Testpflicht sogar für Kinder und Geimpfte

Logopädin fassungslos: Neue Landesverordnung macht Praxisalltag unmöglich

Ratlos, hilflos und fassungslos stellt sich die Situation für die Leiterin der Logopädie-Praxis Ina Voss in Barnstorf aktuell dar.
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Ratlos, hilflos und fassungslos stellt sich die Situation für die Leiterin der Logopädie-Praxis Ina Voss in Barnstorf aktuell dar.

Corona-bedingt gibt es in Niedersachsen eine neue Landesverordnung für Logopäden. Aus Sicht von Ina Voss aus Barnstorf macht diese den Praxisbetrieb aktuell unmöglich.

  • Die neue Niedersächsische Landesverordnung macht den Praxisalltag für Logopäden seit dieser Woche unmöglich.
  • Logopädin Ina Voss aus Barnstorf zeigt Wiedersprüche auf und beschreibt ihre Verzweiflung.
  • Landtagsabgeordneter Marcel Scahrrelmann nimmt Stellung zur Situation der Logopäden in Niedersachsen.

Barnstorf – Ratlos, hilflos und fassungslos, so beschreibt Logopädin Ina Voss aus Barnstorf ihre aktuelle Situation. Seit dieser Woche gilt in Niedersachsen Corona-bedingt eine neue Landesverordnung, die es den logopädischen Praxen aus ihrer Sicht vorerst unmöglich mache, den Betrieb aufrechtzuerhalten.

Die jetzt in Kraft getretene, geänderte niedersächsische Landesverordnung beinhalte, dass für Patienten im Rahmen einer logopädischen Behandlung eine Maskenpflicht nicht zwangläufig besteht, da andernfalls der Erfolg einer solchen Behandlung nicht gewährleistet sei. Nun solle jeder Patient vor der Behandlung getestet werden oder einen negativen Corona-Schnelltest vorweisen, der nicht älter als zwölf Stunden sein darf. Tests sind jedoch aktuell kaum beziehbar. Selbst Apotheken verfügen bislang nicht über Testkapazitäten.

Hinzu kommt, dass nun auch Kinder im Alter von unter sechs Jahren nicht in der Verordnung ausgeschlossen werden und somit auch getestet werden müssten. „Was mich besonders in Erklärungsnot bringt, ist die Tatsache, dass auch bereits geimpfte Personen vor der Behandlung getestet werden sollen. Wie soll ich das rechtfertigen? Wir sind bislang gesund und gut strukturiert durch die Pandemie gekommen und von heute auf morgen reichen die hohen Hygienemaßnahmen angeblich nicht mehr aus“, so die 33- jährige Praxisbetreiberin sichtlich verärgert.

Zeitlicher und organisatorischer Mehraufwand

Voss macht auf den zeitlichen und organisatorischen Mehraufwand aufmerksam, den das Testen vor der Behandlung mit sich bringt. Die Auswertung der Schnelltests dauere 15 Minuten. „Eine Behandlung dauert in der Regel 45 Minuten, und unser Hygienekonzept sieht vor, dass sich die Patienten möglichst kurzzeitig in der Praxis aufhalten sollen. Hinzu kommt, dass mir sowohl das Personal als auch das Material für die Durchführung der Tests nicht zur Verfügung steht. Für zehn Behandlungseinheiten erhalten wir eine Hygienepauschale von 1,50 Euro und allein ein Test, der vor jeder Behandlung durchgeführt werden muss, kostet um die sieben Euro. “

Die gesamte Pandemie über habe die Logopädie ihre Arbeit fortführen dürfen, da sie zur Gruppe der „systemrelevanten und medizinisch notwendigen“ Arbeitsfelder gehört. Die aktuelle Landesverordnung zwang sie nun jedoch in die Knie.

Fragwürdig ist aus Sicht der Barnstorfer Praxisleiterin, warum die Logopädie seit dieser Woche zu den „körpernahen Berufen“ zählt, was die Beschränkungen weiter verschärfe.

„Wir finden bei der Politik kein Gehör“

Ina Voss: „Ich bin wirklich ratlos. Wir haben jetzt Tage verbracht, Patienten abzutelefonieren und die Termine zu verschieben oder abzusagen, obwohl uns selbst unerklärlich ist, warum wir nicht mehr arbeiten können.“ Im Laufe dieser Woche sollten alle vier Mitarbeiterinnen ihre erste Impfung erhalten, was das Risiko einer Ansteckung weiter minimiere.

„Wir finden bei der Politik kein Gehör. Die Unfähigkeit und Unwissenheit der Politik über die praktische Umsetzung der Behandlung bedingt das Problem. Wir müssen nicht zwangsläufig bei jedem Patienten körpernah arbeiten und konnten dies größtenteils die letzten Monate umgehen. Nun müssen die Entscheidungen der Regierung von Dritten, wie uns oder auch Apotheken, Pflegeeinrichtungen und Hausärzten, aufgefangen werden“, so die 33-Jährige weiter.

Stellungnahme vom Landtagsabgeordneten Scharrelmann

Auf die Anfrage mehrerer Logopädie-Praxen aus der Region antwortete der heimische Landtagsabgeordnete Marcel Scharrelmann in Form einer Stellungnahme. In dieser schreibt er, dass die Veränderung in der aktuellen Corona-Verordnung in einigen Punkten nicht nachzuvollziehen sei und seit dieser Woche deswegen viele Bürger und Arbeitgeber vor Problemen stünden. Grund hierfür sei aus Scharrelmanns Sicht, „weil die Verordnung nicht nur viel zu lang, sondern auch unverständlich und wie in dem konkreten Fall widersprüchlich ist.“

Der CDU-Landtagsabgeordnete sicherte zu, dass er sich in Hannover schnellstmöglich für eine unkomplizierte Lösung einsetzen wolle. „Wir brauchen gezielte und nachvollziehbare Lockerungen, sofern es die Infektionsentwicklungen ermöglichen und keine Verschärfungen in den Bereichen, die seit Monaten auf eigene Rechnung die Sicherheit im Betriebsablauf wahren“, heißt es in der Stellungnahme weiter. Es würden aktuell bereits Gespräche mit der Landesregierung laufen, sodass die Landesverordnung möglichst zeitnah angepasst werden könne.

„Ich kann selbst kaum etwas an der Situation ändern, da einfach keine Tests beziehbar sind. Das Ganze ist nicht mehr maßvoll. Warum geschieht dies gerade jetzt, wo die Inzidenz im Landkreis Diepholz so niedrig ist? Ich kann mich einfach nur bei unseren verständnisvollen Patienten, meinen Kollegen und den Hausärzten bedanken“, betont die 33-jährige Leiterin der Logopädie-Praxis in Barnstorf.

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