Landgasthof schränkt den Betrieb ein / „Viele Gaststätten ohne Nachfolge“

Kolshorn: „Schritt ist uns nicht leicht gefallen“

+
Hans und Ingrid Kolshorn sind seit mehr als 30 Jahren mit Herz und Seele bei der Sache. Nun will das Wirtepaar aus Eydelstedt etwas kürzer treten. Essen für Gruppen und Familienfeiern sollen aber weiterhin stattfinden.

Eydelstedt - Seit mehr als 50 Jahren besteht der Kegelclub „Alle Neune“ in Eydelstedt. Zweimal im Monat treffen sich die Mitglieder, um gemeinsam zu kegeln, nebenbei zu plaudern und zu trinken. Dieser Brauch hat jetzt ein Ende. Die zwölf Frauen werden sich von ihrem sportlichen Hobby verabschieden und auf andere gemeinschaftliche Aktivitäten ausweichen. Hintergrund ist die Entscheidung des Landgasthofes Kolshorn, seinen Betrieb ab dem Jahr 2016 einzuschränken. Davon sind sowohl die Kegelbahn als auch die Gaststube betroffen.

„Der Schritt ist uns nicht leicht gefallen“, erklären Hans und Ingrid Kolshorn, die seit mehr als 30 Jahren mit Herz und Seele bei der Arbeit sind. Die Entscheidung sei nicht erst gestern getroffen worden, schon seit einigen Jahren hätten sie sich mit dem Gedanken getragen, etwas kürzer treten zu wollen, sagt das Wirtepaar. An dieser Stelle räumen sie mit einem Gerücht auf: „Wir schließen nicht, wir stellen nur um.“

„Wie lange wollen wir noch machen?“ Diese Frage treibt die Betriebsinhaber, inzwischen beide 63 Jahre alt, seit geraumer Zeit um. So viel steht fest: Aus der eigenen Familie wird niemand den alt eingesessenen Landgasthof übernehmen, einen Pächter oder Käufer zu finden, ist ebenfalls schwierig. „Unter diesem Problem leiden viele Betriebe“, weiß Hans Kolshorn, der Mitte der 1980er Jahre in die Fußstapfen seiner Eltern Heinz und Lotte getreten ist und gemeinsam mit seiner Frau den Gastronomiebetrieb erweitert und modernisiert hat.

„Im ländlichen Bereich ist es in der Tat so, dass auch viele gut laufende Gaststätten keine Nachfolger haben“, bestätigt Andree Meyer, Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbands Grafschaft Hoya. Er geht davon aus, dass das Kneipensterben in Deutschland – laut Statistischem Bundesamt machte zwischen 2001 und 2010 jeder vierte Schankwirtschaft dicht – weitergehen und in nächster Zeit noch einige Lokale schließen werden, sei es aus Mangel an Nachfolgern oder aus finanziellen Gründen.

Meyer kritisiert die Konkurrenz durch Vereinsheime oder Dorfgemeinschaftshäuser, die zunehmend für Privatfeiern herhalten, aber nicht den gleichen rechtlichen Rahmenbedingungen unterliegen würden. „Die Grundversorgung soll dann die Gastronomie übernehmen. Das kann auf Dauer nicht funktionieren“, so der Kreisvorsitzende. Hinzu komme, dass sich das Verhalten in der Bevölkerung gewandelt habe. Stammtische wie früher, als sich die Leute nach der Arbeit in der Kneipe getroffen hätten, gebe es heute nicht mehr.

Dass sich das Kundenverhalten geändert hat, lässt sich auch im Landgasthof Kolshorn beobachten. Das Geschäft mit den Familienfeiern läuft zwar relativ gut, doch in der Gaststube herrschte früher mehr Leben. Besonders deutlich wird der Wandel auf der Kegelbahn. Früher seien die Bahnen komplett ausgebucht gewesen, erinnert sich Ingrid Kolshorn. Inzwischen habe sich die Zahl der Clubs auf weniger als die Hälfte reduziert. Kegeln ist nicht mehr in Mode.

Die Familie Kolshorn hat die Clubs bereits nach der Sommerpause informiert, dass der Bahnbetrieb aufgegeben und die Öffnungszeiten des Lokals eingeschränkt werden. Die Gaststube wird an Januar nur noch von Donnerstag bis Sonntag geöffnet sein. Das Essen „à la carte“ wird eingestellt. Für Gesellschaften ab circa zehn Personen steht die Küche hingegen zur Verfügung. In diesem Fall können sich dann auch kleinere Gruppen einklinken. Hier gehören auch Saison-Essen zur Grünkohl-, Spargel- und Weihnachtszeit dazu. Voraussetzung ist stets eine Voranmeldung.

„Für Familienfeiern aller Art stehen wir natürlich weiterhin gerne zur Verfügung“, betonen die Inhaber. Auch größere Versammlungen sollen nach wie vor im Saal stattfinden. Somit dürfte sich für den Schützenverein Eydelstedt nicht viel ändern. Der Schießbetrieb läuft weiter, das Schützenfest bleibt ebenfalls fester Bestandteil des Vereinslokals. Mit öffentlichen Ratssitzungen, sie stets zwischen den einzelnen Ortsteilen wechseln, will die Gemeinde ins Eydelstedter Feuerwehrhaus ausweichen, sagt Bürgermeister Friedrich Bokelmann.

Es ist ein Abschied auf Raten, der sich in Eydelstedt vollzieht. Das spüren auch die Stammgäste. „Viele finden es schade, aber viele können uns auch verstehen“, sagen Hans und Ingrid Kolshorn. Nach dem anstrengenden Jahr wünschen sie sich und vor allem ihren treuen Mitarbeitern und Gästen ein besinnliches Weihnachtsfest. „Die Änderungen im neuen Jahr, die müssen sich dann auch für uns erst einspielen“, so das Wirtepaar. sp

Mehr zum Thema:

Germanwings-Absturz: Gutachten verärgert Hinterbliebene

Germanwings-Absturz: Gutachten verärgert Hinterbliebene

Ermittler rätseln über Motiv des London-Attentäters

Ermittler rätseln über Motiv des London-Attentäters

Trotz Tragödien im Mittelmeer wächst Kritik an den Rettern

Trotz Tragödien im Mittelmeer wächst Kritik an den Rettern

Riesige Open-Air-Ausstellung: València ist Feuer und Flamme

Riesige Open-Air-Ausstellung: València ist Feuer und Flamme

Meistgelesene Artikel

Hochkarätige Akteure prügeln sich im Dreyer Sportcenter Dassbeck

Hochkarätige Akteure prügeln sich im Dreyer Sportcenter Dassbeck

Sarina Kynast wird Spargelkönigin der Samtgemeinde Kirchdorf

Sarina Kynast wird Spargelkönigin der Samtgemeinde Kirchdorf

Rettungsdienste und Polizei proben Ernstfall

Rettungsdienste und Polizei proben Ernstfall

Palliativstützpunkt: Vorstand schließt Kassenprüfer aus

Palliativstützpunkt: Vorstand schließt Kassenprüfer aus

Kommentare