25 Jahre Zirkus Barbarella: Jubiläums-Vorstellung mit 60 Kindern in der Manege

Mitmach-Plattform und gelebte Integration

+
60 Kinder hatten für die Jubiläums-Aufführung des Zirkus Barbarella am Freitagnachmittag Akrobatik und Clownerie einstudiert.

Barnstorf - Regina Bömer steht wie seit 25 Jahren vor dem Zirkuszelt des Barnstorfer Zirkus Barbarella und lädt die Gäste ein: „Hereinspaziert, hereinspaziert“. Am Freitag ist das Zelt jedoch schon picke-packe voll, die seitlichen Wände sind hochgerollt, um weiteren Platz für Bänke zu schaffen. Denn es ist eine besondere Vorstellung: Der Zirkus Barbarella feiert sein 25. Bestehen.

Sophia-Marie Bömer, Tochter des Gründerehepaares Regina und Reinhold Bömer, erinnert sich: „Ich bin jetzt 28 Jahre und damals als meine Eltern die Idee der Gründung eines kleinen Zirkus hatten, war ich etwa drei“. Ab da war viel Zirkusluft in ihrem Leben, mit fünf fuhr sie Einrad und seit etwa fünf Jahren ist die studierte Clownin nun Zirkusdirektorin: „Meine Eltern sind dann einen Schritt zurückgegangen, aber helfen immer noch super tatkräftig mit“.

Der Zirkus Barbarella ist aus der Jugendarbeit der Kirchengemeinde Gemeinde St. Barbara und Hedwig und der Eine-Welt-Werkstatt entstanden. Die Idee zum Projekt Zirkus kam 1990 auf. Bei einer Pfingstfreizeit der katholischen Gemeinde entstand das Motiv „Wir woll’n mit einem Zirkus ziehen“. Aus der Initiative Freies Tagungshaus Eine-Welt-Werktatt in Barnstorf kamen Erfahrungen in der Familien- und Jugendarbeit dazu, ebenso interkulturelle Elemente aus der Beratungsarbeit von Pro Asyl im Landkreis Diepholz.

Der Zirkus heißt offiziell: „Verein zur Förderung ganzheitlicher Bildung“.

Der Zirkus Barbarella ist besonders: Er nutzt die Akrobatik, Clownerie und das Schauspiel als Mitmach-Plattform für Kinder und Jugendliche. Mit jeder Vorstellung erfahren die Zuschauer gelebte Integration und Inklusion.

Und dann ging am Freitagnachmittag die kostenlosen Jubiläums-Vorstellung auf der gemeindlichen Grünfläche hinter dem Barnstorfer Bahnhof am Ende der Bahnhofstraße los: „Guten Tag sehr verehrtes Publikum, heute präsentieren wir Ihnen ein außergewöhnliches Programm“, animierte Sophia-Marie. 60 Kinder warteten in den Startlöchern, um das Erlernte und Einstudierte zum Besten zu geben. Doch bevor die zwei Teile der Jubiläumsvorstellung starten konnten, wollte Zirkusdirektorin Bömer von den Gästen wissen: „Wie gut kennt Ihr uns? Besteht der Zirkus fünf, 20 oder 25 Jahre?“. Die Antwort war schnell gefunden: 25 Jahre.

Eine Woche lang hatten die unterschiedlichen Gruppen in Workshops im Rahmen des Familienbündnisses, des Sprachcamps des Welthauses und die neuen „Mini-Barbarellas“ von Alina Dehmel und die älteren „Barbarellas“ geprobt. Zur Vorstellung waren sie zu einer großen Zirkusfamilie zusammengewachsen.

Am Hochseil, auf den Matten, am Trapez, auf dem Einrad, Schauspiel an wunderbarer Musik, Jonglage und sportlichen Clownseinlagen, nichts fehlte. Das Zirkuszelt stand wie dafür gemacht zwischen den neu gepflanzten Bäumen der frisch gemähten Wiese, die der Flecken Barnstorf zur Verfügung gestellt hatte. Bis zuletzt war nicht klar, ob es zwischen die Bäume passen würde. Es passte.

Im Zelt waren zum siebten Mal Kinder des Sprachcamps, die in der Woche mit Camp-Leiterin Finja Schlake ein eigenes Lied geschrieben und einstudiert hatten. So ist eine Fremdsprache zu lernen eine wahre Wonne. „Am Tag zuvor hatten Kinder aus Tansania ihren internen Auftritt vor den Akteuren von Freitag“, erzählte Sophia-Marie in der Pause. Bei ihrem Besuch im letzten Herbst in Tansania hatte die 28-Jährige die Jugendlichen aus dem afrikanischen Staat nach Deutschland eingeladen.

Die Zirkusdirektorin wohnt halb in Wien und halb in Barnstorf, hat sich in Österreich aktuell der Straßentheater-Truppe „Passepartouts“ angeschlossen mit der sie bald in England auftritt. Nach Barnstorf kommt die Clownin mit Magistertitel gerne ins Welthaus regelmäßig zurück.

Am Licht des Zirkuszeltes war am Freitag Vater Reinhold Bömer aktiv – stolz auf das Erreichte, auf seine Frau, seine Tochter und auf die unmittelbaren Erfolge in Sprache, mitmenschlichem Umgang und sozialer Kompetenz durch die gemeinsame Zirkusarbeit mit Kindern und Jugendlichen. „Der Zirkus trägt Früchte“, das Fazit der Beteiligten.

Am 5. September will „Barbarella“ nochmal feiern im Rahmen des dreitägigen Krammarktes mit dem Motto: „I love Barnstorf“.

„Fest, Feuershow und gemeinsames Feiern sind angedacht“, verrät Zirkusdirektorin Sophia-Marie Bömer mit Vorfreude.

sbb

Mehr zum Thema:

IS bekennt sich zu Londoner Anschlag

IS bekennt sich zu Londoner Anschlag

Südkorea setzt "Sewol"-Bergung fort

Südkorea setzt "Sewol"-Bergung fort

Elternleid und Altersliebe: Neue Hörbücher

Elternleid und Altersliebe: Neue Hörbücher

Apotheke auf dem Balkon: Heil- und Würzpflanzen für den Topf

Apotheke auf dem Balkon: Heil- und Würzpflanzen für den Topf

Meistgelesene Artikel

Große Resonanz auf den Infotag der Kreismusikschule

Große Resonanz auf den Infotag der Kreismusikschule

Hochkarätige Akteure prügeln sich im Dreyer Sportcenter Dassbeck

Hochkarätige Akteure prügeln sich im Dreyer Sportcenter Dassbeck

1500 fröhliche Gäste und 300 Kilogramm Grünkohl

1500 fröhliche Gäste und 300 Kilogramm Grünkohl

Vierte Diepholzer Kneipennacht ein voller Erfolg

Vierte Diepholzer Kneipennacht ein voller Erfolg

Kommentare