Viktor Treiber aus Barnstorf hat die Imkerei für sich entdeckt 

In der Liga der Bienenmillionäre

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Ein Jahr lang hat der Barnstorfer Hobbyimker Viktor Treiber seine gesamte Freizeit in die Restaurierung der in Regensburg erworbenen Walzmaschine zur Herstellung von Mittelwänden für einen geordneten Wabenbau der Bienen investiert.

Barnstorf - Von Gerhard Scheland. Es gab Zeiten, da ging der 58-jährige Viktor Treiber aus Barnstorf sehr gern zum Angeln. Und Tüfteln und Basteln gehörte ebenfalls zu seinen Hobbys. All das ist seit dem Tag Geschichte, an dem der dreifache Familienvater bei einem Bekannten in Delmenhorst zum ersten Mal eine Bienenbrut gesehen hat, in langen Gesprächen mit der Imkerei konfrontiert wurde und als Geschenk ein Bienenvolk mit in seinen Garten an der Goethestraße 16 im Ortsteil Walsen brachte.

„Seitdem bin ich von einem Virus befallen. Die Imkerei lässt mich nicht mehr los. Ein schöneres Hobby als der Umgang mit meinen Bienen ist für mich undenkbar“, schwärmt der gebürtig aus Kirgistan stammende Treiber mit leuchtenden Augen von seinem Hobby. Seit zwölf Jahren beschäftigt sich der Wahl-Barnstorfer, der 1992 über Wagenfeld und Barver in den Hunteflecken kam und dort für sich und seine Familie ein neues Wohnhaus baute, inzwischen mit der Haltung, Vermehrung und Züchtung von Honigbienen und der Produktion von Honig.

„Was soll ich mit dem Geschenk machen?“, fragte sich Treiber damals und traf nach einem Gespräch mit dem erfahrenen Hobbyimker Heinrich Kersting aus Wuthenau die Entscheidung, noch zwei weitere Bienenvölker dazuzukaufen und in die Imkerei einzusteigen. „In Heinrich Kersting hatte ich einen guten Lehrmeister“, erinnert sich Treiber, „der blickte damals schon auf eine mehr als 30-jährige Erfahrung in der Imkerei zurück.“ Parallel zur „praktischen Lehrzeit“ mit Kersting besuchte Treiber Schulungen und nahm gemeinsam mit seinem Sohn Alexander an einem speziellen Imkerlehrgang in Langförden teil. Heute, zwölf Jahre später, geht Treiber sein Hobby ausgesprochen routiniert und professionell an.

Sohn Alexander hat während der Restaurierung der Walzmaschine auch die Technik auf den neuesten Stand gebracht. Die Regelung ist jetzt computergesteuert. Formate werden beispielsweise per Touchscreen eingegeben.

Die Zahl der Bienenvölker, die Jahr für Jahr von Mai bis Ende Juli für die Barnstorfer Familie das gesunde Naturprodukt Honig erzeugen, ist inzwischen auf zwölf angewachsen. „Ich bin damit in die Liga der Bienenmillionäre aufgestiegen“, scherzt der Hobbyimker mit Blick auf die Stückzahl seiner stechenden Honigproduzenten. Sechs der Bienenvölker sind für ihren Besitzer jedes Jahr im nahe gelegenen Naturschutzgebiet Barnstorfer Moor im Einsatz, die übrigen fleißigen Insekten drehen auf der Suche nach Nektar vom Garten der Treibers aus ihre Runden durch die Natur.

Bedingt durch Umweltgifte und Milbenbefall gibt es auch im Bienenbestand von Viktor Treiber immer mal wieder Ausfälle. An einen besonders schweren Rückschlag erinnert er sich bis heute: „Futter war ausreichend vorhanden und ein Milbenbefall nicht feststellbar. Dennoch hat keine meiner Bienen überlebt. Vor acht Jahren war das. Weitergemacht habe ich damals, weil mir meine Nachbarn zum 50. Geburtstag einen Gutschein für ein neues Bienenvolk geschenkt haben.“ Seine Ursachenforschung sei bis heute ergebnislos geblieben, bedauert Treiber.

