Projekt soll zusätzliche Angebote in Mitgliedsgemeinden schaffen

Mobile Arbeit überwindet Hürden

Die Vertreter des Diakonischen Werkes, des Mehrgenerationenhaus und der Samtgemeinde Barnstorf ziehen bei dem Gemeinschaftsprojekt an einem Strang (v.l.): Michael Bruhns, Jürgen Lübbers, Petra Mallwitz-Sainio, Karin Dalley, Ann-Christin Leymann, Christine Trenkamp, Frauke Brüning und Marlis Winkler. Foto: Diakonisches Werk

Barnstorf - Von Thomas Speckmann. „Nur gemeinsam sind wir stark – Barnstorf macht mobil!“ So lautet der Titel eines neuen Gemeinschaftsprojektes, das in der Samtgemeinde Barnstorf auf den Weg gebracht wird. Ziel ist es, die Situation von Menschen im ländlichen, strukturschwachen Raum zu verbessern. Dafür sollen ganz konkret die Potenziale des Mehrgenerationenhauses in Barnstorf genutzt und auf umliegende Mitgliedsgemeinden mithilfe einer mobilen Gemeinwesenarbeit ausgedehnt werden.

Bereits im April hatte sich das Diakonische Werk Diepholz-Syke-Hoya in Kooperation mit der Samtgemeinde Barnstorf und der Interessengemeinschaft Gesundes Leben (Igel) als Träger des Mehrgenerationenhauses um eine finanzielle Förderung bemüht. „Ende Juni kam die erfreuliche Nachricht, dass das Projekt aus 69 Bewerbungen ausgewählt wurde“, berichtet Mitorganisatorin Ann-Christin Leymann. Das Land Niedersachsen unterstützt das Vorhaben mit 64 500 Euro.

Mit den Fördermitteln will das Niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz innovative Projekte zur Stärkung der Integration und der Teilhabe unterstützen. Kommunen sollen in die Lage versetzt werden, Konflikten aufgrund kultureller Unterschiede vorzubeugen und die Unterversorgung an sozialer Infrastruktur zu verhindern. Die Einrichtung von Räumen für die soziale Begegnung, Beratung und Unterstützung spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Wie viele andere Kommunen steht auch die Samtgemeinde Barnstorf durch die Zuwanderung von Flüchtlingen und die Auswirkungen des demografischen Wandels vor besonderen Herausforderungen. Die Abwanderung und Alterung der Bevölkerung beeinflussen die Versorgungslage und gefährden den Zusammenhalt des Gemeinwesens. Nicht ohne Grund hat der Samtgemeinderat bereits vor knapp zehn Jahren das Programm „Leben mittendrin“ beschlossen, um die Innenentwicklung und die Belebung der Ortskerne zu fördern.

Das Diakonische Werk macht in seiner Antragstellung deutlich, dass im Flecken Barnstorf die meiste Infrastruktur angesiedelt ist. In den übrigen Mitgliedsgemeinden sei allerdings wenig Infrastruktur vorhanden. Um an den öffentlichen Angeboten teilhaben zu können, müssten die Bewohner nach Barnstorf gelangen, was mit dem öffentlichen Nahverkehr mitunter schwer möglich sei. Dies gilt auch für die Erreichbarkeit des Mehrgenerationenhauses, das in dem Gemeinwesenprojekt eine tragende Rolle spielt.

„Es ist eine Hürde insbesondere für ältere Menschen sowie geflüchtete Personen mit bisher wenig Teilhabechancen, ihren eigenen Aktionsradius zu verlassen, um eine Veranstaltung oder ein Angebot des Mehrgenerationenhauses zu besuchen. Hier möchten wir anknüpfen. Wir wollen die Potenziale der Einrichtung nutzen und in die kleinen Gemeinden mittels einer mobilen Gemeinwesenarbeit transferieren“, erläutert Leymann die wesentlichen Ziele des Vorhabens.

Das Projekt verfolge den Ansatz, das Gebiet der Samtgemeinde Barnstorf sozialräumlich zu betrachten und Potenziale eines starken Gebietes in ein schwaches Gebiet mitzubringen. In regelmäßigen Abständen sollen unterschiedlichste Angebote zur Kontaktaufnahme und Vernetzung der Bürger stattfinden. Dies könnten öffentliche Frühstückstreffen, Themen-Nachmittage oder andere Veranstaltungen sein. Der Standort soll dabei wechseln. In der Modellphase sollen zunächst der Flecken Barnstorf und die Gemeinde Eydelstedt berücksichtigt werden. „Wir wollen die anderen Mitgliedsgemeinden nicht außen vor lassen, aber für die Antragstellung war es zunächst wichtig, ein Gebiet abzustecken“, erklärt die Mitarbeiterin des Diakonischen Werkes. Langfristig sollen auch die Gemeinden Drebber und Drentwede eingebunden werden.

Die beteiligten Partner haben sich bereits im Rathaus getroffen, um die ersten Schritte für das Projekt zu planen. In der Anfangsphase geht es darum, die Bedarfe und Interessen der Bewohner zu erheben. Dies soll in Form einer aktivierenden Befragung geschehen. Dabei handelt es sich um eine zentrale Methode der Gemeinwesenarbeit. Sie sieht Gespräche mit den Bewohnern vor. Klassischerweise werden die Befragungen an der Wohnungstür oder in den Wohnungen geführt.

Anhand der gesammelten Daten wollen die Beteiligten eine langfristige Gemeinwesenstruktur schaffen. In diesem Zusammenhang sollen das freiwillige Engagement weiterentwickelt und Nachbarschaftshilfen gefördert werden. Auch geflüchtete Menschen sollen für ein Ehrenamt begeistert und auf dem Weg dorthin begleitet werden. Die Bürger sollen motiviert werden, sich für die Belange ihres Wohnortes einzusetzen. „Es geht um den Aufbau eines Miteinanders für die Gemeinde, die Motivation etwas bewegen zu wollen“, so Leymann.

Mit dem Projekt werde eine Verbesserung der immateriellen Bedingungen, insbesondere der sozialen Teilhabe angestrebt, indem infrastrukturelle Schwierigkeiten festgestellt und schließlich überwunden werden. Für Barnstorf und Eydelstedt bedeute dies, dass zunächst das Kennenlernen der Menschen im Quartier im Vordergrund stehe. Aktuell seien Veranstaltungen und Aktionen in den beiden Mitgliedsgemeinden in Vorbereitung.

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