Musikalische Nachbarschaftshilfe

Ensemble „HolzSaiten“ begeistert Besucher im Meyer-Köster-Haus

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Am Fagott im Ensemble HolzSaiten: Klaus Bookhoop. Im Blasorchester Drebber spielt er Tuba.

Barnstorf - Von Simone Brauns-Bömermann. Die Premiere des Kammerensembles „HolzSaiten“ wuchs auf voll besetzter Diele des Heimathauses in Barnstorf zum „Tutti“ des Erfolges für Musiker und Publikum.

Um „Von einer Reise zurück in die Heimat“ zu hören, so der Titel des ersten großen Konzertes, hatten sich rund 80 Gäste auf den Weg ins Meyer-Köster-Haus am Sonntagnachmittag gemacht. Die Belohnung für die aufgeregten Musiker waren stehende Ovationen und Begeisterung der Besucher, dass solche Juwelen ihre Nachbarn sein könnten. Es ist eine ganz andere Qualität, wenn der Nachbar von nebenan oder aus dem Nachbarort als Kammermusiker spielen. Mit dem Ensemble, dessen Mitglieder alle, mit Ausnahme von Sänger Karl-Heinz Hoffmann (Diepholz) im Blasorchester Drebber unter der Leitung von Juri Ort (Vechta) musizieren, kam genau diese „musikalische Nachbarschaftshilfe“ nach Barnstorf.

Passte: Premiere für HolzSaiten und Publikum im Heimathaus Meyer-Köster in Barnstorf. 

Nicht nur die Gründung, auch die Besetzung ist dabei interessant: Zur Idee 2016, ein Kammerensemble mit Vorliebe zur klassischen Musik zu gründen, kam die Maßgabe, dass zu dem erlernten Instrument, ein zweites im Ensemble benötigtes, erlernt wird. „Wie bei mir“, erläutert Eva-Maria Konkel (Barnstorf) im Konzert Oboistin, Sängerin und Moderatorin. „Ich spiele eigentlich im Flötenensemble von Ria Rehm in Wetschen Flöte. Nun spiele ich seit knapp zwei Jahren Oboe und habe Unterricht in Syke an der Kreismusikschule“. Dabei schaut sie zur Seite; da sitzt ihre Oboe-Lehrerin Anja Lauckner aus Bremen und guckt zufrieden.

„Klaus spielt eigentlich die Tuba“

So verhält es sich auch bei Klaus Bookhoop (Diepholz), einer des Sextetts mit seinem Instrument. „Klaus spielt eigentlich die Tuba. Er erlernte Fagott für das Ensemble“, gibt Konkel preis. Was sich die neu formierten HolzSaiten ausdachte in zwei Programmteilen war eine grandiose Leistung: Der Start die Eurovisionsmelodie „Te Deum“ das offizielle Ende die Filmmusik aus „Sister Act“, als Hommage an ihren musikalischen Leiter Juri Ort, das gespielte Dankeschön an Anspruch, Forderung und Förderung „I Will Follow Him“. Sein Dank ging zurück an die Hobbymusiker, die er als Profi so schätzt: „Als Profi steht man auf der Bühne, muss professionell sein. Es ist so wunderbar mit Menschen mit offenen Herzen zu proben und zu spielen. Wir vibrieren weiter zusammen“.

Die Zugabe als Antwort auf die stehenden Ovationen des Publikums war persönlich: „Thank You For The Music“ von Abba, denn nach dem geschafften Konzert plumpsten hörbar Steine von den Herzen.

„Musik-Express“ quer durch Europa

Angetreten war das Ensemble mit einer Art „Musik-Express“ quer durch Europa, über den großen Teich und zurück in die Heimat. Die Stationen wie im Reiseführer geplant und von der charmanten Reiseführerin Konkel kommentiert. Mal im Tutti, also gemeinsam musiziert, mal im Duett, Trio oder Quartett gespielt, gab es „Frühstück in Paris“, den Stopp „Am Fjord“ in Norwegen oder den Blick auf den „Moon River“ in Amerika von Henry Mancini wie ihn Audrey Hepburn besang.

Die Musiker bereisen mit den Gästen Schottland und lassen sich von Robert Burns Weise „Auld Long Syne“ oder in Russland mit dem Walzer Nr. 2 von Dmitri Schostakowitsch berauschen. Gekonnt und mit praktischem Charakter dosiert Ort die Einsätze der Musiker: Wenn zum Englischen Volkslied „Greensleeves“ das Fagott und das Klavier klagen oder zu Burns Hymne an Schottland die Oboe an Piano patriotisch erklingt.

Zum Frühstück in Paris und am Fjord findet sich das Saxophon von Rita Bookhoop (Diepholz) ein, zum Bosnischen Traditional der melancholischen Liebe vom Balkon das Cello von Edith Fahrenholz (Diepholz). Sie ist in Teil zwei Souffleuse und stille Gärtnersfrau, die Karl-Heinz Hoffmann im Küchenlied „Warum weinst Du holde Gärtnersfrau“ besingt.

Mischung aus Musik, Lesung mit Spaßfaktor

Den Chor macht das Publikum selbst zum Evergreen „Dat du mien Leevsten büst“ mit Vorsängern Konkel und Hoffmann. Gleich nachdem Rita Bookhoop Ina Müllers Sicht auf den „Coffee-to-go“- Wahnsinn auf Plattdeutsch las und liebevoll intonierte. „Starbucks Latte, dat is Schiet in Pappbecher, kein lyrisches ,Der Café ist fertig‘ mehr“. Ein Gebet ohne Worte gab das Ensemble mit Klezmer und mit allen Akteuren und zur Moritat „Mariechen saß weinend im Garten“ rezitierte Hoffmann in zahlreichen Strophen zum Klavier.

Den Pausenkaffeedurst an Kuchen stillte das Dienstagsteam des Heimatvereins.

Die Mischung aus Musik, Lesung mit Spaßfaktor und Segenslied gegen Ende war perfekt. Zu „Summertime“ von George Gershwin dreht das Ensemble noch einmal richtig auf. „Wir haben uns hier sehr wohl und getragen gefühlt“, so der Dank an den Heimatverein, stellvertretend durch ersten Vorsitzenden Jürgen Rattay.

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