„Kalte Fährte“: Krimiautorin Susanne Mischke aus Hannover fesselt Zuhörer in Barnstorf / Attacke auf Psyche

Das kalte Schaudern zwischen Bücherwänden

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Die Zuhörer ließen sich von Susanne Mischke gern Bücher signieren.

Barnstorf - Den gespannten Zuhörern in der Barnstorf Bibliothek sitzt eine zarte blonde Frau mit feingliedrigen Händen und markigen Gesichtszügen gegenüber. Kaum zu glauben, dass aus diesem ungemein milden Ausdruck so Grauen erweckende Bilder entspringen und das nicht erst in einem Krimi.

Susanne Mischke aus Hannover, die aber eigentlich aus Bayern stammt, wie sie in der anschließenden Frage- und Diskussionsrunde erläutert, las aus ihrem neuesten „Schauder-Werk“ „Kalte Fährte“.

Auf dem Autoren-Büchertisch findet sich noch mehr erdachtes Grauen mit der Attacke auf die Psyche in Form von Büchern. „Töte, wenn Du kannst“ und „Einen Tod musst Du sterben“ (aus ihrer erfolgreichen Hannover-Serie Band 5). Susanne Mischke zählt zu den deutschen Krimiköniginnen. Ihr Krimi „Die Eisheilige“ wurde vom ZDF verfilmt, wie sie meint „grauenvoll“.

Die Autorin, geboren 1960 in Kempten im Allgäu, studierte Betriebswirtschaftslehre und arbeitet seit 1993 als freie Schriftstellerin. 2001 wird sie mit dem Frauen-Krimipreis der Stadt Wiesbaden ausgezeichnet. Jetzt lebt sie in Hannover und fühlt sich dort sehr wohl: „Für jemanden, der die Überheblichkeit der Bayern kennt seien die Hannoveraner eher zurückhaltend, höflich und nett. Deshalb schreibe sie aus der externen Sicht auch so gern aus und über die Region. Sie hat zahlreiche Krimis und Psychothriller geschrieben, zudem vier Jugendkrimis.

„Sie können sich auch schon freuen“, verrät die Erfolgsautorin“, am 1. April kommt das neue Buch raus und raten Sie, wie es heißt? „Warte, warte, nur ein Weilchen…“, dann fällt ihr fast die gesamte Gruppe Zuhörer ins Wort und beendet ihren Anfang: …dann kommt Haarmann auch zu Dir“. Na, wenn sich das nicht nach „typisch“ Hannover anhört? Die Autorin ist wohl angekommen, denn Maschsee und Leine, zahlreiche Viertel Hannovers spielen in ihren Krimis. Und wer seine Gedanken um den Massenmörder Fritz Haarmann schweifen lässt, dem „Vampir“ von Hannover, der in den 1920er Jahren 24 Jungen ermordet hatte im Alter zwischen 13 und 20 Jahren, der hat eine wirklich riesige Fantasie.

In Barnstorf liest sie aber aus „Kalte Fährte“ für das die Autorin im erzkonservativen und mit ausgeprägtem Katholizismus versehenen Eichsfeld recherchierte. „Was Sie hören werden, ist nicht „cosy“, es spielt am Arsch der Welt“. Susanne Mischke kann man gut zuhören, die szenischen Beschreibungen sind punktgenau, akribisch recherchiert und malen exakte Bilder. Sie streift gesellschaftsrelevante Themen, führt die Zuhörer über die Beschreibung der Protagonisten ins Geschehen.

Witz und Humor gehören dazu, wie pathologische Beschreibungen von abgenagten Kadavern, von gestressten und kannibalischen Ratten, von der Suche nach den Motiven eines grausigen Massakers in einen Brunnenschacht und die Entdeckung durch eine Kindergruppe.

Mischke „verpackt“ das heraufkriechende Grauen brillant: „Wo Leichen sind, sind auch Ermittler“, die stellt sie vor, die haben ihre eigene Geschichte und Herkunft. So Francesca Dante. Italienerin, Ermittlerin im Dezernat für Todesermittlungen. „Kadavere“ murmelt sie und der Leser und die Zuhörer wissen Bescheid. „Waren Sie schon mal in der Pathologie?“, eine der Fragen nach der spannenden Lesung mit Lust auf mehr Grauen. „Ja, auch auf Streife in Hannover, Nachtschicht“, so Mischke. „Ich war kaum eine Stunde dort, der erste Tote, aber Selbstmord“.

Sie sagt über sich und ihren Weg zur Krimiautorin: „Ich war immer gut in Deutsch, hatte viel Fantasie“. Das nimmt man ihr ab, aber das ist längst nicht alles: Sie scheint über eine sehr gute Allgemeinbildung zu verfügen, kann unglaublich brillant beschreiben, sieht die Dinge zwischen den Zeilen. Alles sehr förderlich, um sich beispielsweise in einen Kriminologen zu versetzen.

Sie liebt Geschichte, Gesellschaftsrelevanz und bringt alles voller Spannung zusammen. Ihre erfundenen Personen haben Seelen, die Schauplätze sind tolle Tatorte und ihr manchmal derber Humor das Sahnehäubchen. „Kotz mir nicht den Tatort voll“, wem fällt das schon ein, wenn es um ein bestialisches Verbrechen geht? Susanne Mischke.

sbb

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