Junge Albanerin nutzt Angebote der Bibliothek

Sprache als Schlüssel für gelungene Integration

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Bibliothekarin Christiane Roth (r.) und Flüchtlingsbetreuerin Erika Schneider (l.) empfehlen Literatur in verschiedensten Sprachen. Die junge Albanerin Vanesa Lulja macht von den Angeboten der Bibliothek regelmäßig Gebrauch.

Barnstorf -Von Simone Brauns-Bömermann. Vanesa Lulja ist Stammgast in der Barnstorfer Bibliothek. Immer wieder schaut sich die 17-Jährige nach passender Literatur um. Aktuell hält sie das Buch „Deutschland – meine Option? Junge Migranten am Start“ in den Händen. „Das werde ich als nächstes lesen“, sagt sie und diese Aussage ist symptomatisch für die junge Albanerin. Sie freundet sich mit ihrer neuen Heimat an, lernt Kultur und Menschen kennen.

Vor gut einem Jahr kam Vanesa mit ihrer Familie nach Deutschland, erst nach Braunschweig in eine Erstaufnahmeeinrichtung, dann nach Drebber. Heute, ein Jahr später, hat sie sich gut eingelebt, wirkt fröhlich und zielstrebig. Sie besucht die zehnte Klasse der Christian-Hülsmeyer-Schule. Das ist nur ein Ort in der Samtgemeinde Barnstorf, wo sich die junge Albanerin wohl fühlt.

Ein weiterer Platz, den sie anfangs noch mit ihrer Flüchtlingsbetreuerin Erika Schneider aufgesucht hat und heute gerne alleine oder mit Freunden nutzt, ist die Bibliothek in Barnstorf. Dort leiht sie inzwischen englische Literatur aus, die sie für die Schule benötigt. Es ist eine von vier Sprachen, die sie inzwischen spricht beziehungsweise lernt: Albanisch ist ihre Muttersprache. In ihrer Heimat, wo sie ein Gymnasium besuchte, machte sie sich mit Französisch vertraut. Und in Barnstorf lernt sie nun Deutsch – in der Schule und überall, wo es ihr möglich ist.

„Mit dem Deutschförderunterricht am Nachmittag komme ich manchmal auf zehn Stunden Unterricht an manchen Tagen“, erzählt die Jugendliche. Ihre ersten deutschen Worte, die sie lernte, gibt sie lächelnd zu, waren: „Danke“ und „Ich liebe Dich“. Damit kann nichts schief gehen. Aber es sei nicht nur der Kontakt mit Einheimischen, der ihr beim Spracherwerb weiterhelfe. Sehr gut könne man eine fremde Sprache mit Musik hören, selbst singen und mit Dialogen in sozialen Netzwerken erlernen.

Vanesa zeigt das Regal mit der ausländischen Literatur in der Bibliothek. Dort findet sie tatsächlich albanische Literatur: Übersetzer, Romane, Liebesromane. Bibliothekarin Christiane Roth, die sich immer schnell mit der angebotenen Literatur auf geänderte Gegebenheiten einstellt, erläutert: „Wir versuchen immer auf den Bedarf zu reagieren. Manchmal ist das nicht ganz leicht, da stoßen wir an unsere Grenzen, denn kaum einer von uns kann zum Beispiel Arabisch.“

Derzeit kommen auch viele Syrer in die Bibliothek und versuchen mit dem visuellen Wörterbuch schnell Deutsch zu lernen. Das bunte Buch mit einer Vielzahl an Bildern aus dem täglichen Leben ist stark frequentiert. Und es ist nur eines von vielen Angeboten. Das Regal mit der ausländischen Literatur umfasst immerhin knapp 340 Bücher in verschiedensten Sprachen: Englisch, Französisch, Spanisch, Arabisch, Russisch, Polnisch, Türkisch, Albanisch, Serbisch, Koreanisch, Persisch, Kurdisch und mehr.

„Manchmal sitzen auch syrische Mütter mit ihren Kindern in der Leseecke und schauen Stunden lang Bilderbücher an“, berichtet die Bibliothekarin. Auch das schule im Bereich Sprache, Lebensgewohnheiten, Riten und Sitten und vor allem auch im Verständnis der neuen Heimat.

Zurück zu Vanesa, die diese Hürden schon längst und es scheint mit Links genommen hat: Sie paukt häufig mit Freunden. Mit Erika Schneider übt sie manchmal Englisch, das sie erst hier in Deutschland ab der neunten Klasse lernte. Ihr Wunsch ist es, eine Note in Englisch auf dem Zeugnis zu haben. „Das hilft mir bestimmt sehr bei der Berufswahl“, meint sie.

Dann zeigt die junge Albanerin noch ein Spiel auf dem Smartphone. Das Quizlernspiel heißt „Kahoot“. Es ist ein interaktives Quiztool für die ganze Klasse. Die Fragen werden von der Lehrkraft per Beamer an der Wand präsentiert und die Schüler können mit ihren mobilen Endgeräten antworten. „Damit lernen wir echt gut“, gibt Vanessa zu bedenken. Sie ist ein Beispiel, wie Einleben fern der Heimat und Eingliederung mit einer positiven Grundstimmung sowie mit netter Hilfe von hilfsbereiten Menschen im Umfeld gelingen kann.

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