Gemeinderat ebnet Weg für millionenschweres Vorhaben / Bedenken wegen Emissionen

Letzte Hürde für Baugebiet in Drebber

Auf einer 1,7 Hektar großen Fläche an der Schulstraße/Hoopener Straße sollen 3 Mehrfamilienhäuser sowie 16 Einzel- und Doppelhäuser entstehen. Zeichnung: KB – home & living GmbH

Drebber - Von Thomas Speckmann. Die letzte Hürde für das neue Baugebiet an der Schulstraße in Drebber ist geschafft. Der Rat der Gemeinde Drebber hat in seiner jüngsten Sitzung den Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan gefasst. Gute Nachricht also für den heimischen Investor, der sein millionenschweres Großprojekt umsetzen kann. Die Firma „KB – home & living GmbH“ will insgesamt 19 Objekte, darunter 3 Mehrfamilienhäuser sowie 16 Einzel- und Doppelhäuser, errichten.

„Ich freue mich, dass der Bebauungsplan endlich in trockenen Tüchern ist. Das Baugebiet wird zur Entwicklung unserer Gemeinde beitragen und auch jungen Familien die Möglichkeit geben, sich im Ort niederzulassen“, sagt Bürgermeister Friedrich Iven. Es habe in den vergangenen Monaten immer wieder Anfragen von Bauwilligen gegeben, die auf eine Entscheidung gewartet hätten. Nun könne es endlich losgehen.

Die Gemeinde Drebber hat mit dem Bebauungsplan nicht nur die planungsrechtlichen Weichen gestellt, sondern auch maßgeblich zur Bereitstellung der rund 1,7 Hektar großen Fläche beigetragen. Einen Teil des Privatbesitzes hat die Kommune durch Flächentausch realisiert, den anderen Teil erworben und an den Investor veräußert. „Die Sache hat sich in die Länge gezogen, aber die Kaufverträge sind jetzt unterschrieben“, so Iven.

Das beschleunigte Verfahren zur Aufstellung des Bebauungsplans war bereits im Juli 2088 eingeleitet worden. Bei der damaligen Entwurfsvorstellung durch den Investor herrschte großes Einvernehmen. Nun gingen die Meinungen allerdings auseinander. Die SPD-Fraktion um Dieter Lindenberg stimmte der vorliegenden Planung zu und appellierte an die übrigen Ratsvertreter, dem Votum zu folgen, um Bauwilligen die nötige Hilfestellung zu geben. Aber die Vertreter von Wählergemeinschaft und CDU trugen den Mehrheitsbeschluss nicht mit.

„Wir haben ein Problem“, erklärte Ratsherr Henning Hagedorn. Er verwies darauf, dass ein nahe gelegener Landwirt seine vor fast 20 Jahren erweiterte Kartoffelhalle an der Hoopener Straße möglicherweise nachrüsten müsse, damit die bei der Nutzung verursachten Lärmemissionen im neuen Wohngebiet nicht überschritten würden. Der Vertreter der Wählergemeinschaft sieht hier aber nicht den Landwirt in der Pflicht, weil sich die Grenzwerte auf die frühere Baugenehmigung beziehen würden, sondern fordert die Gemeinde auf, das Problem zu beseitigen.

Die Wählergemeinschaft erneuerte ihre bereits in der jüngsten Sitzung des Fachausschusses geäußerten Forderung nach einem Lärmschutzgutachten. Unterstützung gab es in diesem Punkt von CDU-Ratsherr Björn Drebbermüller. Nach seiner Auffassung hat die Gemeinde dafür zu sorgen, dass der Emissionsschutz eingehalten werde. Sie solle diese Pflicht nicht dem Vorhabensträger überlassen. „Als Rat sind wir dafür verantwortlich, für gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse zu sorgen“, so Drebbermüller.

