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Mobilität auf dem Land: Kleine Dörfer ohne Auto abgehängt

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Von: Simone Brauns-Bömermann

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Mehrere Schautafeln informierten über das Ergebnis der Umfrage zum Thema Mobilität. Foto: Brauns-Bömermann
Mehrere Schautafeln informierten über das Ergebnis der Umfrage zum Thema Mobilität. © Brauns-Bömermann

Barnstorf - Von Simone Brauns-bömermann. Geht es nach den Ideen der 134 befragten Einwohner von Barnstorf und Eydelstedt zur Mobilität, fahren demnächst ein Gemeinde-Mobil oder der mobile Einkaufswagen umher, um Infrastrukturlücken zu schließen. Das Projekt „Gemeinsam stark“ der Gemeinwesenarbeit Barnstorf der Diakonie stellte die Ergebnisse der Befragung in einer Ausstellung vor, erweiterte den Abend zur Ideenbewertung und teilte mit, dass aus den Ergebnissen konkrete Projekte werden könnten, wenn die Förderung des Projektes durch das Land verlängert wird.

In die Ausstellung mit Schautafeln zu den erhobenen Daten aus der Befragung mit konkreten Antwortbeispielen und ersten Ideen führte Ann-Christin Leymann vom Diakonischen Werk Diepholz-Syke-Hoya ein. Sie begrüßte als Vertreter der Kooperationspartner aus dem Igel im Mehrgenerationenhaus (MGH) Christine Trenkamp und Petra Mallwitz-Sainio, Karin Dalley (Samtgemeinde Barnstorf) und Doreen Hodde (Studentin der Sozialen Arbeit).

„Wir sind seit November der Frage auf der Spur: Wie können die Bewohner von Barnstorf am Leben im Ort besser teilhaben im Kontext demografischer Wandel und ländlicher Raum“, erklärte Leymann. Das Team hatte abgefragt, wie viel Prozent der Bürger Auto fahren, was ihnen zur Mobilität in der Samtgemeinde Barnstorf auffällt, was fehlt und was gefällt.

Mobilität auf dem Land: Rund 75 Prozent nutzen das Auto

Das Ergebnis: Rund 75 Prozent fahren selbst Auto. Zur Art der Mobilität gaben 40 Prozent an, vorwiegend das Auto zu nutzen, 21 Prozent kombinieren Auto und Fahrrad, 16 Prozent nutzen im Wesentliche das Fahrrad und neun Prozent sind zu Fuß unterwegs.

Zum Thema Mobilität und diesbezüglichen Sorgen und Ängsten gab es in den befragten Altersgruppen von 16 bis über 80 Jahren zum Teil Übereinstimmungen. Eine beispielhafte Aussage: „Kleine Dörfer außerhalb sind ohne eigenes Auto abgehängt, der Busverkehr ist unzureichend, und die Bürger sind aufs Auto angewiesen.“ Die Meinungen aus der Peripherie fielen durchweg so aus, dass das Auto kaum verzichtbar sei, da die Mitgliedsgemeinden über den öffentlichen Nahverkehr nur unzureichend an den Flecken Barnstorf angebunden seien.

Nachdenklich stimmte die Aussage aus der Gruppe 80+: „Ich gehe mit meinem Sohn einkaufen, das muss aber schnell gehen. Plaudern geht dann auch nicht!“ Oder: „Ich habe Angst vor der Zeit, nicht mehr mobil zu sein.“ Und: „Ich würde aus Drebber wegziehen, wenn ich nicht mehr fahren kann.“

Mobilität auf dem Land: Schlechte Erreichbarkeit von Fachärzten im Fokus

Flankiert wurde die Mobilitäts- durch die Angebotsabfrage in der Samtgemeinde. Negativ fielen auf die fehlenden Verkehrsverbindungen, schlechte Fachärzte-Erreichbarkeit, rudimentäre Grundversorgung in den kleineren Mitgliedsgemeinden und wenig attraktive Angebote für Jugendliche.

Die Barnstorfer lobten ihren Ort mehr, als sie ihn kritisierten: Sportangebot (Freibad, Fitness), Institutionen (BUEZ, MGH, Welthaus), Nahversorgung im Flecken, öffentliche Veranstaltungen (Weihnachtsmarkt, Ballonfahrer-Festival, Huntezauber), Angebote für Kinder, medizinische Versorgung, persönliches Umfeld, Natur erleben und Vereinsleben schnitten positiv ab. Und die Bürger fühlen sich relativ sicher in ihrem Umfeld.

Bunte Zustimmungs-Sticker fanden die Ideen des „Gemeinde-Mobils“ für Fahrten zum Arzt, vielseitig einsetzbar in Verbindung mit der Idee eines „Mobilen Einkaufswagens“, ein behindertengerechtes Fahrzeug mit Begleitperson, das die Menschen an der Haustür abholt, zum Einkaufen fährt und dort Hilfe anbietet. Die Idee basiert auf einer Aktionsgruppe von ehrenamtlichen Fahrern und Begleitern. Im Supermarkt soll nach dem Einkauf genug Zeit sein, um einen Kaffee zu trinken und zu plaudern.

Das nächste Treffen der Aktionsgruppe ist für Donnerstag, 19. März, im Mehrgenerationenhaus geplant. Die Uhrzeit wird noch bekannt gegeben.

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