Krebsberatungsstelle braucht neue Geldgeber/Rund 200 Klienten im Jahr

Wer hilft den Helfern?

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Hoffen auf Unterstützung: (v.l.) Andrea von Legat, Birgit Wilkening, Jennifer Hamade und Wilfried Heitmann.

Barnstorf - Von Anke Seidel. Es ist eine Diagnose, die das Leben in seinen Grundfesten erschüttert: Krebs. Immer wieder werden Menschen mit diesem Schicksal konfrontiert, immer wieder brauchen sie Begleitung, Entlastung und Zuversicht. Genau diese Aufgabe übernehmen die Mitarbeiterinnen der Krebsberatungsstelle unter dem Dach von „Igel“, der Interessgemeinschaft für gesundes Leben in Barnstorf. Neue Leiterin dieser Beratungsstelle ist Andrea van Legat. Doch die Freude über diese personelle Verstärkung überschatten große finanzielle Sorgen.

Noch finanziert die Deutsche Krebshilfe den größten Teil der Kosten – doch sie hat angekündigt, diese Förderung zum Ende des Jahres einzustellen. Der Landkreis Diepholz zahlt schon seit mehreren Jahren zehn Prozent der Kosten für die Beratungsstelle, die rund 200 Betroffene jährlich in Anspruch nehmen.

Erst seit kurzem ist das Team in der Beratungsstelle wieder komplett. „Die Stelle hat eher mich gefunden“, schmunzelt Andrea von Legat. Die 58-jährige Bremerin hatte sich auf Anraten ihrer Tochter um die Leitung beworben. Sie selbst hatte nicht daran geglaubt, in ihrem Alter noch einmal eine solche berufliche Chance zu bekommen. „Der Igel hat mich sofort angesprochen“, schmunzelt die Psychologin, die Arbeit habe sie beeindruckt.

An einer Klinik in Bremerhaven hat sie etliche Jahre auf einer Onkologie- sowie einer Palliativ-Station gearbeitet – und kennt die Situation von Krebskranken und ihren Familienangehörigen genau. „Diese Arbeit wird sehr dankbar angenommen“, sagt Andrea van Legat – zumal viel zu oft zu den existenziellen gesundheitlichen Probleme noch finanzielle kämen.

Andrea von Legat ist Mutter von sechs Kindern. „Fünf davon durfte ich großziehen...“ Genau daraus erklärt sich ihr großes und langjähriges Engagement für verwaiste Eltern. „Wenn das eigene Kind stirbt, dann ist das etwas ganz Furchtbares“, betont die neue Leiterin der Krebsberatungsstelle, die viel Erfahrung mit Trauer, Trauerbegleitung und Krisenintervention hat.

Enorme Ängste müssen viel zu oft die Kinder ertragen, deren Vater oder Mutter an Krebs erkrankt ist. Das weiß die Psychologin Jennifer Hamade aus Erfahrung. Sie betreut über das Projekt „Familien stärken“ betroffene Jungen und Mädchen. Genauso wie Andrea von Legat läuft ihr Vertrag am Ende des Jahres aus. Beide hoffen, ihre Arbeit in Barnstorf trotzdem fortsetzen zu können. „Die Krankenkassen sparen durch uns viel Geld!“, betont Jennifer Hamade. Denn eine Psychotherapie sei um ein Vielfaches teurer als die Hilfe durch die Mitarbeiter der Krebsberatungsstelle. Zu ihnen gehören ebenso Martina Siebenmorgen, die ganz praktisch mit Patienten arbeitet, und Birgit Wilkening, die sich um Finanzen, Formelles und Antragsberatungen kümmert. „Wir haben im Landkreis eine gute Vernetzung“, sagt Birgit Wilkening – und verweist auf das interdisziplinäre onkologische Netzwerk. Ärzte würden Patienten an die Krebsberatungsstelle verweisen, der Palliativstützpunkt in Sulingen dessen Angebote nutzen. Denn Andrea von Legat und Jennifer Hamade machen auch Hausbesuche.

Deshalb hofft Wilfried Heitmann als Vorsitzender des Trägervereins „Igel“, für die Krebsberatungsstelle neue Geldgeber zu finden. Denn die Arbeit dieser Einrichtung sei unverzichtbar für die Menschen im Landkreis Diepholz, betont der ehemalige Kreistagsabgeordnete und Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses mit Blick auf die Strukturen – und zollt den Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle große Anerkennung für ihr Engagement. Weil genau das für Krebskranke elementar ist, will er Gespräche mit möglichen Finanzierungspartnern führen.

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