Ausstellung mit Bildern von geflüchteten Frauen im Barnstorfer Rathaus zu sehen

Leichteres Lernen mit dem Pinsel

Auf den Fluren des Barnstorfer Rathauses sind für drei Monate etwa 70 Bilder zu sehen, die von geflüchteten Frauen gemalt wurden. Foto: Reckmann

Barnstorf - Von Sven Reckmann. Das Bild, das an einer Wand im Barnstorfer Rathaus hängt, zeigt ein Boot. Ein Schlauchboot vielleicht, inmitten eines großen Meeres. Es zeigt offenbar eine Fluchtsituation, und es ruft bei den Betrachterinnen an diesem Morgen sofort Erinnerungen und lässt Diskussionen aufkommen. Kopfnicken, Erinnerungen werden wach.

Es ist keine normale Ausstellung, die derzeit auf den Fluren des Barnstorfer Rathauses zu sehen ist. Gemalt wurden die Bilder von geflüchteten Frauen aus aller Welt, die nach Barnstorf gekommen sind, als Teil ihres Sprachkurses.

Der Titel: „Mit Pinseln und Farben Freude erleben und Sprache erlernen“.

„Das hat mich sehr beeindruckt“, sagte Schirmfrau und Fleckensbürgermeisterion Elke Oelmann, nachdem sie die ersten Bilder betrachtet hatte. Hinter jedem Bild stehe eine sehr persönliche Geschichte. „Die Malerei ist nur das Vehikel, dahinter stehen die Menschen.“ Es sei wichtig, diesen Bildern einen solchen öffentlichen Rahmen zu geben, sagte Oelmann.

Zum ersten Mal war der Aspekt der künstlerischen Gestaltung von Bildern im Rahmen eines verbesserten Sprachkurses für Migrantinnen aufgenommen worden. Durch die Förderung von der Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung (Land Niedersachsen) und dem VNB (Verband niedersächsischer Bildungsinitiativen) in Barnstorf konnte ein Kursus mit 150 Unterrichtsstunden Deutschunterricht (Katrin Weiß) sowie 150 Stunden künstlerischer Gestaltung (Brigitte Meyer/„Mal-Raum“ Drebber) von Dezember 2018 bis November 2019 stattfinden.

Der „Treffpunkt Kultur“ kam dann mit den Organisatorinnen überein, die Bilder für eine Ausstellung ins Barnstorfer Rathaus zu holen, wo Fachbereichsleiterin Frauke Brüning gern als Gastgeberin fungiert.

Auch Marion Rolle, Geschäftsführerin des VNB, betonte, dass die Ausstellung an diesem Ort sehr wichtig ist. „Worte zu finden, ist gar nicht so einfach, gerade wenn man aus einer anderen Kultur kommt“, erklärte sie. Die Bilder thematisieren Flucht, Liebe, Glaube, Hoffnung oder Freundschaft, „nicht für alles haben wir Worte“, so Rolle.

Wo die Worte fehlten, setzten die Frauen den Pinsel ein. Bei allen unterschiedlichen Erfahrungen mit dem Ankommen: „Ihr habt eine gemeinsame Sprache gefunden, ohne Eure Vielfalt zu verbergen.“

„Malen lässt das Lernen leichter werden“, erklärte Brigitte Meyer die Idee, die hinter dem Kursus steckt. Sie zeichnete die Entstehungsgeschichte der Ausstellung nach. Anfang Dezember 2018 hätten sich etwa 15 Frauen erstmals in Drebber getroffen. Donnerstags sei der Sprachkurs im „Casino interkulturell“ im Hülsmeyer-Park gewesen, montags dann der Malkursus in Drebber.

Auf einer Stellwand ist eine Projektbeschreibung zu lesen, außerdem stellen sich die Teilnehmerinnen selbst vor. Einige von ihnen hätten keine oder wenig Schulbildung und noch nie einen Stift in der Hand gehabt, berichtete Katrin Weiß. Entsprechend breit ist die Palette bei den fast 70 Bildern, die in der Ausstellung zu sehen sind: von einfachen, fast kindlichen Formen bis hin zu Werken, die den Betrachtern anerkennendes Staunen abverlangte.

So oder so – es ist die Aussage, die dahintersteckt und diese Ausstellung zu einer ganz besonderen machen.

Die Bilder sind während der Öffnungszeiten des Rathauses bis Freitag, 31. Januar 2020, zu sehen.

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