Gemeindedirektor Jürgen Lübbers hatte in diesem Punkt keine Bedenken. Er räumte zwar ein, dass sich die Bewohner des neuen Baugebietes durch die Kartoffelhalle möglicherweise eher belästigt fühlen könnten als die bereits vor Ort lebenden Anlieger. Aber der Landwirt müsse die festgelegten Grenzwerte aufgrund der damals erteilten Baugenehmigung schon jetzt beachten. „Wenn die Werte eingehalten werden, gibt es keinerlei Konflikte in der Siedlung“, meinte Lübbers.

Aufgrund der strittigen Frage musste sich die Wählergemeinschaft dem Vorwurf der Sozialdemokraten aussetzen, die Bauleitplanung zu erschweren beziehungsweise zu verzögern. Das ließ Stefan Flemer-Rensmeyer so nicht stehen: „Wir wollen nichts verhindern oder verschleppen!“ Seine Fraktion sei für eine Bebauung, aber die vorhandene Infrastruktur mit landwirtschaftlichen Betrieben müsse beachtet werden. Man könne nicht darauf vertrauen, dass Menschen wüssten, welchen Einflüssen sie ausgesetzt seien, wenn sie aufs Land zögen.

Was etwaige Geruchsemissionen durch die heimische Landwirtschaft betrifft, gibt es seitens der Verwaltung offenbar keine großen Bedenken. Laut stellvertretender Fachbereichsleiterin Claudia Emker hat die Kommune ein Gutachten für sechs landwirtschaftliche Betriebe in Auftrag gegeben. Es komme zu dem Ergebnis, dass im Randbereich des Baugebietes nahe des Feuerwehrhauses die Werte „eventuell geringfügig überschritten“ werden könnten, aber im ländlichen Raum sei eine solche Beeinträchtigung hinzunehmen.

In der Ratssitzung ging Emker auf weitere Stellungnahmen im Rahmen des öffentlichen Beteiligungsverfahrens ein. Ein Einwand richtete sich gegen die Gebäudehöhe, denn im Vergleich zur benachbarten Wohnsiedlung „Lange Wand“ soll ein zusätzliches Obergeschoss erlaubt sein. Die verkehrstechnische Erschließung soll von der Straße „Lange Wand“ und von der Schulstraße erfolgen. Zur Oberflächenentwässerung dienen Mulden zwischen Grundstücken und Straßen. Ein Regenrückhaltebecken ist nicht nötig.

Was die Energieversorgung der Haushalte betrifft, setzt die Siedlung ganz neue Maßstäbe in der Region. Die Firma „KB – home & living GmbH“ beabsichtigt die Errichtung von Niedrigenergiehäusern mit Fotovoltaikanlagen. Damit würde der komplette Bedarf für Wärme und Strom gedeckt. „Die Objekte erzeugen mehr Energie als die Bewohner brauchen werden“, erklärt Geschäftsführer Alois Koop-Brinkmann auf Anfrage.

Das Unternehmen, das sich auf die Bauträgertäigkeit von privaten und gewerblichen Neu- und Umbauten spezialisiert hat, will noch in diesem Jahr mit der Erschließung und dem Bau zweier Häuser im Außenbereich beginnen. „Sobald wir Rechtssicherheit haben, geht es los. Wir müssen nichts übers Knie brechen. Das Gebiet soll Schritt für Schritt wachsen und in zwei oder drei Jahren komplett bebaut sein“, so Koop-Brinkmann.

Hinsichtlich der Vermarktung sieht der Investor keine Probleme. Es gebe einen Bedarf an modernem, bezahlbarem und energiesparendem Wohnraum. Auch bei Mitarbeitern seines Handwerksbetriebes, der zu den größten Arbeitgebern in der Samtgemeinde Barnstorf zählt, bestehe eine Nachfrage nach Wohnraum. „Es sind schon einige Wohnungen veräußert und relativ viele Grundstücke reserviert“, berichtet Koop-Brinkmann.

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