Über Barnstorf nach Paris

Skandinavische Radfahrer sammeln für krebskranke Kinder

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Als die Radfahrer aus Schweden mit ihren signalgelben Trikots in Barnstorf ankommen, ist ihnen die Aufmerksamkeit sicher. Das Team Dänemark kommt etwas später im Ort an.

Barnstorf - Von Luka Spahr. Rund 1300 Kilometer sind eine Strecke, die viele Menschen schon mit dem Auto als anstrengend bezeichnen würden. In Barnstorf haben in dieser Woche insgesamt 66 Männer und Frauen Station gemacht, die diese beträchtliche Distanz auf dem Fahrrad zurücklegen. Die Pedalritter kommen aus Schweden und Dänemark. Das Ziel ihrer gemeinsamen Reise ist Paris.

Als die Radler mit ihrer motorisierten Eskorte am späten Nachmittag in die Brinkstraße einbiegen, ist ihnen die Aufmerksamkeit der Passanten sicher. Die Frage nach dem Grund ihrer Tour ist schnell erklärt: Mit der Aktion wollen die Teilnehmer auf das Leiden krebskranker Kinder hinweisen und Spenden sammeln. Allein im vergangenen Jahr seien 8,84 Millionen Euro zusammengekommen, berichten die Veranstalter.

Sportler zahlen drauf, um teilnehmen zu können

Die Organisation Rynkeby steht hinter dem Projekt, das vor 16 Jahren ins Leben gerufen wurde. Aus Dänemark, Schweden, Finnland, Norwegen, Australien und den Färöer-Inseln machen sich jedes Mal bis zu 1750 Teilnehmer auf den Weg in die französische Hauptstadt. Eine Leistung, auf die die ehrenamtlichen Fahrer stolz sind. Keiner im Team verdient etwas an der Tour. Die meisten zahlen drauf, heißt es.

Aber die Biker opfern nicht nur Zeit und Geld, sondern investieren auch körperliche Energie. Knapp 6000 Kilo-Kalorien gehen bei den etwa 150 bis 200 Kilometer langen Tagesetappen drauf. Da muss unterwegs ordentlich nachgelegt werden. Daher begleitet das schwedische Team eine Helfergruppe von elf Personen. Susanne Belajouza koordiniert die fünf Fahrzeuge und zwei Motorräder. Sie ist bereits das zweite Jahr in Folge mit dabei und immer wieder erfreut, wenn alle Fahrer wohlbehalten am nächsten Zwischenstopp ankommen.

Deutschland in zwei Tagen durchqueren

Als die Teilnehmer bei der Ankunft vor dem Hotel Roshop vom Rad steigen, wird erst einmal tief durchgeatmet. Es folgt ein gegenseitiges Schulterklopfen. Auch Susanne Belajouza freut sich mit den Akteuren. Sie seien „very strong“, sagt die Teamleiterin. Auch Kälte und Regen aus den Vorjahren habe die Radler nicht davon abgehalten, bei der Tour weiter mitzumischen.

Das schwedische Team ist am vergangenen Sonnabend in seiner Heimatstadt Jönköping aufgebrochen. In nur zwei Tagen will die Gruppe den Großteil Deutschlands durchquert haben. Abgesehen von viel „dirt“ und „rain“ ist das jedoch kein Problem für die Rennradsportler. Deutschland sei sehr flach und man käme gut voran, erklärt Peer Lidaker, der als einer der wenigen im Team sehr gut Deutsch spricht. Im vergangenen Jahr hat er noch auf dem Motorrad gesessen, das jetzt der begleitenden Krankenschwester vorbehalten ist. Nun tritt er selbst in die Pedale.

Roshop hilft gern - für den guten Zweck

Die Stimmung unter den Fahrern ist gut, als Hotelier Ludolf Roshop sie in seinem Vier-Sterne-Haus willkommen heißt. Die Sportler lachen, sind guter Dinge und freuen sich auf ein herzhaftes Essen, welches das Team des begleitenden Mini-Vans in Kooperation mit den Mitarbeitern des Hotels gemeinsam zubereiten. Die Küche des Hauses ist dabei noch einmal besonders gefordert. „Wir haben viele Listen im Vorfeld erhalten. Neben veganem und vegetarischem Essen ist natürlich auch viel nährstoffreiche Nahrung gefordert bei der Sportbelastung“, sagt Roshop.

Der heimische Gastronom findet die Aktion toll und freut sich, die Sportler bereits zum zweiten Mal in seinem Hause begrüßen zu dürfen. Er unterstützt die Teams gerne, zum Beispiel durch das kostenlose Waschen der Trikots. Schließlich ist alles für einen guten Zweck. Fahrräder, Equipment und Hotelkosten zahlen die Teams daher auch selbst.

Persönliche Betroffenheit stärkt den Willen mitzumachen

Während die Schweden bereits die ersten Massagen durch das Helfer-Team genießen, treten die Dänen noch in die Pedale. Ihr Unterstützer-Team ist bereits vorausgeeilt und kommt gestresst in Barnstorf an. In einer Stunde kämen die Radler, bis dahin müssten alle Zimmer und das Essen fertig sein, ruft eine der Helferinnen. Keine Frage, sie siebentägige Tour zehrt auch an den Nerven.

Es gehört wohl eine ordentliche Portion Überzeugung dazu, so eine lange Tour auf sich zu nehmen. Das sei jedoch auch bei vielen Teilnehmern vorhanden, verrät Teamleiterin Susanne Belajouza. Viele Teilnehmer der Gruppe hätten in Verwandtschaft oder Freundeskreis bereits Erfahrungen mit Krebspatienten gehabt. Das sporne die Beteiligten zusätzlich an, bei dem Charity-Event mitzumachen. Was sie verbindet, ist der gemeinsame Wunsch, den Krebs, gerade bei Kindern, in seine Schranken zu weisen.

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