um das 13. Barnstorfer Ballon-Fahrer-Festival (BBFF) noch einmal aufleben zu lassen.

„Sie sind aber dünn geworden“, sagt Ursula Kolanoski, als sie Sven Tietzer die Hand schüttelt. Der Blondschopf lächelt und verweist spontan auf das Bildschirmformat, das schon mal täuschen kann. Nein, ein Schmachthaken ist er eigentlich nicht, und ein Angsthase schon gar nicht. Das beweist der Moderator, der für seine lockere Art bekannt ist und für seine Beiträge immer wieder neue Herausforderungen in Norddeutschland sucht, auch in Barnstorf.

Acht Tage nach dem Festival mit drei geglückten Massenstarts und mehreren tausend Besuchern rückt Tietzer die Himmelsstürmer noch einmal ins Rampenlicht. Dafür vergisst er sogar seine Höhenangst und begibt sich am Vormittag zum ersten Mal in seinem Leben in einen Heißluftballon. Die Unwetter-Front hat sich glücklicherweise verzogen. Pilot Klaus Sarinski kann grünes Licht geben. Mit im Korb: Eine Kamerafrau, ein Tonassistent und BBFF-Macher Peter Luther, der dem Fernsehteam für erste Fragen zur Verfügung steht.

„Das geht ja ruckizucki“, stellt Tietzer fest, als der Ballon abhebt und vom Wind in Richtung Vechta getrieben wird. Unterwegs bekommt der Moderator gleich eine wichtige Sache eingetrichtert. Beim Heißluftballon heißt es: Fahren statt Fliegen. Doch das muss sich auch ein wortgewandter Mann erst einmal einprägen. „Habe ich schon wieder Fliegen gesagt?“, fragt er. Die Begleiter nicken mit dem Kopf und Tietzer weiß: Das kostet eine Flasche Sekt, sobald er in den Adelskreis erhoben wird. Die Taufe lässt nach der etwas unsanften Landung nicht lange auf sich warten. Sein Titel: „Großherzog Sven, der abenteuerlustige Himmelspionier, der abhob in die dritte Dimension, um die Landschaft bei Barnstorf zu genießen“.

Als am frühen Nachmittag die Vorbereitungen für die Live-Sendung beginnen, kann der Moderator seinen Titel schon fast auswendig. Nur mit dem Fliegen, pardon Fahren, hapert es immer noch. Aber das ist erstmal Nebensache. Im mobilen Schneideraum, eines von fünf Fahrzeugen des Fernsehteams, sichtet Sven Tietzer mit Cutterin Maike Plambeck das Material von der morgendlichen Ballonfahrt. Es sind schöne Bilder. Sie zeigen das Geschehen im Korb und vor allem die Moorlandschaft.

Die Aufnahmen füllen etwa zwei bis drei Minuten Sendezeit. Sie sollen später von der Produktionsleitung in Hamburg in den Beitrag integriert werden. Außerdem greift der NDR auf Material von Radio Bremen zurück, das während des Festivals entstanden ist. Es zeigt unter anderem das abendliche Ballonglühen.

Doch was wären Tietzers Beiträge ohne sein Engagement während der Live-Sendung? „Für uns ist es immer klasse, wenn viel passiert und der Zuschauer etwas durch den Reporter miterlebt“, sagt der Moderator vor Beginn der Dreharbeiten. Zu diesem Zeitpunkt wirkt er noch recht entspannt. Auch die glühende Hitze scheint ihm wenig auszumachen, während er von Kollegen verkabelt wird und routiniert Tonproben erledigt.

Während das Fernsehteam um Aufnahmeleiter Björn Falke etliche Meter Kabel verlegt und die Kameras in Position bringt, nimmt Tietzer Tuchfühlung mit dem Publikum auf. Etwa 100 Zuschauer haben sich im Sundering-Stadion versammelt. „Wir sind heute Morgen schon einmal geflogen“, erzählt der Moderator und erntet prompt ein Echo aus der Menge. Schon wieder hat er „Fliegen“ benutzt. Ob er das bis zum Drehbeginn wohl noch lernt? Die Uhr tickt, nur noch wenige Minuten, dann heißt es: „Wir sind live auf Sendung!“

Tietzer kommt vor laufender Kamera aus der zum Teil aufgeblasenen Ballonhülle und begrüßt die Fernsehzuschauer. Dann ein erstes Interview mit Peter Luther und wenig später mit Klaus Sarinski. Nach einer kurzen Pause, die zur Einspielung der Festivalbilder dient, wechselt Tietzer die Position. Nun befindet er sich bei Ballonfahrer Otto Hoping, der sein gelbes „Schwein“ aufgeblasen hat. Die Interaktion mit den Menschen ist dem Moderator wichtig, in Windeseile bewegt er sich zum Publikum, holt sich Sonja Kruber an die Seite und befragt sie zu ihrem Engagement bei den Ballonfahrern.

Plötzlich kommt Tietzer ins Schwitzen. Aber nicht wegen der Sommerhitze, sondern weil er sich wagemutig an den Korb eines Ballons klammert, der aufgrund des Windes abzuheben droht. „Wahnsinn, was da für Kräfte wirken“, stellt er fest. Dank seines Zutuns ist die Gefahr schnell gebannt. Zur Not hätte ein am Auto befestigtes Seil den Ballon gesichert, lässt der Moderator die Zuschauer daheim wissen.

Nach 17 Minuten – Tietzer hat mal wieder überzogen – endet die Live-Schaltung aus Barnstorf. Das Fernsehteam ist zufrieden, und die BBFF-Macher sind es auch: „Das ist Werbung für Barnstorf“, freut sich Luther und macht Tietzer ein Kompliment: „Ein echt lockerer Typ“. Zum Festival 2017 ist er natürlich eingeladen. Aber er weiß, dass seine „fliegenden“ Versprecher dann ihren Preis haben werden: „Wenn ich das nächste Mal vorbei komme, muss ich eine ganze Kiste Sekt mitbringen.“

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