Wie Barnstorf Bauland-Hunger stillt

Mehr Einwohner ohne Flächenfraß - ein Vorbild für Europa

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Weg vom Einwohnerschwund, hin zur höchsten Einwohnerzahl seit Gründung der Samtgemeinde.

Barnstorf - Von Luka Spahr. Plastik vermeiden, Wasser sparen: All das sind bekannte und wichtige Aspekte beim Thema Nachhaltigkeit. Aber wie sieht es mit Flächenrecycling aus? Die Samtgemeinde Barnstorf praktiziert es unter dem Titel „Nachhaltiges Flächenmanagement“ seit bereits fast zehn Jahren. Das Umdenken bei den Behörden brachte ihr nicht nur deutlich gestiegene Einwohnerzahlen ein. Barnstorf gehört auch zu den nachhaltigsten Samtgemeinden in ganz Deutschland.

„Es war die richtige Entscheidung“, resümiert Bürgermeister Jürgen Lübbers. Er berichtet, dass die Samtgemeinde bereits viermal für den deutschen Nachhaltigkeitspreis nominiert wurde und immer unter den Top Drei gelandet sei.

„Wir sind durch Zufall darauf gekommen. 2009 suchten wir einen neuen Verwendungszweck für die geschlossene Hülsmeyer-Kaserne. Da sind wir auf das Projekt ,Refina’ gestoßen“, so Lübbers. Die Abkürzung steht für „Forschung für die Reduzierung der Flächeninanspruchnahme und ein nachhaltiges Flächenmanagement“. Im Kern geht es darum, durch intensive Einbindung von Bürgern und privaten Investoren eine sinnvollere Flächennutzung zu realisieren. Das habe genau zu den Bestrebungen gepasst, für das ehemalige Militärgelände einen sinnvollen Nutzen zu finden, so Lübbers.

Diese Grafik verdeutlicht, wie das nachhaltige Flächenmanagement Barnstorf zur Wende verhalf. Weg vom Flächenverbrauch, hin zur Innenverdichtung.

Damals sahen die Prognosen schlecht aus für den Flecken. Ein Gutachten einer externen Firma prognostizierte einen stetigen Bevölkerungsrückgang. „Refina“ gab Hoffnung.

„Wir haben damals eine Umfrage gemacht, was die Bürger am Ort schätzen“, erinnert sich der Bürgermeister. Das Ergebnis: die Weite und das viele Grün. „Das lief unseren Bestrebungen damals, immer mehr Baugrund auszuweisen, komplett zuwider.“ Fortan hieß die Devise: vorhandene Flächen nutzen, umliegende Natur schonen. Kurzum: mehr sogenannte Innenverdichtung. Die Samtgemeinde beantragte EU-Fördermittel, lud Experten und Wissenschaftler ein, stellte ein Konzept auf und gründete ein Bürgerforum.

Gemeinsam wurden die Siedlungen und Wohngegenden in Barnstorf und umzu analysiert, und es wurde ein Leerstandskataster geschaffen, das auf der Internet-Seite der Kommune einsehbar ist. Gezielt sei man auf die Besitzer der Grundstücke zugegangen und habe gefragt, ob ein Verkauf der Fläche an Investoren möglich wäre, damit diese bebaut wird. „Und darauf bekamen wir 50 Prozent positiven Rücklauf!“, freut sich Lübbers. An vielen Stellen stünden bereits attraktive Neubauten für verschiedene Zielgruppen. Einen Schwerpunkt würden dabei barrierefreie Wohnungen für ältere Bürger bilden. Und das kam an.

Europa schaut auf Barnstorf

Es gab nicht nur ein persönliches Lob von der EU-Kommission. Aus ganz Deutschland strömten Bürgermeister in den kleinen Ort an der B51 und schauten sich das Nachhaltige Flächenmanagement an. Rund 104.000 Quadratmeter brachliegende Fläche im Ort konnten innerhalb von sechs Jahren bebaut werden. 104.000 Quadratmeter Natur blieben verschont. Und dann passierte das, womit keiner gerechnet hatte.

Lübbers Augen leuchten, während er erzählt. Die Einwohnerzahlen stiegen, das Leben im Ortskern blühte auf. Mit rund 1 100 Bürgern mehr sprengte die Bevölkerungszahl die Prognose. 2016 verbuchte die Samtgemeinde die höchste Bevölkerungszahl seit der Gründung 1974.

Heute habe Barnstorf in Sachen Nachhaltigkeit Vorzeigecharakter. Der Bürgermeister ist nun als Referent ein gefragter Mann, wenn es um Flächenrecycling und nachhaltiges Flächenmanagement geht. Darüber hinaus hat Barnstorf ein eigenes Klimaschutzkonzept aufgestellt, betreibt eine Bürgersolaranlage und bildet sogenannte Klimaschutzmanager aus.

Nachhaltigkeit

Vom 30. Mai bis 5. Juni wurde die Europäische Nachhaltigkeitswoche (ESDW) begangen. Diese europaweite Initiative hat zum Ziel, Aktivitäten, Projekte und Veranstaltungen, die zur nachhaltigen Entwicklung beitragen, sichtbarer zu machen. Daher stellen wir einige Aktivitäten von Kommunen und Bürgern im Landkreis Diepholz vor, die Nachhaltigkeit im Alltag umsetzen – oder eben nicht. Nachhaltig leben ist eine Herausforderung. Hier geht es zur Übersicht

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