Kulturen kennenlernen

Camp für Kinder aus verschiedenen Ländern beim Zirkus Barbarella

Diese Mädchen haben sich im Kinderkulturcamp für die Gruppe „Theater“ mit Carola (rechts) und Eva (4. von rechts) entschieden. Camp-Leiterin Isabell Gerken (2. von links) freut sich über erste Erfolge im Hinblick auf das Abschlussfest am Freitag.

Barnstorf - Von Simone Brauns-Bömermann. Wie die Welt ganz praktisch durch die Menschen zusammenrückt, das zeigt ein Besuch im Kinderkulturcamp in Barnstorf. Es trägt den Titel „Eine Reise um die Welt – Sprachen und Kulturen im Zirkus“, Sein Ziel: die deutsche Sprache im Spiel mit Spaß zu vertiefen.

Weiteres Ziel des Projektes des Welthauses Barnstorf ist das Kennenlernen der unterschiedlichen Kulturen und damit ein einvernehmliches Miteinander und gegenseitige Toleranz. Die Kinder zwischen sieben bis zwölf Jahren leben das vor.

„Wir arbeiten mit 28 Kindern mit Fluchterfahrungen im Kindercamp über 14 Tage“, erläutert Isabell Gerken, Erzieherin aus Eydelstedt und Leiterin des Projektes. Die Kinder wohnen in Barnstorf, Eydelstedt, Drentwede, Rehden, Twistringen und Syke.

Aus Syke reist jeden Morgen Isabells Mitstreiterin Carola per Bahn an und bringt die dort wohnenden Kinder mit dem Zug mit. „Ich bin quasi auf Heimaturlaub“, so Carola, denn sie lebt inzwischen in Helsinki und ist dort Erzieherin in einem deutschen Kindergarten. „Ich mache das freiwillig in meinem Urlaub“.

Sie leitet mit Kollegin Eva die Theatergruppe des Kinderkulturcamps. Die anderen Camp-Teilnehmer werden von den insgesamt acht Erziehern, Zirkus- und Theaterpädagogen, aus ihren Wohnorten nach Barnstorf gefahren.

Einige Kinder wiederholt dabei

„Wir hatten eine Warteliste, aber um vernünftig mit den Kindern arbeiten zu können, mussten wir bei 28 Stopp sagen“, so Isabell. Einige der Kinder sind zum wiederholten Mal dabei.

Bei Nina, Clara, Isabell, Floyd, Beate, Eva, Lena und Carola erlernen sie spielerisch Jonglage, Balancedisziplinen und Theaterspiel. Die betreuenden Fachkräfte kommen aus Hannover, Bremen, Koblenz, Bremen, Göttingen und Helsinki.

Die Wiese am Welthaus leuchtet bunt mit den Zirkuswagen und dem Zelt des Zirkus Barbarella. Lautes Kinderlachen schallt herüber. Und als die erste Zwischenmahlzeit anrollt, ist der Run auf das frische Obst groß: Frische Luft und gemeinsames Spiel, wenn auch in unterschiedlichen Sprachen, bereits erlerntem Deutsch und zur Not auch mit Gebärden, macht hungrig.

Gemeinsames Essen gehört genauso zu dem gut strukturierten Tagesplan. Der hängt an einer Stellwand im Welthaus und sieht Frühstück, Morgenkreis, Zirkus, Mittagessen, Zirkus und Abschlusskreis vor. Ein Blick in die Küche zeigt Erika Plümer und Kollegin Ferial geschäftig mit zwei Müttern, alle sind zuständig für die Mahlzeiten. „Das Essen ist einfach, gesund und wir kochen halal („nach islamischem Glauben erlaubt“) gemeinsam“, sagt Erika, die freut sich über die gemeinsamen Pausen mit den Menschen aus aller Welt. „Über das Kochen lernt man auch die Sprache“, ist ihr Fazit.

Erfahrene helfen Neuankömmlingen

Ähnlich funktioniert das in den Gruppen: Die Erfahrenen helfen den Neuankömmlingen. Dazu gehören Namens- und Kennenlernspiele, Basteln oder einfach in den Pausen gemeinsam chillen.

Draußen im Zirkuszelt schleppen die Kinder der Gruppe „Jonglage“ große Koffer mit Utensilien wie Bälle, Pois (Tücher an Bändern), Jonglierteller und Diabolos herbei. Ayo hat philippinisch-deutsche Wurzeln, lebte in Nigeria, spricht fließend Englisch und sagt: „English is my first language“, darunter mischen sich deutsche Wörter und zwei Akzente. Er spielt als Beispiel der enger werdenden Welt weiter.

In der Zirkushalle heißt es Staunen: Bei Beate und Lenas „Balance“-Gruppe balancieren Widat, Mounir, Mohammad, Yasin und Mustafa auf den großen Bällen, werfen sich kleine Bälle zu. Mohammad springt seit zwei Tagen Seil auf dem Ball und Fatma ruft: „Ich traue mich jetzt auch auf den Ball, wer sichert mich?“. Schnell eilen mehr als einer zur Hilfestellung.

Rund 50 Kinder am Freitag dabei

In dieser Woche gesellen sich weitere 20 Kinder zum Kindercamp. Sie sind über das Lokale Bündnis für Familie in Barnstorf angemeldet, das mit dem Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen (VNB) und dem Zirkusprojekt des Vereins ganzheitliche Bildung (VGB) kooperiert. Am Freitag, 13. Juli, endet das Kinderkulturcamp mit rund 50 Kindern mit einer großen Zirkusvorstellung für alle. 

Die öffentliche Vorstellung beginnt im Zirkuszelt um 12.30 Uhr (nicht um 12 Uhr, wie im Programm angekündigt). Das Kulturcamp als Projekt des Welthauses Barnstorf ist kostenlos und von der Bundesarbeitsgemeinschaft „Zirkuspädagogik – Zirkus gestaltet Vielfalt“ gefördert. Die ist Programmpartner für „Kultur macht stark“ – Bündnisse für Bildung - des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Am 23. Juli bis 3. August ist dann das Jugendcamp.

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