130 Besucher aus unterschiedlichen Nationen bei Cross-Culture

Kennenlernen bei „Weltmusik aus Barnstorf“

Die Trommelgruppe Aiye Gba um Tom Brötje begeisterte alle Kulturen im Rathaus mit ihrer ganz besonderen Kraft. - Fotos: Brauns-Bömermann

Barnstorf - Von Simone Brauns-Bömermann. Viele der rund 130 Flüchtlinge, Einheimischen oder Fans von Weltmusik kannten sich vom Sehen aus Barnstorf, offiziellen Behördengängen, Flüchtlingspaten-Treffen oder aus Schule und Sprachkurs. Am Samstagabend zum Projekt „Cross Culture“ des Arbeitskreises „Willkommen in Barnstorf“ trafen sie sich zum gemeinsamen Musikhören, Essen und miteinander ins Gespräch kommen. Die zweite Auflage von „Cross Culture“ wurde ein voller Erfolg – mit randvollem Ratssaal und guter Laune.

So einfach kann Integration sein: Gemeinsam Musik hören, gemeinsam Essen und bei Wohlbefinden für den Magen, die Seele mit Musik berühren und Grenzen überwinden. Das wusste und nutzte bereits Erfolgssänger Vico Torriani, wenn der Schweizer Entertainer in seiner Unterhaltungssendung „Musik kennt keine Grenzen“ Tanz- und Gesangsgruppen aus aller Welt im Fernsehen Ende der 1970er Jahren präsentierte. Für den Abend in Barnstorf als Zeichen von Vielfalt und Unterschiedlichkeit gewannen die Organisatoren Klaus Schmelz und Evelyn Weiß Menschen aus und um Barnstorf für das musikalische Programm.

Cross Culture knüpfte damit direkt an die Premiere Anfang des Jahres an und gewann an interessierten Besuchern. „Wir präsentieren Weltmusik aus Barnstorf“, nannt es Klaus Schmelz in seinen Eröffnungsworten „handgemacht und authentisch“. Ihm zur Seite standen als Übersetzer Lou Rudolph für die englische Version und Issa Abdullah, der in die arabische Sprache übersetzte.

Gespräch am Rande von Cross Culture – auch mal mit Blicken, Gesten und Händen und Füßen.

Es wurde ein „Hutkonzert“ mit erbetenen Spenden nicht als Gage für die freiwilligen Künstler, sondern für die Unterstützung zur Finanzierung der Sprachkurse für die Flüchtlinge.

Die Songs und musikalischen Darbietungen hatten direkten Bezug zu Flucht, Heimweh, Auswanderung, Hoffnung, Neustart und Humanität. „Singen ist ihr Hobby“, sagt Maria Koop-Meyer, Schülerin aus Drebber. Sie machte mit ihren drei Popsongs „Colors of the wind“ aus Pocahontas, „High Hopes“ und „Human“ den Anfang und weitete die Herzen für den Rest des Konzertes. „Human“ war die Aufforderung, dass man alles schaffen und durchstehen kann.

Tom Brötje und seine Trommelgruppe Aiye Gba „rockte“ den Ratssaal mit afrikanischen Klängen aus Ghana und Nigeria. „Wir können und müssen von den multikulturellen Nationen lernen“, war seine Meinung. Aus den Augen der neuen Mitbürger ließ sich ablesen, dass auch sie verwundert waren, dass Deutsche in afrikanischer traditioneller Bekleidung tanzen, spielen und in der Musik der Ferne aufgehen. Und das Wippen und Klatschen des Publikums den Genuss der unbekannten Klänge damit bekunden.

Gespräch am Rande von Cross Culture – auch mal mit Blicken, Gesten und Händen und Füßen.

Gerald Lulja aus Albanien liebt den Titelsong aus dem Blockbuster „Titanic“ wie die Zuhörer und spielte ihn auf seiner Geige wie das legendäre „Halleluja“ von Leonard Cohen. Dies verband die unterschiedlichen Kulturen letztlich unweigerlich.

„Eine Ballade mit offenem Ende“ hatten vielleicht viele der anwesenden Flüchtlinge erlebt, wie Regine Springorum das gleichnamige Gedicht einer Freundin spontan vorlas. „Meine Freundin machte Urlaub auf Lesbos während der großen Flüchtlingswelle“, erzählt sie zur Entstehung. Und so sei die Ballade über Angst, Flucht übers Meer, das Bezwingen der Schicksale und die unendliche Hilfsbereitschaft der Menschen auf Lesbos im Nachgang eines Touristenurlaubs entstanden. Das Gedicht der Freundin sollte auf jeden Fall ins Arabische übersetzt werden, die Wirkung ist ähnlich dem „Schimmelreiter“ von Theodor Storm.

„Wir springen von Genre zu Genre“, lautete die Überleitung von Schmelz zu Evelyn Weiß´ Musikbeiträgen mit Eirick Klauke an der Gitarre und Tom Brötje an der Trommel. Auch bei ihr waren die Bezüge, dass Liebe besser als Ablehnung ist und Hurra, wie von Sänger Bosse besungen, das Leben positiv verändern kann.

Arabisches Hören und Erfühlen boten Issa Abdullah und Omar al Mashdany von populär bis gefühlvoll zu Leben und Heimweh. Hier wäre eine Übersetzung aus dem Arabischen ins Deutsche zum Verständnis der Inhalte vielleicht eine Projektidee, die Musik sprach aber für sich.

Rüdiger Fäth stellte kurz die Idee „Barnstorf hilft“ der evangelischen Kirche vor. Die Aktion hat zur Idee, Instrumente zu sammeln, um eine Musikgruppe aus Flüchtlingen und Einheimischen zu gründen.

Das Buffet mit Speisen aus vielen Nationen lud in der Pause zu netten Gesprächen, Übersetzungen, Auflösungen von Berührungsängsten ein. Die Fotoausstellung im Foyer von Fotograf Moritz Küstner aus Hannover zum Projekt „Hoch hinaus“ des Sprachcamps aus dem Welthaus lud zum Reflektieren ein.

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