Krebsberatungsstelle droht die Schließung

Mitarbeiterinnen erhalten schon ihre Kündigung

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Mehr als 180 Menschen haben im vergangenen Jahr den Weg in die Krebsberatungsstelle gesucht. Wenn die Förderung durch die Deutsche Krebshilfe in Zukunft ausbleibt, steht die Einrichtung an der Dr.-Rudolf-Dunger-Straße vor dem Aus.

Barnstorf - Von Thomas Speckmann. Seit mehr als 25 Jahren engagiert sich die Interessengemeinschaft Gesundes Leben (Igel) für die Menschen in Barnstorf und Umgebung. Zahlreiche haupt- und ehrenamtliche Kräfte stellen sich in den Dienst der Gesellschaft. Doch ihr Arbeitseifer allein genügt nicht. Es bedarf finanzieller Unterstützung, um die vielfältigen Angebote auf Dauer aufrecht erhalten können. Dies wird besonders deutlich am Beispiel der psychosozialen Krebsberatungsstelle, die ohne weitere Fördermittel vor dem Aus steht.

Der Vorstand um Johann Knake hätte bei der Mitgliederversammlung am Mittwochabend im „Casino Interkulturell“ sicher gerne etwas Zuversicht versprüht, doch die Sorgenfalten in der Führungsriege waren unverkennbar. Die Hoffnung auf die Deutsche Krebshilfe, die ihre Förderung zum Jahresende einstellen will, scheint zunehmend zu schwinden. Nach den Verlautbarungen der Krebshilfe gebe es zurzeit keine Möglichkeit, eine weitere Förderperiode zu finanzieren, berichtete Wilfried Heitmann.

Vier Mitarbeiterinnen erhielten ihre Kündigung

Mit Bedauern musste der Vorstand mitteilen, dass die vier Mitarbeiterinnen der Krebsberatungsstelle Ende September notgedrungen ihre Kündigung erhielten. Damit würde das Arbeitsverhältnis mit Ablauf dieses Jahres enden, sofern sich keine neue Geldquelle auftut. Es gebe zurzeit keine finanzielle Sicherheit für das kommende Jahr. Aus eigener Kraft könne der gemeinnützige Verein die Finanzierung nicht aufrecht erhalten, erläuterte Vorsitzender Knake die Personalentscheidung.

Mindestens 160.000 Euro pro Jahr seien erforderlich, um den Betrieb der kreisweit einzigartigen Beratungsstelle in der jetzigen Form zu gewährleisten, fügte Vorstandsmitglied Wilhelm Bufe hinzu. Ein Blick in das Zahlenwerk macht deutlich: Etwa 90 Prozent der Kosten werden bisher durch die Deutsche Krebshilfe abgedeckt.

Beratungsangebot nicht als Regelleistung anerkannt

Das Geld sieht der Verein gut angelegt. Die Beratungsstelle konnte im vergangenen Jahr 182 Ratsuchende mit insgesamt 679 Kontakten verzeichnen. Aber 2015 war ein „schwieriges Jahr“, wie Heitmann mit Blick auf die Personalsituation erläuterte. Nachdem Angelika Wilkening-Scheck die Einrichtung verlassen habe, sei die Leitung zunächst vakant gewesen. Zum Jahresbeginn sei Andrea von Legat eingestellt worden, aus Krankheitsgründen sei das Team aber kaum komplett gewesen. Nur durch Mehrarbeit seien die Klienten so gut wie möglich versorgt worden.

Für die Betroffenen in Barnstorf ist kaum nachvollziebar, dass sich Politik und Krankenkassen weiter den Ball hin- und herschieben, während qualifizierte Mitarbeiter um ihren Job bangen sowie Patienten und deren Angehörigen der Verlust der Anlaufstelle droht. Die Verhandlungen liefen schon seit Jahren, wusste die frühere Igel-Vorsitzende Christina Runge zu berichten. Doch ohne gesetzliche Grundlage würden sich die Kassen schwer tun. Das Beratungsangebot werde nicht als Regelleistung anerkannt.

„Wir wollen nichts unversucht lassen“

„Es muss eine bundeseinheitliche Regelung geben“, forderte Heitmann im Interesse der heimischen Krebsberatungsstelle und weiterer 18 Einrichtungen in ganz Deutschland. Er und seine Mitstreiter wollen weitere Anstrengungen auf Bundesebene unternehmen, damit die Förderung fortgesetzt wird. Mit einem eindringlichen Brief, ergänzt durch ganz persönliche Schilderungen von Patienten, sollen Regierung, Bundestagsabgeordnete, Krebshilfe und Medien auf die fatale Situation vor Ort aufmerksam gemacht werden.

„Wir wissen nicht, ob wir damit etwas bewegen, aber wir wollen nichts unversucht lassen. Das ist der letzte Strohhalm“, so Knake. Und solange es dieses Fünkchen Hoffnung noch gibt, will er offenbar auch keinen Gedanken daran verschwenden, wie der Verein ohne die Krebsberatungsstelle dastehen würde. Somit stand die Frage aus der Mitgliederversammlung, wie eine Nachnutzung der Räume im Mehrgenerationenhaus an der Dr.-Rudolf-Dunger-Straße aussehen könnte, am Mittwochabend nicht zur Debatte.

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