Ex-Barnstorfer im Interview

Klaus Grewe: Gefragter Ratgeber bei großen Bauprojekten

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Klaus Grewe im Telefon-Interview mit dem „Morgenmagazin“.

Barnstorf - Das Projekt „Stuttgart 21“ rückt wieder in die Schlagzeilen. Die Fertigstellung des neuen und heiß umkämpften Bahnhofs war für 2021 geplant. Nun scheint eine Eröffnung erst im Jahr 2024 realistisch. Unterdessen explodieren die Baukosten, die ursprünglich mit 2,5 Milliarden Euro veranschlagt worden sind und nun auf 7,6 Milliarden Euro steigen sollen. Keine Ausnahme bei deutschen Großprojekten, wie der Berliner Flughafen und die Hamburger Elbphilharmonie zeigen.

Dass es auch anders geht, haben die Vorbereitungen für die Olympischen Spiele im Jahr 2012 in London gezeigt. Dort wurden die geplanten Bauzeiten und Kosten sogar unterschritten. An der Koordinierung der Sportstätten maßgeblich beteiligt war der Ex-Barnstorfer Klaus Grewe. Der renommierte Projektmanager, der mit seiner Familie seit einigen Jahren in England lebt, gab am Donnerstag ein Interview im „Morgenmagazin“ von ARD und ZDF.

„Deutschland hat vergessen, am Anfang viel Aufwand zu treiben“, kommentierte Grewe die Versäumnisse bei Großprojekten wie in Stuttgart. Anstatt eine intensive Kostenermittlung mit viel Personal zu betreiben, würden die Verantwortlichen davon ausgehen, dass wenige Monate oder Jahre ausreichten, um die Vorhaben zu kalkulieren. Sie wollten wenig Geld in die Planung stecken und schnell mit den Arbeiten beginnen. Später würden sie dann von dem Bauwerk „überrollt“.

Hoffnung auf ein Umdenken

Der ehemalige Barnstorfer, der vom Bundesverkehrsministerium in eine Reformkommission für den Bau von Großprojekten berufen wurde, machte aber auch Hoffnung auf ein Umdenken. Die Kommission habe bereits entschieden, „dass erst Planen und dann Bauen wichtig ist.“ Mögliche Risiken im Projektverlauf müssten einkalkuliert werden. Entsprechende Beschlüsse seien gefasst und sollten bei neuen Vorhaben umgesetzt werden. Bei bereits laufenden Projekten sei diese Verfahrensweise jedoch schwierig.

Auf die Frage von Moderator Sven Lorig, ob Deutschland durch die verfehlten Großprojekte möglicherweise ein Imageschaden entstehe, nickte Grewe mit dem Kopf. Beim aktuellen Neubau des Flughafens in Mexiko City, den er im Auftrag der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) begleite, sei er nach dem Flughafen Berlin-Brandenburg gefragt worden. „Sie wollen von Deutschland lernen, wie man es nicht macht“, sagte der Bauexperte.

sp

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