Dr. Michael Wirth widmet sich im Ruhestand voll und ganz der Malerei

Die ungeborgenen Schätze

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Dieses Bildes heißt: „...und unsere Enkel?“. Die Hand steht für Gier und Skrupellosigkeit im Umgang mit Ressourcen. „Wir haben doch nur diese eine Erde“, sagt Dr. Wirth.

Barnstorf - Ein sehr erfülltes Berufsleben liegt hinter Dr. Michael Wirth, der für die Wintershall in Libyen, Pakistan und anderen fernen Länder unterwegs war und vor fast zwei Jahrzehnten aus dem international tätigen Unternehmen ausschied. „Das so genannte tiefe Loch nach der Pensionierung, das kenne ich gar nicht“, sagt der studierte Geologe aus Barnstorf. Er hat sich seit dem Ende seiner beruflichen Laufbahn der Kunst verschrieben. Es ist seine große Leidenschaft im Ruhestand.

Dem Hunte-Flecken ist der Pensionär mit den ungeborgenen Schätzen im Kopf treu geblieben. Er lebt mit seiner Frau im Ortsteil Walsen in einem klar strukturierten Architektenhaus, das einer Kunsthalle gleicht: Stein- und Bildsammlungen neben Persönlichem bilden an jeder Ecke der Räume kleine Stillleben. Sie erzählen Geschichten einer Familie und dessen Leben. Zwei Kinder hat Familie Wirth, der Sohn wurde während des beruflichen Aufenthaltes des Ehepaares in Libyen geboren.

Studiert hatte Wirth in Heidelberg und Göttingen, bevor er zur Wintershall kam. Dort war er für die Mikropaläontologie und Bohrungsgeologie zuständig. Er hielt dem Erdöl- und Erdgasproduzenten die Treue und wurde im Alter von 60 Jahren mit goldenem Handschlag in den Ruhestand verabschiedet. Das war 1996. Und dann? „Bevor ich zum Computer-Junkie deformierte, meldete mich meine Frau bei einem Malkurs in Vechta bei Jürgen Frey an“, erinnert sich der 78-jährige Barnstorfer an die Anfänge seiner Malpassion.

„Mein Antrieb ist und bleibt die natürliche Neugier, die hatte ich auch auf vielen anderen Gebieten im Berufsleben“, sagt der Barnstorfer, der sich damals voll und ganz auf sein zweites Berufsleben in Farbe einließ und dabei seine künstlerische Ader wiederentdeckte. „Zeichnen konnte ich immer gut, mein Bruder und meine Schwester auch. Meine Tochter ist Theatermalerin“, sagt Wirth nicht ohne Stolz.

Im Atelier Freystil in Vechta hat der Ruheständler drei Jahre geübt, gelernt und gemalt. Er lässt sich von weiteren Lehrern in unterschiedlichen Techniken ausbilden, darunter mit Karin Altrogge (Kirchdorf), Janusz Duda (Diepholz) und Ruth Stephan (Vechta) durchaus bekannte Lehrmeister aus der Region. Der Hobbykünstler wird schließlich flügge und spürt immer häufiger eine Muse, die er zwar nicht kennt, die ihm aber sagt, was er malen soll.

Sein Atelier unter dem Dach des Hauses in Barnstorf ist liebevoll mit unterschiedlichsten Instrumenten zur Farbauftragung ausgestattet. Angefangen bei der Fliegenklatsche über aufgerollte Folie und Kalksandstein bis hin zu Materialien wie Klebern, Bronzen, Malgründen und Viskositäten. „Ich male ausschließlich im Atelier. Das was mir spontan einfällt aus meinem langen Leben, aus der Natur, Tier- oder Menschenportraits. Momentaufnahmen, die ich mit der Kamera festhielt“, erklärt Wirth.

Der Hobbykünstler selbst bezeichnet sich als stillos, aber immer voller Neugier und Eifer auf etwas Neues. Die jüngeren Bilder sind mehr und mehr abstrakt, lassen jedoch vielerlei Interpretation zu. Der Künstler gibt mit seinen Werken dem Betrachter die Freiheit, die er sich beim Malen ebenfalls nimmt. Auch seine Frühwerke sind von hoher Qualität, wirken vollkommen fertig und überzeugend. Stationen seines Lebens spiegeln sich in den Bildern wider: die Wüste, das tiefblaue Meer, Erdoberfläche und Erdinneres, Mikro- und Makroskopisches sowie Menschen und Natur.

„Meine Bilder sollen gerne einen Namen tragen“, verrät der Maler. Das sei die finale Auseinandersetzung mit dem Sujet. Titel sind als Beispiel: „Rote Liste“, Wieland´s Amboss“, „Eisprung“, „Basaltbruch und Käuze“ oder „Rübezahls Wächter“. Trotz seiner wissenschaftlich geradlinigen und humanistischen Ausbildung oder gerade deshalb hat Wirth sich seine Phantasie bewahrt bis ins Alter. Er ist offen für Verrücktes und Unerwartetes. „Wenn man anfängt abstrakt, statt rein figürlich zu malen, bekommt man viel geschenkt von einer Muse, die man nicht kennt“, meint der 78-Jährige.

Michael Wirth ist Mitglied im Verein „Kunst in der Provinz“ und stellt einige Bilder zurzeit im „Refugium“ an der Bahnhofstraße in Barnstorf aus. Schon seit Jahren ist er beim Diepholzer Stadt-Event „Kunst in der City“ vertreten. Schauplatz ist stets das Schuhhaus Seegers in der Fußgängerzone. Dort wird man ihn in diesem Sommer wieder mit etwa 20 neuen Werken antreffen. Er verspricht, einen guten Querschnitt seiner Arbeiten mitzubringen, denn festlegen kann man ihn nicht, so wenig wie die Bodenproben, die er ein Leben lang als Geologe ans Tageslicht befördert, analysiert und bewertet hat.sbb

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