Netzwerk „Frühe Hilfen“ im Aufbau

„Mittelmäßiger Austausch zwischen Akteuren“

Netzwerk-Koordinatorin Kerstin Nicolaysen (r.) präsentierte den Teilnehmern erste Arbeitsergebnisse. - Foto: Brauns-Bömermann

Barnstorf - Der Rathaussaal in Barnstorf war einmal mehr Veranstaltungsort für die Protagonisten, die sich mit der Bundesinitiative „Frühe Hilfen und ihre Umsetzung in Niedersachsen“ beschäftigen. Nach der Auftaktveranstaltung vor einigen Wochen ging es am Mittwochnachmittag darum, wie Maßnahmen in der Samtgemeinde Barnstorf auf den Weg gebracht werden können, um vor allem jungen Familien unterstützend zur Seite zu stehen.

„Wie bringen wir frühe Hilfen konkret auf den Weg?“, formulierte der zuständige Fachdienstleiter des Jugendamtes des Landkreises Diepholz, Detlef Klusmeyer, die Ausgangsfrage. Bei der Begrüßung stand ihm Netzwerk-Koordinatorin Kerstin Nicolaysen zur Seite. Sie blickten jedoch auf zahlreiche leere Plätze. Etliche Namensschilder von Fachkräften, Institutionsvertretern und Praxen, die jetzt bereits im Bereich „Frühe Hilfen“ arbeiten, blieben unbenutzt.

Die Kritik von Samtgemeindebürgermeister Jürgen Lübbers ging in Richtung Kommunalpolitik: „Ich vermisse die kommunalen Vertreter, das finde ich nicht schön.“ Er ließ die Organisatoren auf Landkreisebene wissen, dass die Gemeindeverwaltung und bereits vor Ort arbeitende Professionen sehr am Aufbau des Netzwerkes interessiert seien. In diesem Zusammenhang begrüßte Lübbers, dass der Treffpunkt für weitere Besprechungen auch das Rathaus ist.

Bei der Auftaktveranstaltung war nach dem Kennenlernen und Vorstellen der zukünftigen Netzwerkpartner ein Fragebogen mit der Bitte um Rückgabe verteilt worden. Die wesentlichen Inhalte bezogen sich auf allgemeine und regelmäßige Kooperationen zwischen Institutionen, mögliche Hemmnisse und Verbesserungspotenziale. Inzwischen wurden die Angaben von Nicolaysen und ihrem Team ausgewertet, so dass sie nun im Ergebnisworkshop präsentiert werden konnten.

„Die Abfrage ergab klar, dass wir einen mittelmäßigen Austausch zwischen den Akteuren haben. Daran müssen wir arbeiten“, unterstrich die Koordinatorin. Es habe sich herausgestellt, dass bei der Inanspruchnahme von Hilfe in erster Line das Gesundheitsamt, der Fachdienst Jugend, die Kinderbetreuung, die Frühfördereinrichtungen und die Erziehungsberatungsstelle kontaktiert würden. Ähnlich sah es bei den regelmäßigen Kooperationen aus, nur in leicht veränderter Reihenfolge. Daraus resultierte die Koordinatorin, dass diese Institutionen auf jeden Fall den Kern für das neue Netzwerk bilden müssten.

Aus den Fragebögen kristallisierten sich interessante Anregungen heraus. Ganz oben auf der Wunschliste: eine Geburtsklinik im Landkreis Diepholz. Die weiteren Vorschläge reichten von einer zentralen Anlaufstelle für Eltern bis zu Gruppenangeboten zur Förderung der Erziehungskompetenz. Verbesserungspotenziale sahen die Fachleute in „dem besseren Wissen über die Anderen“, sprich in der Vernetzung. Aus diesen Ergebnissen ergab sich eine erste Struktur des Netzwerkes mit einem Zentrum, in dem der Fachdienst Jugend, die Kindertagesstätten, das Gesundheitsamt, das Familien- und Kinderservicebüro sowie Frühfördereinrichtungen ihren festen Sitz finden sollten.

Als sinnvolle Ergänzung schlug Nicolaysen die Mitarbeit von Hausärzten, Gynäkologen und Hebammen, Psychologen und Therapeuten, Bildungsträgern, Vereinen und Kirchen sowie Ehe- und Familienberatungen vor. Augenscheinlich ein Koloss von Partnern, wenn man die Zielgruppe für die „Frühen Hilfen“ betrachtet. Schließlich geht es hier um die ersten drei Lebensjahre.

Der Fachdienst Jugend hatte acht Steckbriefe mit jeweiligen Ansprechpartnern, inhaltlichen Schwerpunkten der Arbeit und einen Vorschlag zur Frequenz des regelmäßigen Austausches vorbereitet. Wer mit wem besser zusammenarbeiten und wie eine Übereinkunft für Verfahrensweisen erreicht werden könnte, war das erklärte Ziel des Ergebnisworkshops. Denn eine Aufgabe des förderfähigen Netzwerkes „Frühe Hilfen“ ist es, Bescheid zu wissen über die Angebote der Mitstreiter, um den Familien bessere Hinweise zu geben, wo sie dezidierte Hilfe bekommen.

sbb

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