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Ökumenische Andacht in Barnstorf: Kraft tanken mit biblischen Texten

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Von: Janin Meyer

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Lädt zur „Auszeit vom Alltag“ ein: Christiane Roth in der katholischen Kirche St. Barbara-und-Hedwig.
Lädt zur „Auszeit vom Alltag“ ein: Christiane Roth in der katholischen Kirche St. Barbara-und-Hedwig. © Meyer

Seit 2016 bietet Christiane Roth eine ökumenische Andacht unter dem Titel „Auszeit vom Alltag“ in Barnstorf an – als eine Alternative zum klassischen Gottesdienst.

Barnstorf – Am Ende sollen sich die Menschen gestärkt fühlen. Das ist zumindest der Wunsch von Christiane Roth. Einmal im Monat bietet sie in der katholischen Kirchengemeinde St. Barbara-und-Hedwig in Barnstorf eine besondere Andacht an: die „Auszeit vom Alltag“. Am kommenden Donnerstag, 30. Juni, steht dieses Angebot unter dem Leitwort „Hier bin ich!“.

„Das waren die Worte, die Abraham in der Geschichte um Isaak und Abraham zu Gott sprach“, erzählt Christiane Roth. Für jede „Auszeit vom Alltag“ sucht sie einen biblischen Text heraus, den sie in der Runde der Teilnehmer genauer beleuchtet. Wegweisend ist dabei das sogenannte Messbuch, in dem die Leseordnung der katholischen Kirche die biblischen Textstellen für jeden einzelnen Tag im Jahr festlegt.

„Ich lese den entsprechenden Text, der für unsere Andacht in Frage kommt, in Ruhe für mich und meditiere anschließend darüber“, erläutert Christiane Roth. Dabei stelle sich nach und nach heraus, welche Sätze oder Textpassagen für sie besonders wichtig sind. „Mit denen beschäftige ich mich thematisch näher. Oft bin ich erstaunt, was mir dazu noch einfällt und wie viel ich eigentlich weiß“, sagt sie.

Bei der „Auszeit vom Alltag“ ist Christiane Roth etwas freier in der Gestaltung als bei einem standardmäßigen Gottesdienst. So dürfen auch Beispiele aus dem Alltag einfließen, es gibt kein Abendmahl, und Christiane Roth ist sehr frei in der Auswahl der Lieder, Fürbitten und Gebete. „Ich kann auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mehr einbinden und kreative sowie interaktive Elemente einbauen“, sagt sie.

Die „Wortgottesdienstleiterin“ hat allerdings in der Vergangenheit festgestellt, dass den Menschen vermehrt der Sinn nach Stille steht. „In unserer Gesellschaft besteht ein großer Hunger nach Ruhe“, sagt Christiane Roth. „Die Menschen möchten sich festmachen und finden sich vermehrt in der Spiritualität wieder“, erklärt sie. „Hier sein, gemeinsam Singen, die Kerzen und die ganze Atmos-phäre sind genug“, vermutet Christiane Roth.

Den Namen „Wortgottesdienstleiterin“ darf sie tragen, weil sie eigens für die Gestaltung der Andacht eine Fortbildung genossen hat. „Für Frauen war es lange Zeit nicht sonderlich einfach, eine gewisse Stellung in der katholischen Kirche zu erhalten“, meint die Eydelstedterin. „Ich fühlte mich besonders wertgeschätzt, weil man mir diese Möglichkeit gab“, fügt sie hinzu.

Zustande gekommen ist die „Auszeit vom Alltag“ 2016. Der damalige Pfarrer, Michael Lier, habe ihr Potenzial erkannt, gut mit Menschen kommunizieren zu können. „Wir haben uns dann darüber unterhalten, was man für die Menschen in der Gemeinde abseits des strengen sonntäglichen Gottesdienstes noch anbieten kann“, erinnert sich Christiane Roth. Heraus kam die „Auszeit vom Alltag“, die seitdem einmal monatlich stattfindet. Normalerweise am dritten Donnerstag im Monat, dieses Mal eine Woche später. Eine Anmeldung ist nicht nötig, ein Mund-Nasen-Schutz erwünscht.

„Außerhalb von Corona sitzen wir gemeinsam im Altarraum. Aktuell achten wir auf etwas mehr Abstand“, erzählt Christiane Roth aus dem Ablauf. Neben Texten aus dem Alten und dem Neuen Testament stehen Singen und gemeinsame Gebete auf dem Plan. Auch den Segen empfangen die Teilnehmer. Jedes Mal ist der Altarraum passend zum jeweiligen Thema geschmückt, und es gibt zum Abschluss ein kleines Geschenk für jeden. Bei der „Auszeit“ am kommenden Donnerstag möchte Christiane Roth vor allem über die Haltung Abrahams gegenüber Gott sprechen. „Eine gottergebene Annahme ist heute nicht mehr gesellschaftsfähig. Und das ist vermutlich auch gut so“, sagt sie. Abrahams Verhalten in der biblischen Geschichte drücke vollkommenes Vertrauen in Gott aus.

„Für mich ist es jedes Mal eine Bereicherung, mich auf die ,Auszeit‘ vorzubereiten“, sagt Christiane Roth. „So beschäftige ich mich ausgiebig mit den Texten und bekomme einen noch tieferen Zugang zu ihnen“, meint sie. Dem ökumenischen Angebot folgen seit 2016 vor allem Frauen. Der Zuspruch sei immer unterschiedlich groß. „Guten Zulauf haben wir auch vonseiten der evangelischen Gemeindemitglieder“, sagt Christiane Roth.

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