Zusammenschluss mit Dea

Wintershall-Chef Mehren setzt auf mehr Effizienz und Wachstum

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Bei seinem jüngsten Besuch in Barnstorf sprach Vorstandsvorsitzender Mario Mehren (r.), hier mit dem Leiter der Wintershall-Aktivitäten in Deutschland, Dr. Andreas Scheck, über die geplante Ausrichtung des Erdöl- und Erdgasproduzenten.

Barnstorf - Von Thomas Speckmann. Vor gut einer Woche hat sich Wintershall-Vorstandsvorsitzender Mario Mehren noch bedeckt gehalten, als er im Gespräch mit dieser Zeitung nach dem aktuellen Stand der Fusionsgespräche gefragt wird.

Am Donnerstagabend lässt das Unternehmen die Katze aus dem Sack: Wintershall und die Deutsche Erdöl Aktiengesellschaft (Dea) sollen in Zukunft gemeinsame Wege gehen. Ihre Mutterkonzerne haben jetzt eine entsprechende Absichtserklärung zum Zusammenschluss der Öl- und Gasgeschäfte vereinbart.

In der Belegschaft am Standort Barnstorf sorgt die geplante Fusion für Gesprächsstoff. Inwieweit sich die mögliche Entwicklung zu einem der größten unabhängigen Öl- und Gasproduzenten in Europa auf die Arbeit vor Ort auswirken könnte, ist derzeitig völlig offen. Fakt ist, dass Wintershall im Sommer dieses Jahres einen spürbaren Abbau von Arbeitsplätzen beschlossen hat.

Stellenstreichungen in Barnstorf

Das Unternehmen hat im September angekündigt, bis zum Jahr 2020 insgesamt 130 von 550 Stellen zu streichen, davon einen großen Teil am Hauptsitz der Deutschland-Aktivitäten in Barnstorf. Der Rest betrifft die Standorte in West- und Süddeutschland. Die Hälfte der Stellen soll bereits bis Ende 2018 abgebaut sein. 

Erreicht werden soll das Ziel, indem Mitarbeiter in den vorzeitigen Ruhestand gehen und Verträge mit Leiharbeitern auch aufgrund veränderter Gesetzgebung zum Teil nicht mehr verlängert werden. Ein Teil der Arbeitnehmerüberlassungen werde aber zugleich direkt zur Wintershall übernommen, heißt es weiter.

„Wir wollen im Unterschied zu vielen anderen in der Branche betriebsbedingte Kündigungen möglichst vermeiden. Wir gehen den Wintershall-Weg“, erklärt der Vorstandsvorsitzende im Pressegespräch anlässlich seines jüngsten Besuchs in Barnstorf. Der Stellenabbau solle verantwortungsvoll und sozial verträglich über die Bühne gehen. Auch die Zahl der Auszubildenden bleibe weiter konstant. Für 2018 seien bereits 13 Ausbildungsverträge geschlossen worden. Derzeit bildet Wintershall insgesamt 47 junge Frauen und Männer in verschiedenen Berufen aus.

Einnahmen sollen erhöht werden

In Zeiten anhaltend niedriger Öl- und Gaspreise bestehe die Notwendigkeit, die Effizienz des Unternehmens zu steigern, so Mehren. Dies geschehe zum einen durch Kostensenkungen und zum zweiten durch Erhöhung der Einnahmen. Bei letzterem Aspekt gehe es darum, mit den vorhandenen Mitteln mehr zu produzieren.

Wintershall müsse den eingeschlagenen Weg fortsetzen, wettbewerbsfähig und kosteneffizient bleiben, ohne sich der Zukunftschancen zu berauben. Vor diesem Hintergrund müssten Infrastrukturen besser genutzt und Arbeitsprozesse optimiert werden. In diesem Zusammenhang sei es wichtig, die Ressourcen der Mitarbeiter auszuschöpfen. „Man muss sie ermuntern, ihre Ideen zu äußern“, ist der Wintershall-Chef überzeugt.

Die Standortfrage stellt sich für die Unternehmensführung offenbar nicht. Dafür spricht der nochmals bekräftigte Wille, die aktuellen Aktivitäten in der Region fortzusetzen. Wichtiger Beitrag zur heimischen Förderung ist das Erdölfeld Bockstedt, wo aktuell mehrere neue Bohrungen getätigt werden. Auch an den Standorten Landau und Emlichheim laufen Erkunden zur Erschließung weiterer Erdölvorkommen.

„Düste Z10“ in Wartestellung

Beim Projekt „Düste Z10“ befindet sich Wintershall nach wie vor in Wartestellung. Die Bundesregierung hat das neue Fracking-Gesetz zwar schon im vergangenen Jahr auf den Weg gebracht, aber die finalen Rahmenbedingungen für die Antragstellung sind immer noch unklar. Für Mehren eine Belastung, zumal das Unternehmen bereits hohe Investitionen getätigt habe und Teams vorhalte, die endlich Lösungen bräuchten. „Das gefährdet auch Arbeitsplätze“, erklärt er.

Auf dem Betriebsgelände an der Rechterner Straße hat das Unternehmen bereits einen Großteil seiner Vorhaben umgesetzt. Die millionenschwere Modernisierung der Erdölaufbereitung und der Bau der Erdölleitung ins Feld Düste sind abgeschlossen. Zurzeit laufen die Bauarbeiten für das neue Labor. Es soll bis August 2018 fertiggestellt werden, kündigt der Vorstandsvorsitzende an. Dafür nehme das Unternehmen knapp sechs Millionen Euro in die Hand.

An richtigen Investitionen festhalten

Die Bemühungen der vergangenen Jahre würden greifen und Früchte tragen, stellt Mehren fest. Darum sei es richtig, an den richtigen Investitionen festzuhalten. Mit Blick in die Zukunft gehe es für das Unternehmen vor allem darum, „robuster“ zu werden. Die Öl- und Gaspreise auf dem Weltmarkt könne Wintershall nicht beeinflussen. Darum sei es wichtig, das Bestehende besser auszunutzen. Die Devise: „Auch bei niedrigen Preisen die Nase über Wasser halten“.

In den letzten zehn Jahren habe Wintershall die Produktion weltweit um rund 50 Prozent gesteigert und die Reserven verdoppelt. „Wir wollen 2018 weiter wachsen, was die Produktion betrifft“, sagt Mehren. Neben den weltweiten Aktivitäten habe auch die heimische Förderung eine Perspektive, wie die aktuellen Projekte zeigten. „Man muss uns nur lassen“, so der Wintershall-Chef.

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