Kurz vor der Niederlage bleibt das Bild stehen

WM-Aus sorgt für viele enttäuschte Gesichter beim Public Viewing in Drebber

Finstere Aussichten: Wenige Minuten vor dem Abpfiff gab es bei den heimischen Fans kaum noch Hoffnung auf das Achtelfinale.

Drebber - Von Thomas Speckmann. Es hätte der perfekte Start in die Ferien werden können, die Voraussetzungen waren wie gemalt: Der achtjährige Bennet schlüpfte in sein Trikot, packte eine kleine Trommel ein und freute sich auf das Fußballgucken in Drebber. Die Hoffnung auf einen Einzug der deutschen Nationalmannschaft ins Achtelfinale war groß. Doch am Ende herrschte nur noch Enttäuschung bei dem Jungen aus Aschen. Nicht einmal sein Lieblingsspieler Toni Kroos konnte das Aus bei der Weltmeisterschaft in Russland verhindern.

Auf dem Sportplatz in Drebber gab es gestern Abend viele lange Gesichter. Dabei hatte der Tag so fröhlich begonnen. Mehr als 150 Besucher strömten auf das Gelände an der Schulstraße, um das Spiel zwischen Deutschland und Südkorea auf der neu installierten Videowand zu gucken. Herbert Vormdohre und Wolfgang Nürnberg, die bereits die ersten beiden Vorrundenspiele zum Public Viewing genutzt hatten, schnappten sich Bank samt Tisch und postierten sich in vorderster Reihe. Sie waren guter Dinge, trotz der bisher mäßigen Leistungen der Nationalelf. „In der K.o.-Phase ist alles möglich“, meinte Herbert Vormdohre.

Große Zuversicht herrschte vor dem Anstoß auch bei Michael Niemeyer, der mit Tochter Denise und Kumpel Christian Schmidt zum Fußballgucken gekommen war: „3:0 für Deutschland“, tippte der Familienvater und verriet mit einem Blick auf sein rotes Armband auch gleich, woher die Zuversicht kam: „Ich bin Köln-Fan. Irgendwann muss mal was klappen.“

Bis zum Anstoß hatte das Trio noch ausreichend Zeit, um sich ein Kaltgetränk zu gönnen. Erfrischungen waren nämlich nicht nur beim Spielort in Russland gefragt, sondern auch auf dem Sportplatz in Drebber, wo die Sonne mit aller Macht auf die Menge schien. Bei herrlichem Sommerwetter kam Picknick-Stimmung auf. Viele Familien breiteten Decken auf dem Rasen aus. Da schlossen sich Angela und Michael Fohring mit ihren Kindern Lennard und Marielle gerne an. Sie hatten die letzten Spiele am heimischen Bildschirm verfolgt und sich nun für das Rudelgucken in der Menge entschieden.

„Alleine zuhause sitzen, macht keinen Spaß. Die Atmosphäre hier ist ganz anders“, stellte Hans-Jürgen Weispfenning fest, der es sich einige Meter entfernt mit einem mitgebrachten Gartenstuhl bequem gemacht hatte. Wenn der TSV Drebber ein Angebot zum gemeinsamen Fußballgucken biete, könne man das auch nutzen. „Schöne Idee“, meinte Weispfenning.

Solche Worte hörten die Vereinsvertreter um ihren Vorsitzenden Heinfried Maschmeyer natürlich gerne. Sie hatten in den vergangenen Tagen viele positive Rückmeldungen bekommen. Auch gestern Nachmittag hielt die LED-Technik, was ihr Hersteller versprochen hatte. Trotz starker Sonneneinstrahlung war das Bild perfekt. Nur mit der Internetverbindung gab es Probleme. Als die Übertragung in der 28. Spielminute plötzlich ausfiel, nahmen es die Zuschauer mit Humor. Ralf Grabowski holte sein Smartphone aus der Tasche und klickte kurzerhand auf die Internetseite des Fernsehsenders.

Sinnbildlich für die Leistung der Nationalelf war wohl der Bildausfall kurz vor Spielende, als die Mannschaft in Rückstand geriet. Das Tor bekam das Publikum in Drebber zunächst gar nicht zu sehen. Aber der Ton über die Lautsprecher ließ Schlimmes erahnen. Als dann noch das zweite Gegentor fiel, war die Hoffnung gestorben. Einige Zuschauer packten schon vor dem Abpfiff ihre Sachen und schlichen vom Platz.

„Wartet, das Blatt dreht sich noch. Wir haben noch vier Minuten“, meinte Stefan Flemer-Rensmeyer ironisch, aber zum Lachen war auch ihm nicht mehr zumute. „Wir sind Weltmeister – gewesen“, resümierte der Drebberaner. Aufmunternde Worte gab es von Andreas Krautwurst, der nach einem kurzen Moment der Enttäuschung den Blick nach vorne richtete: „In zwei Jahren ist Europameisterschaft.“

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