Mehr als 30 Mitarbeiter engagieren sich ehrenamtlich für die Barnstorfer Tafel

Jeden Mittwoch an der Brinkstraße geöffnet

Caroline Rethorn, Irene Jackisch und Manfred Schiller prüfen und sortieren jeden Mittwoch Lebensmittel für die Barnstorfer Tafel an der Brinkstraße. Foto: Ripking

Barnstorf - Von Jannick Ripking. Menschen, die Hilfe brauchen, unter die Arme greifen. Das ist einer der größten Antriebe der über 30 ehrenamtlichen Mitarbeiter der Barnstorfer Tafel an der Brinkstraße. Jeden Mittwochmorgen prüfen und sortieren die Helfer Lebensmittel, die hauptsächlich von der Twistringer Tafel geliefert werden, um sie nachmittags an Bedürftige mit Ausgabeausweis abzugeben.

Helga Crout ist von Anfang an dabei. „Ich habe auch schon bei der Renovierung ein bisschen mitgeholfen“, erzählt sie über die Anfänge aus dem Jahr 2017, während sie Gebäck unter die Lupe nimmt. Die unentgeltliche Arbeit mache ihr sehr viel Spaß. „Wir haben hier eine tolle Gemeinschaft“, freut sich die Rentnerin aus Barnstorf. Sie hilft lieber morgens bei der Lieferung als nachmittags bei der Ausgabe. „Ich hatte die Idee, Leuten zu helfen, schon ewig“, erinnert sich die 78-Jährige, „aber ich war früher voll berufstätig.“ Mit der Arbeit für die Tafel habe sie jetzt eine Beschäftigung gefunden, die ihr Hauptanliegen befriedigt: „Ich möchte Ärmeren helfen.“ Einen Appell ist sie auch noch los geworden: „Die Leute, die Hilfe brauchen, sollen den Mut haben, zu uns zu kommen. Es ist keine Schande, Hilfe bei der Tafel zu suchen.“

Renate Kruse engagiert sich als Mitglied der Kirchengemeinde bei der Tafel. „Ich arbeite bei der Ausweisausgabe“, beschreibt sie ihre Aufgabe. „Ich komme hier von Angesicht zu Angesicht in Kontakt mit Menschen, die Hilfe brauchen“, berichtet sie. Es sei spannend, die Geschichten, der Leute, die zur Tafel kommen, zu erfahren. „Es ist wichtig, dass es so etwas hier gibt“, betont sie. Das zeige sich am Zuspruch, den die Tafel erhält.

Die Lebensmittelausgabe am Nachmittag laufe hervorragend, freut sich die 82-Jährige. Einen Anteil daran hat auch Sahar Muammad aus Syrien, weil sie arabisch und kurdisch spricht. Seit sechs Monaten arbeitet sie für die Tafel als Ein-Euro-Kraft vom Jobcenter. Davor engagierte sie sich schon ein Jahr ehrenamtlich bei der Tafel. Um deutsch zu lernen, wie sie sagt.

Das Angebot der Tafel nutzen auch viele Menschen mit Migrationshintergrund, die noch nicht gut deutsch sprechen. „Hier kann ich dann gut helfen“, erklärt die 39-Jährige. Das mache ihr besonderen Spaß, aber auch morgens kommt sie gerne zur Tafel: „Ich habe hier viel gelernt und die Gespräche in den Pausen sind gut.“

Muammad hat vier Kinder. ihr Mann ist Taxifahrer. Deswegen sei das Geld auch bei ihrer Familie manchmal knapp. „Ich brauche auch Hilfe und die Leute hier helfen mir sehr“, freut sie sich.

Auch Wolfgang Schiller nahm und nimmt Hilfe in Anspruch; früher bezog er Hartz IV, heute ist er Rentner. Warum er sich bei der Tafel engagiert? „Wenn ich schon etwas vom Staat bekomme, will ich auch etwas zurückgeben. Die Tafel ist ein soziales Projekt und ich kann anderen helfen.“ Am liebsten wäre es ihm aber, wenn es die Tafel gar nicht erst geben würde: Gäbe es keine Armut in Deutschland, wären Tafeln überflüssig. Das sollte ein politisches Ziel in Deutschland sein, meint Schiller.

Irene Jackisch brennt förmlich für die Tafel. Jeden Mittwoch ist sie morgens und nachmittags im Gebäude an der Brinkstraße zu finden. „Ich komme liebend gerne zur Tafel, es macht mir sehr viel Spaß. Am liebsten würde ich noch öfter kommen und helfen“, erzählt sie freudestrahlend beim Salate sortieren. Sie betont aber auch, dass die Tafel kein Lebensmittelladen , sondern nur eine Unterstützung für Bedürftige sei. „Das muss man den Leuten klar machen. Zu Beginn waren die Leute fordernder, aber mittlerweile läuft hier alles sehr ruhig und ordentlich ab.“

Die Helfer der Barnstorfer Tafel formulierten gemeinschaftlich noch einen Aufruf: „Wir suchen noch ehrenamtliche Mitarbeiter für die Lebensmittelausgabe am Nachmittag.“

Ausweis für Berechtigte:

Nicht jede Bürgerin oder jeder Bürger ist berechtigt, Lebensmittel von der Tafel in Barnstorf gegen einen geringen Kostenbeitrag abzuholen. Zu den berechtigten Personengruppen zählen: Arbeitslose, Grundsicherungsempfänger, Obdachlose, Rentner, Alleinerziehende oder Menschen, die vorübergehend in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind. Durch Vorlage des Wohngeld-, des Renten-, des Jobcenterbescheides oder eines Einkommensnachweises in Verbindung mit dem Personalausweis erhalten Berechtigte bei der Barnstorfer Tafel einen Ausweis. Jeden Mittwochmorgen zwischen 10 und 12 Uhr haben Bürger die Möglichkeit, einen solchen Berechtigungsausweis zu beantragen. Dieser ist dann ein halbes Jahr gültig, danach muss ein neuer bei der Barnstorfer Tafel beantragt werden.

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