Landvolk nimmt Urteil gegen Ex-Vorsitzenden mit Genugtuung entgegen

„Für uns ist das okay so“

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Landvolk-Vorsitzender Theo Runge bei seinem ausführlichen Bericht aus Agrar- und Verbandspolitik.

Eydelstedt - Die Landvolk-Versammlung in Eydelstedt war schon knapp drei Stunden „alt“, da eröffnete Vorsitzender Theo Runge den letzten Tagesordnungspunkt. „Wahrscheinlich für viele der interessanteste“, vermutete er. Es ging um die Gerichtsverfahren gegen den ehemaligen Vorsitzenden Lothar Lampe, gegen die drei ehemaligen Landvolk-Mitarbeiter Bergmann, Gerdes und Hagen-Gerdes sowie gegen das Unternehmen Westwind.

Rund 100 Landwirte bei Kolshorn hatten Rückblick gehalten, hatten Erntebilanz gezogen, hatten neues über Verordnungen und Gesetzesvorhaben gehört, aber dieser Punkt war eben ein besonderer. Das Urteil gegen den ehemaligen Landvolk-Vorsitzenden war erst wenige Tage alt (wir berichteten).

„Für uns ist das Urteil okay so“, sagte Runge. „100 Prozent von dem, was wir gefordert haben, wurde uns zugesprochen.“ Allerdings räumte er ein, dass die Entscheidung der Verdener Richter noch nicht rechtskräftig sei. Runge summierte die Rückforderungen seitens des Landvolks an verschiedene Beteiligte auf insgesamt knapp zehn Millionen Euro.

Das Landvolk habe aktiv an der Aufarbeitung von Vorgängen bis ins Jahr 2001 hinein gearbeitet, habe drei Arbeitsverhältnisse beendet, sich um die Durchsetzung von Schadensersatzansprüchen gekümmert, die Neuorganisation des Verbandes und der Tochtergesellschaften vorangetrieben und Transparenz hergestellt. „Das, was passiert ist, kann uns nicht nochmal passieren“, zeigte er sich überzeugt.

Die Landvolk-Versammlung bei Kolshorn war die letzte von zehn sogenannten Winterveranstaltungen. Daran hatten insgesamt mehr als 600 Landwirte aus allen Ortsverbänden des Kreisverbandes Grafschaft Diepholz sowie Gäste aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik teilgenommen.

Sie hörten vom Vorsitzenden zunächst Aktuelles aus der Agrar- und Verbandspolitik. Runge stellte dabei nicht nur die Forderungen des Berufsstandes an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft heraus, sondern mahnte auch die eigenen Reihen zu mehr Engagement: „Nehmt die Diskussion um eure eigenen Themen wieder selbst in die Hand!“ Jeder Landwirt sei heute gefragt, die eigenen Positionen, die eigene Kritik und auch die eigene Bereitschaft für Neues und Umsetzbares nach vorn zu tragen. „In Sachen Raumordnung konnten wir auf diese Weise schon viel erreichen, bei anderen Themen ist allerdings noch Luft nach oben“, erklärte Runge. So hätten sich auch zum Antibiotika-Monitoring viele Praktiker zu Wort gemeldet und etliche Kritikpunkte zusammengetragen und ans Landwirtschaftsministerium in Hannover geschickt.

„Mit dem Ergebnis, dass auch unser Minister nach Weihnachten endlich manches Problem erkannt hat.“ Von den Politikern forderte er weiterhin deutliche Bekenntnisse zur Landwirtschaft, die im Landkreis Diepholz „schließlich eine starke Stütze der Wirtschaft und Gesellschaft“ darstelle.

Kreisverbandsgeschäftsführer Dr. Jochen Thiering berichtete aus dem Geschäftsbetrieb und hatte gleich sieben verschiedene Themen auf dem Plan. Dabei kamen die Empfehlungen des Berufsverbandes zum gezielten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln genauso zu Sprache wie seine Forderungen zur viel diskutierten Düngeverordnung sowie zur wiederkehrenden Nutzungsvergütung für vom Leitungsbau beanspruchte Flächen. Thiering informierte über die im Dezember erfolgte Anerkennung Niedersachsens als „BHV-1 freies Bundesland“, über das Urteil des Europäischen Gerichtshofes zur Zahlungsfrist beim Nachbau geschützter Sorten, über Neuerungen in der landwirtschaftlichen Sozialversicherung, über Daten und Fakten zur Agrarförderung und Prämienzusammensetzung, über neue und ausgeschiedene Ansprechpartner beim Landvolk sowie zur geplanten baulichen Erweiterung des Geschäftshauses in Sulingen. „Die Bauarbeiten starten, sobald es das Wetter zulässt“, so der Geschäftsführer.

sr/bib

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