Zehn Malerinnen zeigen ihre Werke auf dem Hof Mattfeld

„Mehr Kunst als Käse“

Menschen in der Gruppe: Carola Ludewig aus Diepholz beeindruckte mit abstrakten Formenadditionen.

Tiere, die getränkt oder gefüttert werden müssen, leben schon längst nicht mehr auf dem Hof Mattfeld an der Moorstraße in Drebber. Aber Leben spielt sich im Bauernhaus von Ingrid Mattfeld immer ab. Davon konnten sich die Besucher bei der Jahresausstellung der Ateliergemeinschaft Freystil überzeugen. Unter dem Motto „Kunst im Kuhstall“ präsentierten die Künstlerinnen aus dem Raum Diepholz und Vechta bereits zum 13. Mal ihre Werke.

Drebber - Nicht nur die Küche des Bauernhauses war mit Freunden und Familienangehörigen übervoll. Auch auf der Diele, im Garten und im eigens aufgebauten Zelt tummelt sich am Sonnabend und Sonntag die Gäste. Das Fachwerkgebäude verwandelte sich, wie jedes zweite Jahr, wenn die derzeit zehn Damen der Ateliergemeinschaft ihre Arbeiten in Drebber präsentieren, in einen ganz besonderen Ort.

Die schlichte, nahezu original bei Auszug der letzten Kühe und dem Pferd nur mit einem Reiserbesen gekehrten Diele bot eine grandiose Kulisse für die vielfältigen Tierporträts, Landschaftsgemälde, Momentaufnahmen und experimentellen Arbeiten, die in Farbe und auf Leinwand festgehalten waren. Unter dem Titel „Mehr Kunst als Käse“ boten die zehn Malerinnen einen breiten Querschnitt ihres Schaffens.

Der Titel hatte einige Künstlerinnen bei der Form der Präsentation inspiriert: Die kleine Maus von Maria Themann blieb besser draußen, sprich das Wuselbild hing an der „Abmist-Dör“. Dort hatte Ingrid Mattfeld extra den Reiserbesen vor dem großen Dielentor stehen lassen. „Hintergrund ist, wenn früher Zigeuner schellten, schreckte sie der Besen ab, denn sie hatten Angst vor Hexen“, berichtete die 83-jährige Drebberanerin schmunzelnd. Die Zeiten und Vorurteile sind natürlich längst vorbei, der Besen machte sich vor den grünen Türen trotzdem gut.

Jede der Mitstreiterinnen hatte etwa sechs bis acht Bilder mitgebracht. Darunter befanden sich gleich mehrere Tiere, die Käse mögen oder geben. Beispielsweise die Kuh von Beate Beck aus Diepholz, die nur noch aus der Ferne als Silhouette durch die groben Holzplanken schaute, wie durch einen Schleier längst vergangener Zeit. Oder auch der große Galloway-Kopf hinter Maschendraht, der aus der künstlerischen Feder von Maria Suelmann stammte und die Besucher flehend ansah.

Bei Carola Ludewig aus Diepholz spielten die Menschen in der Gruppe und ihre abstrakten Formenadditionen eine große Rolle. Im Kontext Kuhstall waren Menschen nicht unwesentlich, Ludewigs Handschrift eindeutig. „Das muss ein Ludewig sein“ erwiderte Mitstreiterin Maria Themann, denn das Namensschild war heruntergefallen. Mona Wolfskämpf aus Diepholz war am Wochenende verhindert, ihre künstlerisch in Szene gesetzten Wiesen und Tiere hielten die Stellung im Kuhstall.

Gastgeberin Mattfeld verzichtete auf Platz in ihrer ansonsten nur ihr allein gehörenden Diele, sodass sich die übrigen Künstlerinnen frei entfalten konnten. „Die Gäste können mich und meine Werke ohnehin im ganzen Haus, in der Waschküche, Küche und im Darwin-Zimmer betrachten“, sagte die Hausherrin. Sie hatte am allerwenigsten Zeit während der zweitägigen Veranstaltung, erläuterte aber trotzdem ihre Werke. Mit Blick auf die Primatengalerie im Wohnraum stellte sie fest, dass diese Werke unverkäuflich seien: „Das ist eine große Familie, die darf man nicht trennen.“ In der Waschküche über dem Spülstein und neben der Toilette konnten die Besucher unzählige Porträts von Wissenschaftlern und anderen prominenten Personen wie Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt und seine Frau Loki bewundern. Daneben befanden sich selbst verfasste Texte zu den Arbeiten.

Im Miteinander waren die Künstlerinnen aus den beiden Nachbarkreisen offenbar geschult, obschon ihre Triebfedern, Stile und Malweisen nicht unterschiedlicher sein könnten. Aber genau das macht die Ausstellung aus, die im jährlichen Wechsel bei Maria Themann in Hausstette und bei Ingrid Mattfeld in Drebber stattfindet und an beiden Orten auf großes Interesse stößt. „Es ist die familiäre Atmosphäre und die Tatsache, dass die Künstler aus unseren Reihen kommen“, sagte ein Gast, so wie Liselotte Schöttler aus Diepholz, eine ehemalige Mitschülerin von Mattfeld, die für Ausstellung und die neue Buchvorstellung ihrer Lehrmeisterin gekommen war. Gezählt haben die Künstlerinnen die Besucher nicht. „Samstag war etwas schlechter besucht, aber der Sonntag war sehr gut“, sagte Beate Beck und zeigte sich zufrieden.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Bambi-Verleihung: Prominente Preisträger und royaler Glamour

Bambi-Verleihung: Prominente Preisträger und royaler Glamour

Hongkong: 100 Aktivisten verbarrikadieren sich weiter in Uni

Hongkong: 100 Aktivisten verbarrikadieren sich weiter in Uni

Islamismus, Dürre und Hunger: Der Sahelzone droht die Krise

Islamismus, Dürre und Hunger: Der Sahelzone droht die Krise

So spielt sich "Star Wars: Fallen Order"

So spielt sich "Star Wars: Fallen Order"

Meistgelesene Artikel

Nach Kalbsriss an der Beeke: Mehrfach Wölfe in Diepholz gesichtet

Nach Kalbsriss an der Beeke: Mehrfach Wölfe in Diepholz gesichtet

Ausgeknuspert: Stoffregen schließt Filiale am Syker Mühlendamm

Ausgeknuspert: Stoffregen schließt Filiale am Syker Mühlendamm

Aus nach 25 Jahren: Birkenstock-Fachgeschäft in Erichshof schließt

Aus nach 25 Jahren: Birkenstock-Fachgeschäft in Erichshof schließt

Marktempfang der Gemeinde beim Herbstmarkt

Marktempfang der Gemeinde beim Herbstmarkt

Kommentare