Junger Iraker findet Unterstützung in Willkommensinitiative / Neue Ideen

Karrar kann wieder lächeln

+
Karrar ist aus dem Irak geflohen und lebt seit fünf Wochen in Barnstorf. Hier kann er aufatmen. Über das Lachen auf dem Bild freuen sich auch seine Verwandten in der Heimat.

Barnstorf - Karrar hat ein Lächeln im Gesicht, als er auf sein Forum im Internet schaut. Mehr als 30 Einträge stehen unter dem Foto des junges Irakers. Alle Verwandten aus der Heimat haben Nachrichten hinterlassen. Sie freuen sich, dass Karrar nach den deprimierenden Bildern, die er während seiner Flucht vor Krieg und Bedrohung gesandt hatte, endlich in Sicherheit ist. Auf der aktuellen Aufnahme aus Barnstorf sehen sie, dass es dem Flüchtling gut geht.

„Im Irak war Karrar einem Bombenattentat knapp entgangen“, berichtet Erika Schneider, die sich als Mitglied des Arbeitskreises „Willkommen in Barnstorf“ um Flüchtlinge kümmert. Der junge Mann ist seit fünf Wochen in Barnstorf, wo er nach schweren Zeiten endlich wieder halbwegs normal leben kann.

Einmal in der Woche geht der Iraker zum Deutschkursus. „Eigentlich viel zu wenig für ihn und seine Freunde, die schnell Deutsch lernen wollen, um Arbeit zu finden und Kontakte knüpfen zu können“, meint Schneider. Einige der Flüchtlinge sprechen Englisch. Sie haben es etwas leichter und sind schon in der Lage, viele anstehende Probleme fast ohne fremde Hilfe zu lösen und sogar anderen Kursteilnehmern zu helfen. Gern geben sie die Hilfe, die sie selbst erhalten haben, weiter.

Die Geschirr- und Kleiderspenden, die ihnen direkt ins Haus gebracht wurden, teilen sie mit den gerade neu angekommenen Nachbarn, bei denen noch vieles fehlt. Ein überzähliger Receiver wandert ebenfalls weiter. An Tagen, die viel freie „untätige“ Zeit bieten, ist Fernsehen eine willkommene Beschäftigung. Es hält die Verbindung zur Heimat aufrecht und ist neben dem Sprachkurs und dem Internet die dritte Möglichkeit, die deutsche Sprache kennen zu lernen.

Viele Dinge, die getan werden müssen, wenn Flüchtlinge neu in Barnstorf ankommen, sind inzwischen Routine für die Mitglieder der Willkommensinitiative. Zeitaufwendig ist die Arbeit aber noch immer und Hilfe wird nach wie vor dringend gesucht. „Aber mit der Routine und der wachsenden Zahl an Helfern wird der Kopf auch frei für neue Ideen“, sagt Schneider.

Beispiel: Ab diesem Freitag werden die ersten Flüchtlinge im „Fahrradschuppen“ unter fachkundiger Anleitung selbst Hand anlegen und ihren Drahtesel instand setzen. „Fahrradfahren ist im arabischen Raum meist den Kindern vorbehalten“, haben die Vertreter des Arbeitskreises erfahren. „Aber hier bei uns setzen sich auch die Iraker und Syrer gern aufs Fahrrad, um die Gegend zu erkunden, zum Sport zu fahren oder Kontakte in Nachbarorten zu pflegen.“

Eine weitere neue Idee, die aufgegriffen werden soll, sind regelmäßige Fahrten zur Twistringer Tafel. Die dortigen Einkäufe schonen das knappe Budget der Flüchtlinge und lassen die Möglichkeit zu, auch einmal andere notwendige Dinge von ihrem monatlichen Geld zu kaufen. „Dies kann jedoch nur funktionieren, wenn sich genügend Menschen finden, die sich bereit erklären, solche Fahrten zu übernehmen und die Fahrtkosten zu sponsern“, sagt Schneider. Einige Fahrten seien sicher auch von den bisherigen Mitgliedern der Willkommensinitiative leistbar. Aber wenn alle Flüchtlinge bedacht werden sollten, sei dies für die ehrenamtlich und überwiegend nebenberuflich arbeitenden Helfer allein nicht zu schaffen.

Ein drittes Thema, das die Initiative in nächster Zeit angehen möchte, ist der Schulbesuch für junge Flüchtlinge im Alter von 18 bis 25 Jahren. Bei einem Vernetzungstreffen von Flüchtlingsinitiativen aus dem gesamten Landkreis Diepholz, das in der vergangenen Woche in Barnstorf stattfand, erzählten die Vertreter aus Bassum, dass es am Berufsbildungszentrum (BBZ) in Syke bereits zwei Sprachklassen gebe, die von jungen Flüchtlingen besucht würden.

„Leider war es bisher auf Grund des laufenden Schuljahres nicht möglich, Barnstorfer Flüchtlinge am BBZ in Diepholz zu beschulen. Nun soll möglichst bald Kontakt zur dortigen Schulleitung aufgenommen werden, um dies im neuen Schuljahr zu ermöglichen“, kündigt Schneider an. Der Wille zum Lernen sei jedenfalls vorhanden. Und das nicht zu knapp, wie man an den mittlerweile vier gut besuchten Sprachkursen der Willkommensinitiative in Barnstorf deutlich sehen könne.

Die Aktiven suchen weiterhin nach ehrenamtlichen Helfern und Paten, die sich für Flüchtlinge einsetzen und ihnen im Alltag helfen möchten. Nähere Informationen zur Arbeit gibt es beim nächsten Treffen am Montag, 8. Juni, ab 19.30 Uhr im Barnstorfer Welthaus. Für nähere Auskünfte steht Erika Schneider gerne zur Verfügung (Tel. 05442/8349).

Mehr zum Thema:

Lätare-Spende in Verden

Lätare-Spende in Verden

Bargfrede und Eilers arbeiten individuell

Bargfrede und Eilers arbeiten individuell

In diese 10 Berufsgruppen haben die Deutschen Vertrauen

In diese 10 Berufsgruppen haben die Deutschen Vertrauen

Frau stirbt bei schwerem Unfall in Bassen 

Frau stirbt bei schwerem Unfall in Bassen 

Meistgelesene Artikel

Frühlingsmarkt lockt Besucher

Frühlingsmarkt lockt Besucher

24-Jähriger bei Unfall schwer verletzt

24-Jähriger bei Unfall schwer verletzt

Brummi-Fahrer pinkelt an Tankstelle 

Brummi-Fahrer pinkelt an Tankstelle 

Problem Brandschutz: Barrier Grundschule muss auf größten Raum verzichten

Problem Brandschutz: Barrier Grundschule muss auf größten Raum verzichten

Kommentare