750 Jahre Gut Adelhorn: Familie Schwichtenberg feiert „Tag des offenen Hofes“ am 7. Juni

Landwirtschaft sucht den Dialog

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Das Gut Adelhorn ist am 7. Juni Schauplatz eines umfangreichen Programms für die ganze Familie.

Drentwede - Von Charlotte Wolframm. Wie genau ihr Hof vor 750 Jahren aussah, wissen Nicole und Jens Schwichtenberg aus Drentwede nicht. Dass er vor einem dreiviertel Jahrtausend aber schon existiert hat, das ist sicher. Beleg ist die erste urkundliche Erwähnung des Gutes Adelhorn in den Archiven. Das Jubiläum will die Familie mit einem „Tag des offenen Hofes“ am Sonntag, 7. Juni, von 11 bis 18 Uhr feiern.

Zufällig ist Jens Schwichtenberg vor einigen Jahren auf das entscheidende Dokument gestoßen: Eine Urkunde aus dem Jahr 1265. Sie besagt, dass der Probst Alexander von Wildeshausen den Zehnten des Hofs Adelhorn erhält. Und seitdem ging dem Landwirt aus Drentwede der Gedanke nicht mehr aus dem Kopf: Dieses Jubiläum muss gefeiert werden, schließlich ist das Gut nachweislich einer der ältesten Höfe im Landkreis Diepholz.

Dass aus diesem Grundgedanken eine Großveranstaltung wird, die mehrere tausend Besucher anziehen soll, damit hätten Jens und Nicole Schwichtenberg anfangs auch nicht gerechnet. „Aber die Resonanz auf unsere Idee war so gut, die Leute waren gleich Feuer und Flamme“, sind die Hofbesitzer begeistert. Ihr Ziel: Sie wollen der Öffentlichkeit am 7. Juni zeigen, wie ganz normale Landwirtschaft funktioniert. „Wir sind kein spektakulärer Betrieb“, sagt Jens Schwichtenberg. Ackerbau, Forstwirtschaft, Schweinemast und eine gemeinsam mit drei anderen Landwirten bewirtschaftete Biogasanlage gehören zum Betrieb – nicht ungewöhnlich im Landkreis.

Im Mittelalter war der Hof ein Tausch- und Handelsobjekt der jeweiligen Grundherren. Im ausgehenden Mittelalter ging der Hof in private Hände über. 1912 kaufte die Bremer Schröder-Bank den Hof. Nach dem Zusammenbruch der Bank ging das Anwesen in den 1930er-Jahren an die Reichsumsiedlungsgesellschaft. Im Jahr 1937 kaufte Jens Schwichtenbergs Urgroßvater den Hof. Er war nach Drentwede umgesiedelt, nachdem er seinen Hof in der Lüneburger Heide an die Wehrmacht übergeben musste – das Areal gehörte zum Truppenübungsplatz Bergen.

Mit der Einheirat des Großvaters wurde aus dem Betrieb Tanke der Betrieb Kleine. Tochter Christine Kleine lernte als Stewardess auf See Schiffsingenieur Dieter Schwichtenberg kennen. Das Paar übernahm den Hof in den 1970er-Jahren und unterstützt Sohn und Schwiegertochter noch heute. Nicole Schwichtenberg kommt aus dem Nachbarort Heiligenloh und hat als Arzthelferin mit der Landwirtschaft eigentlich nichts am Hut – bis sie ihren künftigen Ehemann Jens kennen lernte. Nun ist sie froh, dass die Kinder Nane (6) und Enno (4) auf einem Hof aufwachsen können. Und sie steht mit Feuer und Flamme hinter dem Tag des offenen Hofes.

Für die Feuerwehr Heiligenloh organisiert Nicole Schwichtenberg schon seit Jahren den Bauernmarkt, hat also Erfahrung mit großen Veranstaltungen. „Aber das hier ist nochmal was anderes“, sagt sie. „Für uns war vor allem wichtig, ob wir als Privatpersonen die Auflagen, die eine solche Veranstaltung mit sich bringt, erfüllen können.“ Neben der Beratung durch Birte Brackmann, beim Landvolk zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, könne sich die Familie vor allem auf ehrenamtliche Helfer verlassen.

„Zu den ersten beiden Planungstreffen kamen schon 40 Leute, die noch viele gute Ideen hatten“, sagt Nicole Schwichtenberg. Und mittlerweile kann sie auf 145 freiwillige Helfer setzen. Die kommen von den umliegenden Vereinen, nicht nur aus Drentwede, sondern auch aus den Nachbarorten. Eine weitere wichtige Stütze für die Gastgeber ist der Freundeskreis – jeder unterstützt, wo er kann. Die Internetseite für das Gut Adelhorn hat beispielsweise ein guter Freund gestaltet.

Durch die positiven Rückmeldungen merkt die Familie schon jetzt: Das Konzept kommt an. Es passt zum Betrieb und zur ländlichen Region. „Landwirtschaft hautnah erleben“, heißt das Motto am 7. Juni. „Die Landwirtschaft steht in der Öffentlichkeit in der Kritik – wir wollen als ganz normaler Betrieb zeigen, was wir eigentlich machen“, sagt Jens Schwichtenberg. Sein Ziel: „Wenn Leute erkennen, dass es Hand und Fuß hat, was wir hier machen, ist das gut.“ Natürlich gehöre Mut dazu, sich zu öffnen, „aber wir haben nichts zu verbergen. Wir wollen den Dialog!“

Dabei hoffen die Schwichtenbergs auch auf die Kinder als „Türöffner“: Sie haben ein umfangreiches Kinderprogramm auf die Beine gestellt, unter anderem einen Lehrpfad „Vom Korn zum Brot“. Die Kinder sind also beschäftigt, und die Eltern haben Zeit, sich zu informieren. Ackerbau, Schweinehaltung, Biogasanlage, Forst und Jagd sind die Eckpfeiler des „Tag des offenen Hofes“, der um 10 Uhr mit einem Scheunen-Gottesdienst der Kirchengemeinde St. Veit beginnt. Neben den Landwirten informieren Verbände, Vereine und Unternehmen über ihre Arbeit. Einzelheiten zum Programm sind im Internet zu finden.

www.gut-adelhorn.de

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