Nach dem Abschluss

Von der Moorbahn bis zur Kaulquappe: das FÖJ beim BUEZ in Barnstorf

Einrichtungsleiter Oliver Nixdorf (rechts) erklärt den FÖJlern Florian Böhner und Lillian Vorbrüggen Umweltphänomene auf dem naturbelassenen Außengelände des BUEZ. Foto: Scholz
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Einrichtungsleiter Oliver Nixdorf (rechts) erklärt den FÖJlern Florian Böhner und Lillian Vorbrüggen Umweltphänomene auf dem naturbelassenen Außengelände des BUEZ.

Barnstorf - Von Jan Scholz. Viele Schülerinnen und Schüler stehen momentan kurz vor ihrem Abschluss. Die große Frage, mit der sich die Absolventen herumschlagen: Was nun? In dieser Serie stellen wir Alternativen zum Studium oder der Ausbildung nach dem Schulabschluss vor.

Aktiver Umweltschutz und der Kampf gegen den Klimawandel sind bei vielen jungen Menschen schon lange wichtige Themen. Doch sich auch aktiv nach dem Abschluss zu engagieren – ist das überhaupt möglich? Das Barnstorfer Umwelt und Erlebnis Zentrum (BUEZ) bieten jedes Jahr zwei FÖJ-Stellen an. Eine der beiden Stellen besetzt in diesem Jahr die 20- jährige Lilian Vorbrüggen aus Göttingen. Neben ihr ist der 19-jährige Florian Böhner aus München der zweite FÖJler im BUEZ. Betreut werden die beiden unter anderem durch den ehrenamtlichen Einrichtungsleiter Dr. Oliver Nixdorf. Schon seit vielen Jahren begleitet der Einrichtungsleiter das Projekt FÖJ im BUEZ. Doch was ist eigentlich ein FÖJ konkret, Kompetenzen sind dabei gefragt?

Welche Aufgaben hat ein FÖJler im BUEZ Barnstorf?

Nixdorf: Grundsätzlich lassen sich die Aufgaben in drei Gebiete gliedern. Zum einen die Umweltbildung. Das bedeutet, die FÖJler führen Schulklassen oder Kindergartengruppen über das Gelände und erklären den Besuchern Themen wie Umweltschutz und Klimawandel. Das findet zum Beispiel in Form von Arbeitsgemeinschaften statt. Zum anderen sind sie für die Geländeinstandhaltung zuständig. Neben diesen Tätigkeiten organisieren die beiden auf freiwilliger Basis eigene Projekte. Grundsätzlich sind wir aber bei den Aufgaben immer offen für neue Ideen.

Wie sieht ein typischer Tagesablauf aus?

Nixdorf: Den richtig typischen Tagesablauf gibt es nicht. Im Normalfall fangen sie gegen neun Uhr an und beginnen mit allgemeiner Büroarbeit. Dabei ist das Einpflegen von Informationen in Social Media Kanälen vorrangig. Die Einsatzgebiete sind vielfältig und variieren zwischen den gebuchten Angeboten und den notwendigen Geländearbeiten. Es gibt zwar eine vertragliche Stundenvorgabe, doch sind wir recht frei diese umzusetzen. Abwechslung hat man auf jeden Fall.

An wen wende ich mich, wenn ich ein FÖJ machen will?

Nixdorf: Auf der Internetseite der Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz können sich Interessierte ab Anfang Januar bewerben. Neben den klassischen Bewerbungsunterlagen kann man auswählen, welche Art von Stelle und wo man den Freiwilligendienst machen möchte. Uns als Einsatzstelle wird eine Vorauswahl an Bewerbern vorgeschlagen und wir treten daraufhin mit ihnen in Kontakt.

Wie gestaltet sich die Vergütung, Unterbringung und Verpflegung?

Nixdorf: Wir als BUEZ können leider keine Unterkunft und Verpflegung stellen. Das hängt mit den nahe stehenden Windrädern zusammen, die eine dauerhafte Unterbringung genehmigungsrechtlich untersagt. Dadurch fällt das Taschengeld bei uns etwas höher aus. Monatlich bekommen die FÖJler circa 300 Euro. Zudem sind sie komplett sozial und krankenversichert. Auch das Kindergeld kann weiter ausbezahlt werden. Neben diesen Leistungen gibt es zum Beispiel ÖPNV Vergünstigungen und Fahrtkostenerstattungen bei Seminaren. Für die Zukunft hoffen wir, dass wir den FÖJlern günstigen Wohnraum in Barnstorf zu Verfügung stellen können.

Welchen Nährwert hat das FÖJ am BUEZ?

Nixdorf: Allgemein bedeutet das FÖJ sich im Bereich Umwelt und Naturschutz zu engagieren. Das FÖJ bietet aber auch jedem die Zeit zur Selbstreflektion. Das bedeutet sich die Frage zu stellen: was will ich eigentlich und welche Ziele möchte ich in meinem Leben erreichen. Das kann bei uns ganz praktisch passieren, indem sich die FÖJler ausprobieren. Auf dem Gelände vom BUEZ haben wir dafür vielfältige Möglichkeiten. Von Gartenarbeit bis Maschinentechnik.

Warum hast du dich entschieden, ein FÖJ zu absolvieren?

Vorbrüggen: Die Erde brennt! Ich interessiere mich schon länger für die Umwelt und den Klimaschutz. Zum Beispiel engagiere ich mich bei Fridays For Future. Mein Studium Geologie hat mir nicht gefallen. Ich wollte gerne mehr Praxis. Genau das bietet mir das FÖJ. Gerne würde ich beruflich später so etwas machen.

Was hat dir das FÖJ bisher gebracht?

Böhner: Nach meinem Hauptschulabschluss habe ich eine Lehre als Tischler angefangen. Das lag mir nicht sonderlich. Durch das FÖJ habe ich viel mehr Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit hinzugewonnen. Vor allem ist es, glaube ich ein Reifeprozess, den man durchlebt. Allein schon die Tatsache so weit weg von den Eltern alleine zu wohnen, hat mir sehr viel gebracht.

Schränkt das Coronavirus eure Arbeit aktuell ein?

Böhner: Die komplette Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen ist weggebrochen. Das finde ich sehr schade. Auch die geplanten Gartentage können nicht stattfinden. Aber bringt uns die Zeit auch, dass wir mehr Zeit für andere Projekte haben. Auf dem Gelände ist auf jeden Fall immer etwas zu tun.

Was würdet ihr Unentschlossenen mit auf den Weg geben?

Vorbrüggen: Ich glaube es ist wichtig, einfach mal über den eigenen Schatten zu springen. Auch wenn man denkt, dass Natur einen nicht so viel interessiert. Ich habe hier erst einen grünen Daumen entwickelt. Es ist also alles möglich und tolle Erfahrungen fürs Leben bringt es auf jeden Fall.

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