Jugendzentrum Barnstorf besteht seit 40 Jahren / Offene Türen und Rocknacht am 20. Juni

„Wir sind heute eine große Familie“

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Diakon Jörg Brand und seine Kollegin Bianca Keller sind ein eingespieltes Team im Jugendzentrum. Sie versprechen ein tolles Programm für den „Tag der offenen Tür“. Dabei kommen auch alte Schallplatten unter den Hammer.

Barnstorf - Von Luka Spahr. Eine alte Cola-Flasche, eine selbst produzierte Schallplatte und ein kleines Büchlein: Diese Gegenstände legt Diakon Jörg Brand beispielhaft auf den Tisch, wenn man ihn nach den vergangenen vier Jahrzehnten im Jugendzentrum (JZ) Barnstorf fragt. Zusammen mit Bianca Keller leitet er seit geraumer Zeit die kirchliche Einrichtung. Genau gesagt: Brand seit elf Jahren und Keller seit acht Jahren. Gerade dieses feste Team mache den „Laden“ aus, konstatiert der Diakon.

Mit einem „Tag der offenen Tür“ und einer Neuauflage der Rocknacht wird am Sonnabend, 20. Juni, das 40-jährige Bestehen des Jugendzentrums gefeiert. Dabei können die Besucher in die Geschichte der Kellerräume eintauchen. Es wird eine Ausstellung geben mit alten Fotos, dazu einen Film, der erst noch von der VHS-Kassette digitalisiert werden muss, sowie jede Menge Fundstücke, die sich im Laufe der Jahre angesammelt haben. Am Abend geht das Programm in die Rocknacht über.

Doch wenn man diesen Tag vollends verstehen will, bleibt ein kurzer Blick in die Vergangenheit nicht aus. 40 Jahre zurückgedacht: Es ist das Jahr 1975, als das Jugendzentrum an der Kirchstraße errichtet wird. Finanziell engagieren sich hierbei die Samtgemeinde Barnstorf und die Evangelische Kirchengemeinde. Die Zügel liegen in den Händen von Diakon Lutz Dreyer.

Zuerst alleine, später verstärkt durch Klaus Simon, bietet Dreyer Unterhaltung und Rückzugsmöglichkeit für Jugendliche aus Barnstorf und Umgebung. Es folgen verschiedene Jugendpflegerinnen, bis schließlich Jörg Brand im Jahr 2004 in Erscheinung tritt. 2007 verabschiedet sich Klaus Simon – nach 23 Jahren Jugendarbeit. Seinen Platz nimmt Bianca Keller ein, die seither mit Brand die Einrichtung im Herzen Barnstorfs leitet.

Auch wenn man auf den ersten Blick meinen könnte, dass sich wenig geändert hat: Bei genauer Betrachtung wird deutlich, wie sich die Jugendarbeit über die Jahre gewandelt hat. „Damals gab es deutlich mehr Musik im JZ“, erklärt Brand. So kam es unter anderem dazu, dass sich mehrere Bands zusammentaten, um eine Schallplatte aufzunehmen. Sie ist eine besondere Erinnerung an das Jahr 1986. Heute gibt es immer noch Musik im Jugendzentrum, das zeigt zum Beispiel die Rocknacht.

Während damals oft die Musik im Mittelpunkt stand, sind es heute Aufklärungsarbeit über Internet-Mobbing oder Unterstützung beim Verfassen von Bewerbungen. Aber im Zeitalter der Neuen Medien gibt es nicht nur technischen Schnickschnack. Ob Brettspiele, Steinmetzarbeiten, Tischtennisturniere oder Backen: Die Wünsche der Jugendlichen nach Traditionellem sind häufig auch für die Sozialarbeiter eine freudige Überraschung. Zum letzten Weihnachtsfest wurde sogar Marmelade gemeinsam gekocht.

Die Altersspanne der Besucher liegt im Durchschnitt bei 13 bis 16 Jahren. Während es damals im Jugendzentrum noch kleine Grüppchen, häufig nach Nationalitäten aufgeteilt, gab, „hat sich das Klientel heute geändert“, stellt Keller fest. Zum besseren wohlgemerkt. Die Gruppen seien nun viel ausgeglichener. Es gebe verschiedenste Nationalitäten und Bildungsschichten. , fügt Brand lächelnd hinzu.

Die Betreuer haben das Ziel, auf die Jugendlichen einzugehen, ihnen „etwas zu ermöglichen“ oder einfach nur Unterstützung bei Alltagsproblemen zu bieten. Nicht umsonst heißt das Motto hier in Barnstorf: „Helfen, Leben, Lernen“. So gebe es für jedes Problem, sei es Mobbing oder häusliche Gewalt, „immer einen Lösungsweg“, unterstreicht Keller. Dafür würden sie und Brand, der auch als Notfallseelsorger arbeitet, sich immer die Zeit nehmen, die es brauche.

Das Vertrauensverhältnis macht sich bemerkbar: Die Anzahl der Jugendlichen, die sich den beiden anvertrauen, und über ihre Probleme sprechen, sei über die Jahre stetig gestiegen. So gebe es immer „mehr Einzelfallbetreuungen“, berichtet Brand. Er klingt dabei jedoch keinesfalls überarbeitet oder genervt. Im Gegenteil: Er wirkt sehr zufrieden damit.

Im Präventionsbereich kooperiert das Jugendzentrum unter anderem mit der Polizei und der Box-Sparte des MTV „Jahn“ Barnstorf. So können neben Internet-Mobbing-Kursen auch Aktionen für Rollerfahrer oder Selbstbehauptung angeboten werden. Das ist aber nur ein kleiner Teil des Repertoires im Jugendzentrum. Beliebt ist der jährliche Ferienspaß, für den Keller derzeit schon schwer in Planung ist. Im Sommer soll es zum dritten Mal an die Nordsee nach Butjadingen gehen. Weitere Ausflüge führen auf die Bowlingbahn oder in die Skaterhalle nach Osnabrück. Auch zwei Reitangebote sind vorgesehen, sagt die Organisatorin. Mehr will sie aber zurzeit nicht verraten.

Fakt ist, und das betonen die beiden Betreuer immer wieder, dass die Jugendlichen zu jeder Zeit eigene Vorschläge einbringen können. Das betrifft nicht nur das Programm, sondern auch die Gestaltung der Räume. Hier wird mal ein Graffiti angebracht, dort eine Tür repariert. Es gibt immer etwas zu tun, sagt Brand.

Am Sonnabend wird aber nicht gearbeitet, sondern gefeiert. Jeder ist willkommen, nicht nur Jugendliche. Die Rocknacht beginnt um 20.15 Uhr. Auf der Bühne stehen drei Gruppen: Das Bänd, Rockstock und Hugget. Die Türen sind bereits ab 15 Uhr geöffnet. Es gibt Information, Spaß und Unterhaltung. Höhepunkt des Programms ist die Versteigerung von alten Funden aus dem Jugendzentrum. Mit dabei sind unter anderem fast 40 der Original-Schallplatten aus dem Jahr 1986. Auf der Rückseite des Vinyls heißt es: „Eine Produktion des Jugendzentrum Barnstorf.“ Das wird der Aktionstag am Sonnabend wohl auch!

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