Schon seit längerer Zeit beschäftigt den 58-Jährigen die Optimierung der Wabenherstellung für die Mittelwände der Bienenkästen. „Einerseits um den Wabenbau der Bienen neu zu ordnen, zum anderen um den wichtigen Bereich der Honiggewinnung zu beschleunigen“, berichtet Treiber.

Eher zufällig entdeckte er damals in der Scheune bei einem in die Jahre gekommenen Imker in Regensburg eine fast 40 Jahre alte verstaubte und angerostete Walzmaschine, die schon zehn Jahre nicht mehr bewegt worden war. Nach kurzer Rücksprache mit Heinrich Kersting erwarb der Barnstorfer die Spezialmaschine, lagerte sie in der eigenen Garage und startete wenig später damit, das Gerät in seine Einzelteile zu zerlegen, sie sandstrahlen zu lassen und anschließend neu zu lackieren.

In den Bienenkästen herrscht bereits rege Betriebsamkeit. Viktor und Alexander Treiber überprüfen regelmäßig ihre Bienenbestände.

Fast ein Jahr lang investierte Treiber seine gesamte Freizeit in die Restaurierung. Bis in die Nächte hinein schraubte der 58-Jährige an seiner Walzmaschine, entrostete Teile und machte sie wieder gangbar. „Ich habe meinen Mann in der Zeit kaum gesehen“, erinnert sich Ehefrau Anna (57) ein wenig vorwurfsvoll, zeigt insgesamt aber lächelnd großes Verständnis für das Hobby ihres Mannes.

Tatkräftige Unterstützung erhielt Viktor Treiber während der Restaurationsphase von seinem Sohn Alexander (36), der sich insbesondere um die Erneuerung der Elektronik kümmerte. „Vorher erfolgte die Regelung manuell, heute ist sie computergesteuert“, erläutert der Junior. „Für einen optimalen Betrieb der Maschine werden alle relevanten Parameter von Sensoren erfasst und an die intelligente Steuerung weitergegeben“, ergänzt er. Sämtliche Sollwerte und Formate für die Herstellung der Mittelwände könnten jetzt per Touchscreen eingegeben werden, freuen sich Vater und Sohn. „Die vorangegangenen Fehlversuche haben wir nicht gezählt“, resümiert Viktor Treiber, „bevor wir die Maschine Ende vergangenen Jahres in Betrieb genommen haben.“

Neben der innovativen Maschinentechnik zur Herstellung von Mittelwänden für den Wabenbau verfügt der Barnstorfer Hobbyimker noch über weitere Erfindungen, die bei seinen abendlichen Tüfteleien und an Wochenenden herausgekommen sind: Eine Thermokamera mit Temperaturüberwachung und Heizung zum Schutz der Bienenvölker gegen den Befall der Varroamilbe beispielsweise oder ein technisch anspruchsvolles Gerät zur künstlichen Besamung der Bienenköniginnen.

Alle Hilfsmittel erleichtern dem Bienenfreund und Imker in den nächsten Wochen sein Hobby. Aus dem Nektar der Raps- und Obstbaumblüten produzieren seine Bienen zunächst die „Frühlingstracht“, aus den Blüten von Linden und Akazien wenig später die „Sommertracht“. Schon während der Obstbaumblüte erkennt Viktor Treiber mit Kennerblick, wie sich seine Bienen entwickeln und entscheidet dann, ob er seinen Bestand aufstockt.

Den ersten Honig erntet der Barnstorfer „zwei Wochen nach der Rapsblüte“ Anfang Juni, die letzten Schleudergänge warten erfahrungsgemäß Ende Juli auf den 58-Jährigen. „In den beiden Sommermonaten ist bei mir Hochsaison“, bereitet sich Treiber schon jetzt gedanklich auf die täglichen Arbeiten vor. Und denkt parallel dazu an den Fortbestand seiner zwölf Völker: „Wenn ich ab August nicht zufüttere, würden meine Bienen den nächsten Winter nicht überstehen.“

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