Interkulturelles Frauencafé „Liri“ bringt Kulturen zusammen / Neue Räume

„Der Treff ist offen“

+
Ein lockerer Austausch in einer internationalen Runde – das interkulturelle Frauencafé „Liri“ ist umgezogen. Die Treffen finden jetzt jeden Mittwoch, ab 15.30 Uhr, im „Refugium“ im Barnstorfer Bahnhofsgebäude statt.

Barnstorf - Von Sven Reckmann. Das „Liri“ ist umgezogen. Das interkulturelle Frauencafé trifft sich wöchentlich ab sofort in den neuen Räumen des „Refugiums“ im Barnstorfer Bahnhof – immer mittwochs um 15.30 Uhr. Bislang hatten die Frauen die Treffen im Mehrgenerationenhaus abgehalten.

Der Abschied aus den Igel-Räumen geschehe nicht im Groll, betonen alle in der Runde, die sich an diesem Mittwoch im Bahnhof trifft. Es sei schön gewesen im Igel, aber dennoch sei der Wunsch nach Veränderung, nach mehr Selbstorganisation vorhanden, heißt es.

Es ist ein zwangloser, offener Treff, den die Frauen hier praktizieren. Plaudern, basteln, spielen, Fotos studieren oder kochen – all das steht beim „Liri“ auf der Liste. Und manchmal kommt auch konkrete Lebenshilfe dazu: Der Behördenbrief, den man nicht in allen Einzelheiten versteht, wird dann „auf dem kleinen Dienstweg“ am Tisch übersetzt. „Da muss man dann keinen großen Termin machen“, heißt es.

Die Teilnehmerinnen kommen aus Iran und Irak, aus Armenien, aus Kosovo, aus Vietnam und aus Serbien. Wer in die Runde schaut, merkt schnell, warum hier die Bezeichnung „interkulturell“ wirklich angebracht ist. Die Verständigung läuft manchmal mehr mit Händen und Füßen, aber irgendwie fühlen sich alle wohl und kommen regelmäßig wieder.

Das Angebot finanziert sich über Spenden, einen kleinen Beitrag leitet die Barnstorfer Gleichstellungsbeauftragte Ann-Kristin Hübner. „Dieser Treff ist für Frauen ein ganz wichtiger Anlaufpunkt“, sagt sie. Derzeit sorgten Ehrenamtliche dafür, dass der Betrieb aufrecht erhalten werde, „Ziel ist es irgendwann, es in die Hände der Frauen zu geben.“

Gegründet wurde der Kreis 1994, als der Krieg auf dem Balkan tobte, und Flüchtlinge nach Barnstorf brachte, kam der Wunsch nach einem Treffpunkt für Frauen aller Nationalitäten auf. Den Namen „Liri“ brachten Teilnehmerinnen mit; er heißt „Freiheit“ auf Albanisch.

Der Kochtopf wurde zum Café und zu einer Institution, die nun schon mehr als 20 Jahre fest dazu gehört zum kulturellen Angebot im Hunteflecken.

Auch einen „Internationale Kochtopf“ gab es später für einige Zeit. Organisatorin Magdalene Küppers-Schmelz erklärte die Hintergründe: „Das Kochen ist ein gutes Medium zum kulturellen Austausch. Unterschiede in der Kultur werden sichtbar, und in Gesprächen erfahren die Frauen Hintergründe und Details vom Leben der anderen.“

So soll im nächsten Jahr das Kochen jetzt auch bei „Liri“ wieder verstärkt eine Rolle spielen.

Allerdings waren und sind die Zeiten in dem Frauencafé nicht immer unbeschwert. Manche der Teilnehmerinnen waren nur begrenzte Zeit in Barnstorf, vielen Menschen, vor allem aus den Balkan-Ländern, mussten im Laufe der Jahre ihre Rückführung akzeptieren.

Abschiede zu bewältigen, das gehört daher immer wieder auch beim „Liri“ dazu, sagt Küppers-Schmelz.

Dennoch oder gerade deswegen sind die Organisatorinnen auch nach 20 Jahren mit Herzblut dabei und werben für neue Teilnehmerinnen. „Gerade in der heutigen Zeit, in der so viele Ängste da sind, vor denen, die kommen, finde ich es wichtig, dass es erlebt wird, wie bereichernd das ist“, unterstreicht Magdalene Küppers-Schmelz. „Ob Einheimische oder Zugereiste – der Treff ist offen, das ist ganz wichtig.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Bilder: Freiburg gewinnen Hinspiel gegen Domzale

Bilder: Freiburg gewinnen Hinspiel gegen Domzale

Droht Venezuela eine Diktatur?

Droht Venezuela eine Diktatur?

Ursachenforschung nach tödlichem Hubschrauberabsturz in Mali

Ursachenforschung nach tödlichem Hubschrauberabsturz in Mali

Beängstigender Hagel-Sturm: In Istanbul ging fast nichts mehr 

Beängstigender Hagel-Sturm: In Istanbul ging fast nichts mehr 

Meistgelesene Artikel

Auszeit auf der Lohne

Auszeit auf der Lohne

Ortsbrandmeister: „Der Star ist das Rettungszentrum“

Ortsbrandmeister: „Der Star ist das Rettungszentrum“

Durch die Heidelbeer-Plantagen von Kirchdorf

Durch die Heidelbeer-Plantagen von Kirchdorf

„Flieger in die Türkei sind ausgebucht“

„Flieger in die Türkei sind ausgebucht“

Kommentare