GEW-Landesvorsitzende fordert mehr Geld für Schulbildung

„Kaputt gespart und unterversorgt“

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Fordert deutlich mehr Geld für Bildung und Entlastung für Lehrkräfte: Laura Pooth, Vorsitzende des GEW-Landesverbands Niedersachsen.

Barnstorf - Die Zukunft der Schulen im ländlichen Raum gehört zu den akuten Themen, bei denen der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) im Zukunftsdialog den sprichwörtlichen Finger in die klaffende Wunde legen will. Und das mit Nachdruck. Unter Beweis stellte der DGB-Kreisverband Diepholz mit Matthias Müller an der Spitze genau das beim traditionellen Neujahresempfang im Barnstorfer Hotel Roshop. Dort brach Laura Pooth als Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) eine dicke Lanze für entschieden mehr Geld für den Bildungsbereich.

Ihre ernüchternde Bilanz aus Sicht der Bildungsgewerkschafts-Chefin: „Eigentlich ist das gesamte System kaputt gespart und unterversorgt“, stellte Laura Pooth vor rund 70 Zuhörern fest – darunter Landrat Cord Bockhop sowie Schulamtsdirektor a.D. Wilfried Heitmann und der ehemalige Landtagsvize-Präsident Karl-Heinz Klare, seinerzeit Bildungsexperte der CDU-Landtagsfraktion.

„Wir beobachten den Trend zum zweigliedrigen Schulsystem“, gab Laura Pooth mit Blick auf die aussterbende Hauptschule zu bedenken. Die Folge: Lehrkräfte müssen in den Ober- und Realschulen sowie in den Gymnasien Schüler mit sehr unterschiedlichem Leistungsniveau unterrichten, „und es ist sehr, sehr schwer, allen gerecht zu werden“.

Auch wenn die Lehrkräfte hoch motiviert seien: „Unter diesen Bedingungen ist es nicht zu schaffen“, warnte die GEW-Landesvorsitzende vor dem Hintergrund immer neuer Auf- und Vorgaben sowie Schülern mit ganz individuellen persönlichen Herausforderungen. Bewiesen hatte diese Lehrerbelastung die Arbeitszeitstudie der GEW, an der sich Lehrkräfte aus 300 Schulen in Niedersachsen beteiligt hatten – auch aus dem Landkreis Diepholz.

Die Folge der enormen Belastungen sei ein hoher Krankenstand: „Viele Lehrkräfte werden das Rentenalter nicht mehr gesund erreichen“, warnte die GEW-Landesvorsitzende. Sie erinnerte andererseits daran, dass die deutschen Schulleistungen laut PISA-Studie nur im Mittelfeld liegen. Außerdem hätten Untersuchungen mehrfach bestätigt: „Die soziale Herkunft ist entscheidend für den Bildungsabschluss.“ Die GEW fordert deshalb das Recht auf Teilhabe für alle Kinder – und genau dafür mehr Förder- und Fachkräfte, Beratungslehrer sowie Schulpsychologen. Aber diese personelle Ausstattung sei in Deutschland, „in einem der reichsten Länder der Erde“, einfach zusammengestrichen worden.

Gleichzeitig habe sich der Lehrerberuf sehr stark verändert. Der Gesprächsbedarf zwischen Lehrern und Eltern oder Institutionen habe enorm zugenommen. „Dafür muss mehr Zeit und Luft geschaffen werden“, forderte Laura Pooth unter Beifall aus dem Publikum, in dem zahlreiche Lehrer vertreten waren. Zwar gebe es Ansätze für Verbesserungen, so die GEW-Landesvorsitzende, „aber wir müssen jedes kleine Fitzelchen hart erkämpfen“. Dabei müssten dringend finanzielle Anreize geschaffen werden, damit ländliche Schulen mehr Lehrkräfte gewinnen. Auch müssten Lehrkräfte an Brennpunktschulen entlastet werden. „Außerdem setzen wir uns für eine gleichwertige Bezahlung ein.“

Der Kultusminister sehe das alles zwar ein. „Aber er sagt: Erstens fehlt das Geld, zweitens fehlen die Lehrkräfte.“ Wichtig aber sei es, so Laura Pooth, im Bildungsbereich endlich zu klotzen – und nicht länger zu kleckern: „Vom Wiegen allein wir das Schwein nicht fett!“

Geld sei doch da, und zwar für die Digitalisierung. Doch bei aller Hype für Tablet & Co. im Unterricht dürfe eines nicht vergessen werden: „Die Hirnforschung!“ Mit verweis auf ein entlarvendes Untersuchungsergebnis erinnerte Laura Pooth daran, wie schnell ein Smartphone („es könnte ja gleich blinken für neue Nachricht“) Schüler ablenken könne. Und: Manager in den USA würden ihre Kinder längst auf Privatschulen schicken. „Sie setzen auf Lehrkräfte aus Fleisch und Blut, Lernen am PC und am Tablet ist dort Lernen für die armen Kinder“, betonte Laura Pooth unter Beifall aus dem Publikum.

Die GEW-Landeschefin wünschte sich „endlich Rahmenbedingungen, in denen Menschen heranwachsen, die selber denken – und ein Gefühl für Rechtsstaatlichkeit und Demokratie entwickeln!“

Dass Laura Pooth ihren Zuhörern aus der Seele gesprochen hatte, bewies die lebhafte Diskussion. DGB-Kreisvorsitzender Matthias Müller musste den Meinungsaustausch aus Zeitgründen beenden. Schon zu Beginn des Abends hatte DGB-Regionsgeschäftsführer Torsten Hannig betont: „Wir leben in einer Zeit, in der es einfach wichtig ist, dass die Menschen zusammen rücken. Solidarisch ist man nicht allein.“

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