Aktion in Barnstorf am Sonnabend

Irina Dulson unterstützt Kampf gegen Blutkrebs: „Glücklich und stolz“

Werben für die Typisierungsaktion am morgigen Sonnabend in der Christian-Hülsmeyer-Schule (v.l.): Krebsberatungsstellen-Leiterin Jennifer Hamade, Stammzellenspenderin Irina Dulson und Landfrau Ute Kemper. Foto: konkel
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Werben für die Typisierungsaktion am morgigen Sonnabend in der Christian-Hülsmeyer-Schule (v.l.): Krebsberatungsstellen-Leiterin Jennifer Hamade, Stammzellenspenderin Irina Dulson und Landfrau Ute Kemper.

Barnstorf - Von Eva-Maria Konkel. Die Statistik ist erschütternd: Alle 15 Minuten erkrankt in Deutschland ein Mensch an Blutkrebs. Doch nur jeder zehnte Patient findet einen passenden Stammzellenspender. „Dabei ist es so einfach, Leben zu retten“ sagt Irina Dulson. Die Lehrerin muss es wissen, denn ihre Spende hat schon einmal einem Menschen geholfen.

Irina Dulson ist Lehrerin an der Christian-Hülsmeyer-Schule in Barnstorf, wo am Sonnabend in der Zeit von 14 bis 17 Uhr eine Typisierungsaktion stattfindet. Federführend ist die DKMS gemeinnützige GmbH, ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei, mit Sitz in Tübingen. Sie wird vor Ort von der Krebsberatungsstelle und der Freiwilligenagentur der Interessengemeinschaft Gesundes Leben (Igel) sowie dem Landfrauenverein Barnstorf unterstützt.

Im Vorfeld der Veranstaltung spricht Dulson über ihre persönlichen Erfahrungen. Sie hat mit Anfang zwanzig während ihrer Studienzeit in Vechta an einer Typisierungsaktion teilgenommen. „Damals wurde noch Blut abgenommen“, erinnert sich die 33-jährige Diepholzerin. „Heute ist das viel einfacher. Du machst den Mund auf, Stäbchen rein und gut.“

Gut zwei Jahre nach der Typisierung sei ihr mitgeteilt worden, dass sie als Spenderin in Frage käme. Und kurze Zeit später sei auch schon der konkrete Anruf mit der Frage gefolgt, ob sie für Voruntersuchungen zur Verfügung stehen würde. „Das war für mich überhaupt keine Frage“, erklärt Dulson. Für sie sei es eine Selbstverständlichkeit gewesen, für die Untersuchungen in das Klinikum nach Hameln zu fahren.

Auf Herz und Nieren untersucht

Die junge Frau wurde von den Ärzten buchstäblich auf Herz und Nieren untersucht und wunderbar betreut, wie sie rückblickend feststellt. Zu keinem Zeitpunkt habe sie sich in der Vorbereitungsphase bedrängt gefühlt. Ganz im Gegenteil: Ihr sei von dem Klinikpersonal immer wieder versichert worden, dass sie ihre Entscheidung zu spenden, noch zurücknehmen könne. Auch die Aufklärung über die verschiedenen Verfahren der Stammzellenentnahme sei umfassend und verständlich gewesen.

Nach dem positiven Abschluss der Untersuchungen begann die persönliche Vorbehandlung auf die Stammzellenspende. „Zunächst musste die Zahl der Stammzellen in meinem Blut erhöht werden“, erinnert sich die Diepholzerin. Dazu musste über einen Zeitraum von vier Tagen zweimal täglich der Botenstoff „G-CSF“ unter die Haut gespritzt werden. „Das hat mein Freund gemacht. Mir in den Bauch zu piksen, war nicht so mein Ding“, erklärt die 33-Jährige schmunzelnd. Zu diesem Zeitpunkt befand sie sich noch zuhause. Dort hätte sie sich eigentlich etwas schonen sollen, aber sie sei trotzdem zum Sport gegangen. Es seien Symptome wie bei einer leichten Grippe aufgetreten. Das sei dann aber auch schon alles gewesen.

Schließlich folgte der große Moment in der Onkologie in Hameln. Zur eigentlichen Gewinnung der Stammzellen wurde - und wird noch immer - ein spezielles Verfahren eingesetzt, die Stammzellenpherese. Dabei wird das Blut des Spenders in einem ständigen Kreislauf aus der Armvene in einen Zellseparator geleitet und wieder zurückgeführt. Die gesamte Prozedur dauere etwa sechs Stunden, in denen man bequem liege und gut versorgt würde. „Ich musste am nächsten Tag noch einmal wiederkommen, da die Stammzellen nicht ausgereicht haben“, erinnert sich Dulson. „Aber auch das war kein Problem, mein Freund war die ganze Zeit bei mir. Wir hatten ein schönes Hotelzimmer und natürlich wurde alles von der DKMS bezahlt.“

Eindrücke bestärken Entscheidung

Die Eindrücke, die sie auf der Krebsstation in Hameln gewann, hätten sie nur noch mehr in ihrer Entscheidung bestätigt. Und als dann der Mann mit der Transportkiste ihre Stammzellen abholte, um sie zu einer an Blutkrebs erkrankten Frau in die Vereinigten Staaten zu bringen, war das für die junge Frau ein bewegender Moment. Schließlich sollte ihre Spende ein Menschenleben retten.

Als zwei Jahre später wieder eine Anfrage kam, derselben Patientin noch einmal Stammzellen zu spenden, war Dulson erneut zur Stelle. Sie zögerte keine Sekunde und stellte sich zum zweiten Mal den umfassenden Untersuchungen. Aber als sie sich mit den bekannten Spritzen auf die Spende vorbereiten wollte, kam eine traurige Mitteilung. Der Patientin ging es inzwischen so schlecht, dass es nicht mehr zur Spende kam und die Frau verstarb.

„Das ist zwar traurig, aber sie hat noch zwei Jahre mit ihrer Familie verleben dürfen. Und wenn morgen das Telefon klingelt, wäre ich sofort wieder bereit“, erklärt die Diepholzerin. Neben der Geburt ihres Kindes sei die Erfahrung, einem Menschen das Leben zu retten, das Wertvollste in ihrem Leben. „Das macht glücklich und stolz“, sagt Dulson. Ihrem Beispiel sei inzwischen die gesamte Familie gefolgt. Die Angehörigen hätten sich registrieren lassen.

Die Organisatoren der Typisierungsaktion freuen sich über das beispielhafte Verhalten und hoffen auf eine große Resonanz in Barnstorf. Jeder Mensch im Alter zwischen 18 und 60 Jahren könne Stammzellen spenden, sofern er gesund ist, erklärt Jennifer Hamade, die als Leiterin der Krebsberatungsstelle die Aktion begleitet. Die Altersgrenze für die Typisierung selbst liege aber schon bei 55 Jahren, damit man noch fünf Jahre in der Spenderkartei geführt werden könne.

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