Klassenarbeit auf der Bühne

Darstellendes Spiel feiert Premiere in der Christian-Hülsmeyer-Schule

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Erste Anerkennung für die gelungene Aufführung: Studienrätin Birte Spatz verteilte Blumen an die jungen Darsteller. Die Zensuren für ihre Leistungen folgen noch.

Barnstorf - Von Sabine Nölker. Gelungene Premiere in der Christian-Hülsmeyer-Schule in Barnstorf: Im Rahmen des erstmalig angebotenen Unterrichtsfaches „Darstellendes Spiel“ präsentierten Zehntklässler des Gymnasialzweiges am Dienstagabend eine selbstständig erarbeitete Fassung des Theaterstücks „Die Physiker“ von Friedrich Dürrenmatt.

„Sie sind heute live bei der Klassenarbeit dabei“, erklärte Lehrerin Birte Spatz bei der Begrüßung des Publikums. Die mehr als 60 Zuschauer in der Aula sollten nämlich Zeuge einer Aufführung werden, die nicht nur der Unterhaltung diente, sondern auch in die Bewertung der Abschlussschüler einfließt. „Je mehr Applaus Sie am Ende spenden, desto besser fallen die Noten aus“, animierte die engagierte Fachlehrerin die Anwesenden.

Welche Verantwortung hat die Wissenschaft?

Die Klasse 10G der Oberschule hatte sich im Deutsch-Unterricht intensiv mit der berühmten Tragikomödie aus dem Jahr 1961 beschäftigt. Der Schweizer Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt hatte das Stück vor dem Hintergrund des Kalten Krieges und des Berliner Mauerbaus geschrieben. Es galt als Symbol für die damalige angespannte internationale Weltlage.

Titelfiguren sind bekanntlich drei Physiker, die als Patienten in einer privaten psychiatrischen Klinik leben. Einer von ihnen hat eine Entdeckung gemacht, die die Gefahr der Vernichtung der Welt in sich birgt und damit zur Grundfrage des Stücks nach der Verantwortung der Wissenschaft führt. Dürrenmatt verknüpft dieses Thema mit seiner Dramentheorie, nach der jede Geschichte, ausgelöst durch den Zufall, die schlimmstmögliche Wendung nehmen müsse.

Leon übernimmt gleich zwei Rollen

Diese Hintergründe spielten im Unterricht eine wichtige Rolle. Aber bei der Theorie sollte es nicht bleiben. Der siebenköpfige Kursus „Darstellendes Spiel“ nahm sich das Stück zur Brust. Gemeinsam mit ihrer Lehrerin überarbeiteten die Zehntklässler die Originalfassung, kürzten den Inhalt und bastelten daraus eine Aufführung von 30-minütiger Dauer.

Die Hauptrollen spielten Lea als Möbius, Hannan als Newton, Miriam als Einstein und Lena als Chefärztin Dr. Mathilde von Zahnd. Luca übernahm den Part von Schwester Monika, Janin betätigte sich als Inspektor. Der Siebte im Bunde, Leon, stellte gleich zweifach sein Können unter Beweis: Zunächst als Oberschwester Martha und dann als muskelbepackter Pfleger.

Besucher sahen ein tolles Bühnenbild

Zusätzlich hatte sich die Theatergruppe die Schüler Felix und Noah aus dem Musik-Kursus ausgeliehen, um zwei Kurzauftritte besetzen zu können. Die Helfer aus dem Nachbarkursus übernahmen auch die Bewirtung während des Aufführung, deren Erlös in die Abschlussfahrt der Zehntklässler in die Rhein-Metropole Köln fließen soll.

„Die spielpraktische Prüfung ist ein weiteres Druckmittel, das ich bei den Schülerinnen und Schülern anwenden konnte“, erklärte Lehrerin Spatz augenzwinkernd. Sie war ebenso gespannt auf die öffentliche Premiere wie die Zuschauer, zu denen vorwiegend Familienangehörige der Darsteller zählten.

Das tolle Bühnenbild, das den Salon eines Schweizer psychiatrischen Sanatoriums nachahmen sollte, weckte gleich zu Beginn das Interesse des Publikums. Ein Flügel, eine umgekippte Stehlampe, drei Türen mit der Aufschrift „Einstein“, „Möbius“ und „Newton“ sowie Tische und Sitzgelegenheiten vermittelten einen authentischen Eindruck der Handlung.

„Klasse Leistung“

Die gekürzte Fassung und die darstellerischen Leistungen erfuhren viele lobende Worte. „Das war schon richtig gut“, erklärte die Großmutter von Leon. Auch seine Mutter zeigte sich beeindruckt: „Wir kannten das Stück gar nicht und doch kam die Botschaft an.“ Leon selbst hatte es Spaß gemacht, vor Publikum auf der Bühne zu stehen. Er war der einzige männliche Darsteller in der Truppe, hatte als Hahn im Korb aber keine Probleme. Zufriedene Gesichter auch bei seinen Mitspielerinnen: „Die gemeinsame Arbeit mit der Gruppe war eine schöne Erfahrung“, urteilten Hannan und Lea unisono.

Das Schulterklopfen der Lehrerin war den Zehntklässlern gewiss: „Eine gute Leistung“, lobte Studienrätin Spatz am Ende nicht ohne Stolz. Dem konnte sich Schulleiter Ulrich Zieske nur anschließen. Er zeigte sich mit den Ergebnissen des neuen Schulangebotes sehr zufrieden: „Eine klasse Leistung von allen Beteiligten!“

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