Tagespflege ohne Anschluss

Kein Glasfaser: Loger Treff in Eydelstedt fällt unter „unwirtschaftliche Adressen“

Die Tagespflegeeinrichtung Loger Treff auf dem rund 3 500 Quadratmeter großen Gelände an der Schweringhauser Straße in Eydelstedt bekommt vorerst keinen Glasfaser-Anschluss.
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Die Tagespflegeeinrichtung Loger Treff auf dem rund 3 500 Quadratmeter großen Gelände an der Schweringhauser Straße in Eydelstedt bekommt vorerst keinen Glasfaser-Anschluss.

Eydelstedt – „Ein Nachbar, der 500 Meter weit entfernt wohnt und kein Internet bezieht, bekommt Glasfaser, und wir als teilstationäre Tagespflegeeinrichtung bekommen keinen Anschluss, obwohl wir darauf angewiesen sind“, beschreibt Wilhelm Boutter als Träger des „Loger Treffs“ in Eydelstedt die für ihn „unverständliche Situation“. Beim Glasfaser-Ausbau geht der Treff zunächst leer aus.

Auch das Antwortschreiben des hiesigen Bundestagsabgeordneten Axel Knoerig stimmt den 63-Jährigen weniger zufrieden. Mitte April des vergangenen Jahres hatte sich Boutter mit einem Schreiben direkt an das Mitglied des Deutschen Bundestages gerichtet. Darin hatte er Knoerig die Situation geschildert und um eine Stellungnahme gebeten.

Anfang Mai erhielt der 63-Jährige eine Antwort, die allerdings noch mehr Fragen für ihn aufwarfen, wie er sagt.

„Nach der Bundesrahmenreglung müssen im Zuge einer kommunalen Breitbanderschließung durch die geplante Ausbaumaßnahme für mindestens 95 Prozent der ermittelten Haushalte Downloadraten von 30 Megabit pro Sekunde garantiert sein. Im Umkehrschluss lässt die Bundesrahmenregelung zu, höchstens fünf Prozent der Adressen in den sogenannten „weißen Flecken“ aus wirtschaftlichen Gründen nicht anzuschließen. Diese Vorgabe hat das Planungsbüro bei der Planung des Landkreisprojektes berücksichtigt. Nach jetzigem Stand sollen insgesamt rund 18 600 Privathaushalte und Gewerbekunden zukünftig mit breitbandigem Internet versorgt werden. Eine Gesamterschließung von 100 Prozent würde zusätzliche Kosten von mehr als 38 Millionen Euro für rund 850 Adressen erwarten lassen“, heißt es in dem Schreiben des Bundestagsabgeordneten an den Träger der Tagespflegeeinrichtung.

Weiter heißt es, dass der Loger Treff zu den sogenannten „unwirtschaftlichen Adressen“ zähle und somit im ersten Schritt nicht ausgebaut werde. Nach den Berechnungen des Planungsbüros würde der Ausbau des rund 500 Meter langen Stückes zwischen dem Nachbarn und dem Gelände an der Schweringhauser Straße in Eydelstedt rund 49 000 Euro kosten. Dieser Wert übersteige die durchschnittlichen Ausbaukosten der wirtschaftlichen Adressen um ein Vielfaches. Deshalb werde das rund 3 500 Quadratmeter große Gelände nicht an das Glasfasernetz angeschlossen.

Diese hohe Summe erweckte bei Wilhelm Boutter größtes Unverständnis, wie er im Telefonat mit dieser Zeitung äußerte: „Es handelt sich um bloßen nichtbefestigten Straßenseitenraum, den ich selbst mit der Schaufel bearbeiten könnte. Weder ein Radweg, noch eine befestigte Straße liegen dazwischen. Mir fehlen als Unternehmer die Worte und ich verstehe nicht, was ich falsch gemacht haben soll. Es macht den Eindruck, als seien hier Theoretiker am Werk, die noch nie im betroffenen Planungsgebiet waren und mit örtlichen Gegebenheiten nicht vertraut sind.“

Der Träger des Loger Treffs führte in seinem Schreiben an, warum der Landkreis Diepholz die fehlenden finanziellen Mittel zur Volldigitalisierung nicht beim Bund beantrage. Als Beispiel führte er den Landkreis Vechta an, der diesen Weg gegangen sei.

Axel Knoerig erklärte: „Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises Diepholz, deren Vorsitzender ich bin, hat dazu Rücksprache mit dem Landkreis Vechta gehalten. Der Unterschied in den Projekten zwischen dem Landkreis Vechta und dem Landkreis Diepholz liegt unter anderem auch im Ausbauvolumen. Der Landkreis Diepholz erhält bei einem Ausbauvolumen von über 186 Millionen Euro bereits die maximal mögliche Förderung, während dies im Landkreis Vechta nicht der Fall ist.“

Auf erneute Anfrage nach einem persönlichen Termin habe der Bundestagsabgeordnete Axel Knoerig nun dem 63-Jährigen ein Vor-Ort-Gespräch in Aussicht gestellt, sobald es die Gegebenheiten zulassen.

Nun bleibe abzuwarten, wie sich die Situation für die rund 320 Quadratmeter große teilstationäre Tagespflege in Eydelstedt entwickeln wird und ob die Bemühungen von Wilhelm Boutter Wirkung zeigen.

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