Quarantäne ohne Verordnung

Nach Coronafall in Barnstorfer Kita „Holzwurm“: Eltern fehlt es an Informationen

Nach einem Coronafall in der Kindertagesstätte „Holzwurm“ in Barnstorf musste sich die Gruppe „Waldindianer“ in häusliche Quarantäne begeben.
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Nach einem Coronafall in der Kindertagesstätte „Holzwurm“ in Barnstorf musste sich die Gruppe „Waldindianer“ in häusliche Quarantäne begeben.

Barnstorf – Die 25-köpfige Gruppe der „Waldindianer” musste sich nach einem Coronafall in der Barnstorfer DRK-Kindertagesstätte „Holzwurm“ in häusliche Quarantäne begeben. Doch wie lange diese zu dauern hat und was die Eltern der betroffenen Kinder zu beachten haben, sei vom Gesundheitsamt nicht kommuniziert worden, klagen einige Erziehungsberechtigte.

Außerdem habe es bislang keine offizielle Verordnung gegeben, was einige Eltern vor Herausforderungen stelle. „Wir möchten, dass die Missstände des Gesundheitsamtes Diepholz aufgedeckt werden”, sagt Katharina de Vries.

Am 4. Mai seien die Eltern durch Mitarbeiter der Kindertagesstätte informiert worden, dass eine Erzieherin der Gruppe an Corona erkrankt sei. Die Kinder hätten abgeholt werden sollen. Der letzte Kontakt zur infizierten Person sei am Vortag erfolgt. Den Namen der betroffenen Erzieherin hätten die Eltern nicht erfahren.

Katharina de Vries kritisiert als betroffene Mutter das Diepholzer Gesundheitsamt.

Seitdem ist über eine Woche vergangen. Eine Anordnung hielten die Eltern immer noch nicht in den Händen; geschweige denn Verhaltensregeln beziehungsweise Angaben über die Dauer der Quarantäne.

Die Kinder seien Kontaktpersonen ersten Grades und es herrsche Unklarheit, Unsicherheit und eine fragliche Quarantäneanordnung „durch den Buschfunk“.

Im Stich gelassen vom Gesundheitsamt

„Wie kann es sein, dass nach über einem Jahr Pandemie kein Masterplan vorliegt für eine derartige Situation“, sagt Mehrfachmutter Katharina de Vries. Sie selbst habe zwei Kinder mit Vorerkrankungen, die die Kita „Holzwurm“ besuchen: „Ich hätte mir gewünscht, dass wir von der Kita informiert werden, um wen genau es sich bei dem Coronainfizierten handelt. Außerdem müssen wir unsere Kinder nun zu Hause betreuen und ohne offizielle Verordnung steht uns kein Kinderbetreuungsgeld für die Zeit der Quarantäne zu.“ Sie fühle sich vom Gesundheitsamt des Landkreises Diepholz im Stich gelassen und sei bei mehrfachen Anrufen stets abgeschmettert worden.

Ein weiteres Problem für die berufstätige Mutter sei, dass sie sich während der Zeit der Quarantäne ihrer Kinder habe impfen lassen wolle. Auch hier hätte das Gesundheitsamt, wie auch ihr Hausarzt, keine Erklärung abgeben können, ob sie dies in der Situation dürfe.

Stellungnahme der DRK-Geschäftsführung

Kita-Leiterin Nadja Packschies verwies auf Anfrage der Redaktion an den Träger der Einrichtung. Ulrike Hirth-Schiller als Geschäftsführerin des DRK-Kreisverbandes Diepholz und somit des Trägers der Kita, erklärte, dass die Einrichtung und auch der Träger bei einem Corona-Meldefall nach einem festgelegten Verfahren handeln würde. „Alle erforderlichen Schritte und Anweisungen vom Gesundheitsamt wie die Weitergabe der Erstinformationen an die Eltern wurden von unserer Seite aus eingehalten. Für alles Weitere ist das Gesundheitsamt Diepholz verantwortlich.“

Sie verstehe, dass es eine schwierige Situation sei und habe Verständnis für die Unsicherheit der Eltern.

Sie bat andererseits auch um Verständnis, dass einige Informationen aus Datenschutzgründen nicht an die betroffenen Eltern weitergegeben werden konnten.

Landkreis: „Vorwürfe können nicht bestätigt werden“

Der Landkreis Diepholz reagiert auf unsere Anfrage wie folgt: „Die Vorwürfe, die Frau de Vries in dem Artikel, gegenüber dem Gesundheitsamt des Landkreises Diepholz erhebt, können seitens des Landkreises Diepholz nicht bestätigt werden. Das Gesundheitsamt hat entsprechend der aktuellen Erlasslage und der mit den Kindergemeinschaftseinrichtungen abgesprochen Kooperation, nach der betroffene Kontaktpersonen bzw. die Erziehungsberechtigen im Infektionsfall umgehend und direkt über die Einrichtungsleitung informiert werden, gehandelt.

Der zeitliche Ablauf stellt sich wie folgt dar. Unter den Mitarbeitenden der Einrichtung wurde am 3. Mai ein positives Schnelltestergebnis (Poc-positiv) festgestellt. Dieses wurde anschließend am 4. Mai per PCR-Test bestätigt. Die Einrichtungsleiterin wurde unverzüglich, also noch am 4. Mai , durch das Gesundheitsamt kontaktiert und die betroffene Gruppe durch die Einrichtungsleitung in die häusliche Quarantäne gesetzt. Dies entspricht dem üblichen Vorgehen bei Infektionsfällen in Kindergemeinschaftseinrichtungen. Bei der Erstinformation der Kontaktpersonen bzw. der Erziehungsberechtigten wurde, wie in der Allgemeinverfügung des Landkreises Diepholz vorgegeben, darauf aufmerksam gemacht, dass entsprechende Hinweise und ausführliche Informationen für Kontaktpersonen mit auf der Homepage des Landkreises Diepholz (www.diepholz.de) zur Verfügung stehen. Die entsprechenden Bescheide wurden am 7. Mai an die Eltern verschickt. So schwierig die Situation derzeit auch ist, sind derzeit alle Bürgerinnen und Bürger dazu aufgefordert, sich ständig über die offiziellen Informationskanäle der Bundesregierung, der Landesregierungen und der Landkreise sowie über die Medien zu den aktuell geltenden Verhaltensregeln zu informieren. Dieses Maß an Eigenverantwortung wird auch noch weiterhin in den nächsten Wochen gefordert sein.

Die Herausgabe von Patientendaten ist aus Gründen des Datenschutzes nicht erlaubt und ist darüber hinaus auch nicht dem Infektionsschutz dienlich. Bezüglich der anstehenden Impfung von Frau de Vries, hätte eine entsprechende Aufklärung im Rahmen des vor jeder Impfung stattfindenden Impfgespräches erfolgen können. Das Gesundheitsamt kann keine Auskunft zu individuellen Impfungen geben und hat daher auf die zuständige hausärztliche Praxis verwiesen.“

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