Tennet stellt aktuelle Pläne zur 380-kV-Leitung vor

Keine Erdverkabelung zwischen Rüssen und Aldorf ?

Referentin Inga Wilken (r.) zeigte dem Ehepaar Rethwisch aus Düste die Standorte der einzelnen Strommasten auf.

Barnstorf - Von Thomas Speckmann. Die Einwohner aus Aldorf reagierten alles andere als begeistert, als sie die überarbeiteten Pläne für die 380-kV-Leitung zwischen Ganderkesee und Sankt Hülfe sahen.

Sie waren bisher davon ausgegangen, dass die Höchstspannungsleitung in ihrer Ortschaft unter der Erde verlegt wird. Doch davon war plötzlich nichts mehr zu sehen, als die Bürger in dieser Woche einen Blick auf den aktuellen Trassenverlauf warfen, der bei zwei Informationsveranstaltungen im Barnstorfer Rathaus vorgestellt wurde.

Als die Firma Tennet vor einigen Jahren zu Gast in Barnstorf war und ihre Pläne für das umstrittene Projekt vorstellte, konnten die Bürger noch einen Blick auf ein kleines, massives Muster eines Erdkabels werfen. Davon war in dieser Woche nichts mehr zu sehen, weder in den Ausstellungsvitrinen noch auf den Kartierungen für die Samtgemeinde Barnstorf. Eine Erdverkabelung soll es hier im Gegensatz zu anderen Bereichen der gut 60 Kilometer langen Trasse nicht mehr geben.

Freileitung statt Erdkabel

Nachdem das Bundesverwaltungsgericht im April dieses Jahres mehrere Klagen von Trassengegnern abgewiesen und damit für Rechtssicherheit gesorgt hatte, nahm der Vorhabensträger des Netzausbauprojektes eine erneute Anpassung der Pläne vor. Die gravierendste Änderung gibt es dabei im Bauabschnitt 3: Der Verlauf der 5,6 Kilometer lange Strecke zwischen Rüssen und Aldorf entspricht zwar weitestgehend der Antragstrasse, doch hier ist nun Freileitung statt Erdkabel vorgesehen.

„In dem Bereich haben sich die Auslösekriterien des Wohnumfeldschutzes verändert“, erläuterte Inga Wilken, Referentin für Bürgerbeteiligung, am Mittwochabend im Gespräch mit unserer Zeitung. Eine Erdverkabelung wäre gesetzlich nicht mehr gerechtfertigt. Im Sinne des Gebots einer wirtschaftlich effizienten Leitungsplanung und unter Berücksichtigung des gesetzlichen Vorrangs der Freileitung vor Erdverkabelung werde Tennet nun den Bau einer Freileitung in Abschnitt 3 anstreben.

Sicherheitsabstände entscheidend

Doch was verbirgt sich hinter den veränderten Auslösekriterien des Wohnumfeldschutzes? Ganz entscheidend sind hier die vorgeschriebenen Sicherheitsabstände zur Wohnbebauung. Nach Informationen dieser Zeitung hat Tennet sein Kaufinteresse an mehreren Wohnhäusern nahe der geplanten Trasse bekundet, um es offenbar ganz bewusst der privaten Nutzung zu entziehen. Ergo: Wo keine Menschen leben, ist auch kein Schutz erforderlich. Mit dem Eigentümerwechsel wäre der Weg geebnet für die Freileitung.

In trockenen Tüchern ist die Änderung im Bauabschnitt 3 aber längst noch nicht. Laut Projektleiterin Mascha Braun ist ein erneutes Beteiligungsverfahren erforderlich. Hier können Bürger speziell für diesen Bereich ihre Stellungnahmen abgeben, die dann von der Genehmigungsbehörde abgewogen werden. Braun geht davon aus, dass der Antrag auf die Planänderung zum Ende des 1. Quartals 2018 gestellt wird. Das Verfahren werde etwa ein bis eineinhalb Jahre dauern.

Interessengemeinschaft verwundert

In der Interessengemeinschaft „Vorsicht Hochspannung“, die sich über Jahre für eine Erdverkabelung stark gemacht hat, herrscht Verwunderung über die nachträglich angestrebte Änderung. Sprecher Jürgen Hellmann fordert in diesem Zusammenhang eine erneute Prüfung der Trassenführung westlich von Barnstorf. „Damit würden viele Beeinträchtigungen vermieden werden“, so Hellmann.

Der Baustart für die Höchstspannungsleitung wird sich trotz des Verfahrens aber nicht verzögern. Noch in diesem Jahr soll im Bauabschnitt 4 zwischen Aldorf und Dickel bis den Arbeiten für die Freileitung begonnen werden, kündigte Referentin Wilken an. Die Maßnahmen würden dann schrittweise in Richtung Sankt Hülfe fortgeführt – ab Dickel in Form von Erdkabeln.

Grundstücksrechte müssen geklärt werden

Nach Abschluss der Informationsveranstaltungen will das Unternehmen auf die Grundstückseigentümer zugehen, die vom Trassenbau betroffen sind. In einigen Abschnitten seien Baugrunduntersuchungen für die Auswahl des Fundamentes erforderlich, erläuterte Wilken. Darüber hinaus müssten sämtliche Grundstücksrechte geklärt werden. Hier geht es auch um die Höhe der Entschädigung für die Nutzung des Privatbesitzes.

Welche Grundstücke betroffen sind, konnten die Bürger bei den Veranstaltungen im Rathaus erfahren. Auch die Eheleute Rethwisch aus Düste informierten sich über den Trassenverlauf und mögliche Eingriffe in die Landschaft. Einer der unzähligen Masten, die im Abstand von 350 bis 450 Metern errichtet werden, soll auf ihrem Feld stehen. Tennet-Vertreter Lars Holze-Lentas versicherte den Landwirten: „Was beschädigt wird, wird repariert!“

Laut Tennet soll die Stromtrasse zwischen den Umspannwerken Ganderkesee und Sankt Hülfe auf einer Länge von etwa 48 Kilometern als Freileitung gebaut werden. Für knapp 13 Kilometer sind Erdkabel vorgesehen. Das Unternehmen rechnet mit einer Bauzeit von drei bis vier Jahren. Die ersten Maßnahmen wird man in Kürze sehen können.

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