„Kühnert steht für die Erneuerung der SPD“

Stuhrer Juso-Vorsitzende über Bundespolitik und Ziele vor Ort

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Stuhrs Juso-Vorsitzender Djego Finkenstedt vor der KGS Moordeich, seiner früheren Schule. Das Bild entstand pünktlich mit dem Gong zur Fünf-Minuten-Pause.

Stuhr - Pleite bei der Weltmeisterschaft und historisches Tief für die SPD bei der Sonntagsfrage: Es war keine schöne Woche für den Handballfan und Vorsitzenden der Stuhrer Juso-AG, Djego Finkenstedt.

Im Gespräch mit dieser Zeitung erzählt er, dass er mit dem SPD-Ergebnis auch Hoffnungen verbindet und warum die Gründung der Juso-AG vor einem Jahr erfolgreich war. Mit dem 20-jährigen Student der Politik- und Wirtschaftswissenschaften sprach Redakteur Andreas Hapke.

Herr Finkenstedt, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre, käme die SPD auf 19 Prozent. Das ist doch ein Schlag ins Kontor.

Djego Finkenstedt: Als Sozialdemokrat bin ich natürlich nicht gut gelaunt. Als Juso sehe ich das aber ambivalent. Die Wähler haben das Sondierungsprogramm und die Marschrichtung der Partei insgesamt abgestraft. Ich verbinde mit den 19 Prozent die Hoffnung, dass die Parteispitze die Koalitionsverhandlungen erfolgreich beendet. Sprich: dass es keine Große Koalition gibt.

Bei der Gründung der Juso-AG vor knapp einem Jahr sagte ihr Kollege Dennis True noch, dass sich die Gruppe „momentan mit dem Martin-Schulz-Effekt auf einer Welle der Euphorie“ befindet. Davon kann wohl nicht mehr die Rede sein.

Das stimmt. Vielleicht sollten wir uns in einem Jahr nochmal treffen.

Woher will die SPD denn bis dahin ihre Zuversicht nehmen?

Die größte Inspiration ist zurzeit natürlich Kevin (Kühnert, Bundesvorsitzender der Jusos, die Red.). Auf ihm beruhen meine Hoffnungen, und zwar dahingehend, dass er inhaltlich einen anderen Weg einschlägt als Andrea Nahles. Vor 15 Jahren hätte sie auch keiner Groko zugestimmt. Kühnert steht für die dringend notwendige Erneuerung der Partei.

Darf man denn einen 28-Jährigen wirklich zum Hoffnungsträger einer Volkspartei machen?

Sein Alter spielt eine untergeordnete Rolle. Es ärgert mich sogar, dass er in Talkrunden bei jeder dritten Antwort auf seine 28 Jahre reduziert wird. Sein Alter steht in keinerlei Zusammenhang mit seinen Kompetenzen in der Politik. Kühnert steht für den inhaltlichen Aufbruch.

Lassen Sie uns über die Jusos in Stuhr sprechen. Wie fällt Ihre Bilanz knapp ein Jahr nach der Gründung aus?

Sehr gut. Wir sind jetzt 16 Leute, das heißt wir haben seit der Gründung die Zahl unserer aktiven Mitglieder verdoppelt, jeder bringt seine Ideen ein. Das war unser vorrangiges Ziel. Durch diese Manpower haben wir in mehreren Klausurtagungen unser Programm 2018 geschrieben, das wir in etwa zwei Wochen vorstellen wollen und unsere Ziele in den kommenden vier Jahren beschreibt. Da steht inhaltlich eine Menge drin.

Muss man das als Sozialdemokrat heutzutage betonen?

Ja, das muss man (lacht).

Können Sie uns schon etwas aus dem Programm verraten?

Kurzfristig wollen wir den Ausbau des öffentlichen Wlan-Netzes unter dem Namen „StuhrConnect“ erreichen. Der entsprechende Antrag, den die SPD-Fraktion kürzlich über die Vorsitzende Susanne Cohrs eingereicht hat, stammt 1:1 aus unserer Feder. „StuhrConnect“ steht exemplarisch für unsere visionäre Politik.

Was wäre denn ein langfristiges Ziel?

Wir würden gerne die Lage der Erzieherinnen und Erzieher in den Kitas der Gemeinde verbessern. Die wünschen sich mehr Flexibilität, viele sind überlastet. Das wissen wir über eine Frau aus unseren Reihen, die ihre Kinder in Stuhr in der Betreuung hat. Das liegt daran, dass hier und da Personal fehlt. Deshalb können wir uns für angehende Erzieher eine Ausbildungsvergütung vorstellen, die daran gekoppelt ist, dass sich diese Fachkräfte anschließend für einen gewissen Zeitraum an die Gemeinde binden. Langfristig streben wir auch eine CO2-neutrale Gemeinde an. Es gibt hier Firmen, die ihre Beiträge leisten könnten. Insgesamt haben wir ein selbstbewusstes Programm auf die Beine gestellt, basierend auf den Fähigkeiten Stuhrs.

Wie schaffen es diese Vorhaben in den Gemeinderat?

Die Zusammenarbeit mit der Fraktion klappt gut, wie das Beispiel „StuhrConnect“ zeigt. Unser Juso und Ratsherr Dennis True ist in seiner Funktion als Bindeglied natürlich unverzichtbar. Außerdem stellen wir 40, 50 Prozent der Mitglieder im Vorstand des Ortsverbands.

Nun hat sich kürzlich auch die Junge Union in Stuhr gegründet. Gibt es Kontakte?

Ja, wir waren bei der Gründungsversammlung. Es gibt sogar Termine für gemeinsame Tagungen. Überschneidungen sind etwa beim Thema ÖPNV/Mobilität vorhanden. Nachtfahrten für Jugendliche stehen bei ihnen und bei uns hoch im Kurs.

Wie sieht Ihre persönliche politische Perspektive aus?

Dazu mache ich mir keine Gedanken. Ich möchte hier die Jusos voranbringen. Das ist mir eine Herzensangelegenheit. Parallel streben wir den einen oder anderen Posten im Unterbezirksvorstand an. Wir alle bleiben den Stuhrer Jusos noch lange erhalten.

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