„Frech, wild und wunderbar“

Marita Eschenhorst erklärt im Interview, was Landfrauen heute leisten 

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Marita Eschenhorst ist Mitglied des Landfrauen-Landesvorstands und Vertreterin für den Bezirk Hannover. Die 56-Jährige hat sich ganz konkrete Ziele gesetzt. 

Landkreis  Diepholz - Initiativen für gesunde Ernährung gehören genauso dazu wie politisches Engagement, wenn es um die Schließung einer geburthilflichen Abteilung oder landwirtschaftliche Berufsfelder geht: Das Engagement der Landfrauen ist breit gefächert. Bundesweit gehören diesem Verband 500. 000 Mitglieder in rund 12 .000 Orts- und 430 Kreisverbänden an. Als Vertreterin im Landesvorstand Niedersachsen und des Bezirks Hannover hat Marita Eschenhorst aus Barnstorf eine verantwortungsvolle Aufgabe übernommen. Im Interview erläutert sie, welche aktuellen Herausforderungen zu meistern sind. Die Fragen stellte Anke Seidel.

Rund 70.000 Landfrauen sind im Niedersächsischen Landfrauenverband organisiert. Eine enorme Zahl. Frau Eschenhorst, was zeichnet eine typische Landfrau heute aus?

Marita Eschenhorst: Die typische Landfrau von heute ist frech, wild und wunderbar. Frech – das heißt, sie mischt sich ein und vertritt klar ihre Position. Wild – das heißt, sie ist flexibel und unerschrocken. Wunderbar – das heißt, sie leistet Wertvolles für die Gesellschaft.

Mit welchen Aufgaben befassen Sie sich im Augenblick im Landesvorstand?

Eschenhorst: Im Landesverband bin ich als Bezirksvertreterin Hannover das Bindeglied für die neun Kreisverbände mit ihren 56 Ortsvereinen. Das bedeutet auch Mitglied in und Teilnahme an Fachausschüssen anderer Organisationen auf Landes- und Bundesebene. Einer meiner Schwerpunkte ist Hauswirtschaft und Bildung. Deshalb befassen wir uns in der nächsten Sitzung der Landesvereinigung Hauswirtschaft Niedersachsen und des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz mit der Zukunftsperspektive Hauswirtschaft, denn angesichts der gesellschaftlichen Veränderungen – Überalterung, Auflösung privater Haushaltsstrukturen – und dem zurückgehenden Interesse von jungen Menschen an Dienstleistungsberufen steht auch die Hauswirtschaft vor einem Fachkräftemangel in allen beruflichen Handlungsfeldern. Es muss erörtert werden, ob es sinnvoll und eventuell möglich ist, Kooperationen mit angrenzenden Berufsfeldern einzugehen.

Gibt es weitere brandaktuelle Themen?

Eschenhorst: Die moderne Landwirtschaft steht vermehrt Akzeptanzproblemen gegenüber, hinter denen sich häufig Unwissenheit verbirgt. Mit dem Projekt „Dialog auf Augenhöhe – Landwirtschaft qualifiziert erklären“ wird interessierten Frauen eine Qualifizierung angeboten, die sie auf das Gespräch mit teilweise auch kritischen Mitbürgern vorbereitet. Die Durchführung und Leitung dieser Seminarreihe gehört ebenfalls zu meinem Aufgabenbereich.

Kochen mit Kindern – diese Aktion ist seit 18 Jahren ein Markenzeichen der beiden Kreislandfrauenverbände im Landkreis Diepholz. Kindern spielerisch gesunde Ernährung mit regionalen Lebensmitteln nahe zu bringen, ist das Herzstück der Aktion – wenigstens einmal im Jahr, im Herbst, für Dritt- und Viertklässler. Gehört diese Aktion nicht fest in den Schulunterricht?

Eschenhorst: Ja, da gebe ich Ihnen Recht. Das Projekt war als Türöffner für die Vermittlung von Ernährungswissen und Alltagskompetenzen bei Kindern gedacht und ohne unsere Sponsoren auch nicht die ganzen Jahre durchführbar. Der NLV (Anmerkung der Redaktion: Niedersächsischer Landfrauenverein) wird nicht müde, immer wieder diese Forderung nach dem Schulfach Alltagsökonomie zu stellen.

Bemühungen darum sind schon vor mehr als einem Jahrzehnt gescheitert. Sehen Sie heute eine reale Chance, diese lebenspraktische Aktion fest im Lehrplan zu verankern?

Eschenhorst: Ja, die sehe ich, denn mittlerweile fällt es nicht nur den Schulen und Lehrern auf, dass vielen Kindern die Alltagskompetenzen fehlen, sondern auch unsere Gesellschaft nimmt diesen Wandel wahr. Deshalb wird diese Forderung in Zukunft sicherlich nicht nur von uns Landfrauen kommen.

Welche Bildungsziele möchte der Landfrauen-Landesvorstand noch verwirklichen?

Eschenhorst: Unser Ziel ist es auch weiterhin, Frauen zu stärken – zum Beispiel mit unserer Bildungsreihe „Erfolg wir weiblich“. Ihnen Werkzeuge an die Hand zu geben, um in Männer dominierten Strukturen mit zu mischen. Wir benötigen mehr Frauen in Führungspositionen und in der Politik. Dass wir es können, sehen wir an Babara Otte-Kinast, die, bevor sie Ministerin für Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz wurde, unsere Landesvorsitzende der Landfrauen in Niedersachsen war.

Das Ehrenamt hat in Ihrer Organisation eine enorme Rolle. Gibt es noch genug Freiwillige bei den Landfrauen?

Eschenhorst: Genug gibt es glaube ich nie. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, Interessierte auf das Ehrenamt vorzubereiten, indem wir Schulungen „Fit fürs Ehrenamt“ durchführen. In manchen Vereinen funktioniert es wunderbar, in anderen ist es etwas schwieriger. Vielleicht liegt es daran, dass die Wertschätzung für ein Ehrenamt in unserer Gesellschaft ein bisschen abhandengekommen ist und nicht genügend gewürdigt wird.

Schauen Sie doch einmal in die Zukunft: Wo sehen Sie die Landfrauen-Organisation in 25 Jahren?

Eschenhorst: Die Landfrauen-Organisation wird sich verändern und der Zeit anpassen, denn das ist die Stärke, die wir Landfrauen schon jetzt haben. Wir sind innovativ, aufgeschlossen und bereit, neue Wege zu gehen. Deshalb wird es sie auch in 25 Jahren noch geben.

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